Klaus Gantert: Elektronische Informationsressourcen für Historiker (presented by Klaus Gantert)
Elektronische Ressourcen setzen sich in allen Wissenschaftsdisziplinen immer mehr durch – sei es als bibliographische Verzeichnisse, in der Organisation von Fachinformationen oder im Bereich des wissenschaftlichen Publizierens. Sehr stark betreffen diese Entwicklungen mittlerweile auch die Geisteswissenschaften. Eigene Studiengänge im Bereich der Digital Humanities reagieren auf diese einschneidenden Veränderungen, von denen die Geschichtswissenschaften sowohl quantitativ als auch qualitativ besonders betroffen sind. Sie weisen nicht zuletzt aufgrund der Vielzahl an historischen Disziplinen die größten Zahlen z.B. im Bereich E-Journals und Datenbanken auf und haben – u.a. im Bereich der Historischen Hilfswissenschaften – eine immense Vielfalt von Datenbanktypen entwickelt (z.B. Datenbanken zu Münzen, Siegeln, Inschriften, Realien etc.). Allerdings entstehen hierdurch auch neue Probleme, denn vor allem für Studierende in Bachelor-Studiengängen wird es immer schwieriger, aus der enormen Vielzahl und Vielfalt dieser Informationsressourcen verlässlich die für die eigene Fragestellung wichtigsten auszuwählen und effizient zu nutzen.
Der Band „Elektronische Informationsressourcen für Historiker“ präsentiert typologisch gegliedert die wichtigsten Ressourcen für die Recherche nach geschichtswissenschaftlichen Informationen, wobei allgemeine Informationsressourcen (z.B. Bibliothekskataloge, Internetsuchmaschinen, Zeitschriftenverzeichnisse und Digitale Bibliotheken) ebenso behandelt werden wie fachliche Ressourcen (z.B. Fachbibliographien, geschichtswissenschaftliche Fachportale, Nachschlagewerke und Quelleneditionen). Nach einer allgemeinen Einführung in den Aufbau und die Recherchemöglichkeiten der einzelnen Typen werden die jeweils wichtigsten geschichtswissenschaftlichen Informationsressourcen genauer vorgestellt (die wichtigsten Bibliographien, Fachportale, Nachschlagewerke etc.). Neben dem Inhalt wird hierbei besonderes Augenmerk auf den medienspezifischen Mehrwert der elektronischen Angebote gelegt (komplexere Recherchemöglichkeiten, Datenexport, Kombinierbarkeit mit anderen Ressourcen, Direktzugriff auf Volltexte, Multimediaanwendungen etc.). Auch die verschiedenen Methoden der inhaltlichen Erschließung geschichtswissenschaftlicher Dokumente und des Information Retrieval werden vorgestellt. In vielen Fällen werden die Möglichkeiten der Datenbanken durch Abbildungen verdeutlicht.
Besondere Schwerpunkte des Bandes liegen neben den klassischen Informationsressourcen auf den Bereichen handschriftliche Quellenmaterialien (mittelalterliche Handschriften, Nachlässe und Autographen, Archivalien), Informationsressourcen der Historischen Hilfswissenschaften und Geschichte in den Massenmedien (Geschichte im Bild, in der Presse, in Tondokumenten und im Film). Ein eigenes Kapitel widmet sich den modernen, elektronisch unterstützten Methoden der geschichtswissenschaftlichen Kommunikation (Rezensions- und Kommunikationsplattformen, Internetforen, Mailinglisten und Blogs).
Der Band versteht sich als praxisorientierter Überblick über das breite Feld der wissenschaftlichen Fachinformation, eines Teilbereichs der Geschichtswissenschaften, der durch die neuen Möglichkeiten der Recherche und des Informationszugriffs für den Erfolg eines geschichtswissenschaftlichen Studiums eine immer größere Rolle spielt.




In meiner Rezension des Bandes für Libreas 20 (2012) schreibe ich:
Gantert hat ein "Standardwerk vorgelegt, dem regelmäßig aktualisierte Neuauflagen zu wünschen sind, wenn nicht gar eine Online-Publikation in der Form, dass 'man dem raschen Veralten der Inhalte effektiv begegnen' (S. 225) kann [...]
Hauptsächlich im Zusammenhang mit dem Aufkommen des elektronischen Rezensionswesens und der dynamischen Entwicklung der Kommunikationsplattformen greift Gantert das Thema Web 2.0 kurz auf und streift die grundlegenden Veränderungen, die das geschichtswissenschaftliche Arbeiten der nächsten Generation – etwa in Form des kollaborativen Schreibens oder durch die Realisierung von Virtuellen Forschungsumgebungen – prägen werden. Insgesamt überwiegt in dem Band jedoch die Darstellung von Ressourcen, die an gedruckte Publikationen anknüpfen, nun aber als elektronisches Duplikat um zusätzliche Funktionalitäten ergänzt – ggf. vorbehältlich Lizenzierung – ohne zeitliche und räumliche Einschränkung für die Forscher zugänglich geworden sind. Ziel des Bandes ist es nicht, über den Strukturwandel der historischen Forschung im digitalen Zeitalter zu reflektieren und diesen zu analysieren. Vielmehr wird er die Veränderung des Forschungsalltags beschleunigen, weil auch weniger IT-affine Historiker dank diesem durch mehrere Register erschlossenen praxisnahen Überblick die für sie relevanten elektronischen Ressourcen rasch auffinden und häufiger nutzen werden.Historiker dank diesem durch mehrere Register erschlossenen praxisnahen Überblick die für sie relevanten elektronischen Ressourcen rasch auffinden und häufiger nutzen werden."
Der vollständige Text der Rezension ist im Web zugänglich unter <http://www.libreas.eu/ausgabe20/texte/16wiederkehr.htm>