Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung: An der Drehbank der Integrationsgeschichte 9
Das Theoriedefizit der Integrationsgeschichtsschreibung 9
Aufbau und Erkenntnisziel der Arbeit 12
2. Die wissenschaftliche Erforschung der europäischen
Integrationsgeschichte: Aufriss einer globalisierten Debatte 16
Der untersuchte Korpus von Debattenbeiträgen 16
Fünf Debattenachsen 18
2.1 Debattenachse I:
Die Suche nach dem integrationshistorischen Gegenstand 19
Stabilisierung des Forschungsobjekts 20
Individualisierung des Forschungsgegenstandes 22
Politisierung des Debattenobjekts 24
Integrationsgeschichte als Modernisierungsgeschichte 26
2.2 Debattenachse II:
Die Wahl des geschichtstheoretischen Paradigmas 28
Geschichtstheoretisches Einstimmigkeitsprinzip 29
Konkurrenzerzählung 31
Drohende Debattenspaltung 32
Verhinderung der Debattenspaltung 33
2.3 Debattenachse III:
Die Suche nach der integrationshistorischen Kontinuität 35
Kontinuitätserzeugung ex post 36
„Dynamische Kontinuität“ 38
Diskontinuität im Vormarsch 39
Erweiterte Debattendynamik 40
2.4 Debattenachse IV:
Die Bestimmung des integrationshistorischen Sinns 42
Historiographie als Zeugenaussage 43
„Europa oeconomica“ 45
Sinn durch die Integrationshistoriographie selbst 46
Entwurzelung des integrationshistorischen Sinns 47
Neuverwurzelung des Sinns 48
2.5 Debattenachse V:
Die nationale Färbung der Integrationsgeschichte 50
Aufgabe der Exklusivität 52
Erinnerung historischer Traumata 53
Auflösung der Debattenhierarchien 54
Multiperspektivität 56
Blockadeereignisse 57
2.6 Die „Geschichtswerkstatt Unionseuropas“:
Die integrationshistorische Forschungsdebatte im Aufriss 59
Fünf Debattenachsen als Richtungsvektoren des Diskurses 60
Querverweise zwischen den Debattenachsen 62
Grenzzonen und Überlappungsbereiche der Debatte 63
Die „Geschichtswerkstatt Unionseuropas“ 65
2.7 Innovationsimpuls: Transnarrative Kompetenz 66
3. Die erste Etappe: Integrationstheoretische Bausteine
einer europäischen Vereinigungshistoriographie 68
Vier integrationstheoretische Bausteine 70
Postmodernes Theorie-Joint-Venture 72
3.1 Baustein I:
Historischer Institutionalismus 73
Epochenwanderer zwischen Moderne und Postmoderne 74
Das Spektrum des Neoinstitutionalismus 76
Zwei Varianten in der Mitte des Spektrums 80
„Pfadabhängigkeit“ als Repräsentation von Geschichtlichkeit 84
Die radikal historisierende Episode der Integrationsgeschichte 88
3.2 Baustein II:
„Multi-Level Governance“ 89
Vermittler zwischen den Fronten 91
Governance 93
„Multi-Level Governance“ 96
Die charismatische Episode der Integrationsgeschichte 99
3.3 Baustein III:
Sozialkonstruktivismus 104
Metamorphosen 106
Konstruieren 111
Strukturierendes und rückbezügliches Konstruieren 114
Die Frage nach der Verzerrung des Spiegelbildes 119
3.4 Baustein IV:
Integration durch Recht 122
Ein erstes Tandem 125
Praxen des klassischen ITL 128
Praxen des jüngeren ITL 132
Lesen und Übersetzen 136
3.5 Ein erster Blick in den Werkzeugkasten 139
4. Die zweite Etappe: Geschichtstheoretische Bausteine
einer europäischen Vereinigungshistoriographie 143
Geschichtstheoretische Schattenevolution 143
Vier geschichtstheoretische Bausteine 146
4.1 Baustein V: Neue Kulturgeschichte 148
Hegemon auf Samtpfoten? 150
Vorratswirtschaft: Die Blickführung der Neuen Kulturgeschichte 156
Ein System kulturhistorischer Schlaglichter 161
Blickspiele 170
4.2 Baustein VI: Medien- und Kommunikationsgeschichte 174
Drei Gestaltungswünsche und eine runde Sache 177
Eine Stimme im Orchester 183
Epistemologischer Tauschhandel 185
Die theatralische Episode der Integrationsgeschichte 189
4.3 Baustein VII: Historische Anthropologie 195
Wiederentdeckung des Menschen 198
Eine Frage des Stils 203
Europa aus der Froschperspektive? 209
Die mikroskopische Episode der Integrationsgeschichte 215
4.4 Baustein VIII: Globalgeschichte 218
Die Idee des Globalen 220
Die Bereitschaft zum Großen 226
Wider den Eurozentrismus 229
Die exogene Episode der Integrationsgeschichte 232
4.5 Ein zweiter Blick in den Werkzeugkasten 233
5. Zur Grundlegung der Integrationsgeschichte
als ein episodisches historiographisches Erzählen 237
5.1 Episoden als narrative Einheiten der Integrationsgeschichte 238
5.2 Episodisches Erzählen 241
5.3 Acht Geschichten über die Integrationsgeschichte 245
5.4 Episodisches Erzählen und europäische Gedächtnisse 257
5.5 Episodisches Erzählen und europäische Identitäten 269
5.6 Versuch eines Hypertexts 275
6. Schlussbetrachtung 280
7. Materialkorpus zur Diskursanalyse der
integrationshistorischen Forschungsdebatte in Abschnitt 2 285
8. Literaturverzeichnis 288
9. Register 322
Die europäische Integration stellt eine historisch präzedenzlose und neuartige Form der friedlichen Vereinigung eines Kontinents dar. Die Geschichtswissenschaft benötigt daher innovative theoretische Konzepte, um diesen Prozess angemessen erklären zu können – zum gegenwärtigen Zeitpunkt ist die Integrationsgeschichte jedoch durch ein weitgehendes „Theoriedefizit“ geprägt. Das Buch „Acht Geschichten über die Integrationsgeschichte. Zur Grundlegung der Geschichte der europäischen Integration als ein episodisches historiographisches Erzählen“ nimmt diesen Befund kritisch auf und leuchtet die theoretischen Grundlagen der Integrationshistoriographie aus. In interdisziplinärer Perspektive wird ein Vorschlag zur theoretischen Grundlegung der Vereinigungshistoriographie erarbeitet. Das Konzept eines episodischen historiographischen Erzählens (Peter Pichler) begreift die Einigung Europas als einen umfassenden Kooperations- und Transformationsprozess. In diesem Prozess greifen verschiedenste geschichtliche Teilstränge (etwa politische, wirtschaftliche, kulturelle, soziale, rechtliche, religiöse usw.) netzwerkartig ineinander. Im historiographischen Text ist deren Gesamtes daher am sinnvollsten als ein episodisches historiographisches Netzwerk zu repräsentieren. Dieser Theorievorschlag soll als neue Metaperspektive und methodisches Arbeitsinstrument zu Verfügung gestellt werden.
Ein erster Arbeitsschritt unterzieht die bisherige Forschung zur Integrationsgeschichte einer kritischen Bestandsaufnahme und Diskursanalyse. Besonderes Augenmerk liegt darauf, auch ost- und südosteuropäische sowie türkische Perspektiven miteinzubeziehen. In der Synopsis zeigt sich das Zusammenspiel von ost- und südosteuropäischem „transition“-Narrativ sowie der türkischen Perspektive auf den Integrationsprozess als Motor der Debatte. Weiters stellen „postmoderne“ Perspektiven auf die Integrationsgeschichte ein wichtiges Element der Beschleunigung und Erneuerung des Diskurses dar. Der erste Arbeitsschritt endet damit, einen ersten Innovationsimpuls zur diskursiven Erneuerung der integrationsgeschichtlichen Forschung geben zu können: Der neu eingeführte Begriff der „transnarrativen Kompetenz“ ermöglicht es, „transition“-Narrativ und türkische Integrationsperspektiven aufeinander zu beziehen.
In einem zweiten Arbeitsschritt werden aus der jüngsten Entwicklung in Integrations- und Geschichtstheorie jene theoretischen Elemente isoliert, die zu einer perspektivischen Erneuerung der Forschung beitragen können. Das Konzept des episodischen historiographischen Erzählens verbindet diese Bausteine aus Politik-, Sozial-, Rechts- und Kulturwissenschaften zu einem interdisziplinären Theorievorschlag. Die Bausteine werden in ihrer jeweiligen analytischen Erzählhaltung bestimmt und somit als jeweils ein episodischer Erzählstrang, als eine Episode der Geschichte der europäischen Integration rekonstruiert. Das Netzwerk dieser Episoden macht schließlich den Theorievorschlag eines episodischen historiographischen Erzählens aus. Das Konzept des episodischen historiographischen Erzählens ermöglicht somit nicht nur die Überwindung des Theoriedefizits der Integrationsgeschichtsschreibung, sondern dringt mittels der Vereinigung interdisziplinärer Bausteine zu einem episodischen Netzwerk tief in wissenschaftliches Neuland vor.