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      Präsentation (Monographie)
      Autor (Präsentation)
      • Stockinger, Thomas
      Sprache (Präsentation)
      Deutsch
      Sprache (Monographie)
      Deutsch
      Autor (Monographie)
      • Stockinger, Thomas
      Titel
      Dörfer und Deputierte
      Untertitel
      Die Wahlen zu den konstituierenden Parlamenten von 1848 in Niederösterreich und im Pariser Umland (Seine-et-Oise)
      Erscheinungsjahr
      2012
      Erscheinungsort
      Wien, München
      Verlag
      Böhlau, Oldenbourg
      Reihe
      Mitteilungen des Instituts für österreichische Geschichtsforschung. Ergänzungsband
      Reihennummer
      57
      Umfang
      930
      ISBN
      978-3-205-78815-7
      Thematische Klassifikation
      Politikgeschichte, Rechtsgeschichte, Sozial- und Kulturgeschichte
      Zeitliche Klassifikation
      Neuzeit bis 1900 → 19. Jh.
      Regionale Klassifikation
      Europa → Westeuropa → Frankreich, Europa → Westeuropa → Österreich
      Schlagwörter
      Landbevölkerung / Politisierung
      Österreich <Kaiserreich> / Wahlen / Reichstag <1848> / Land Niederösterreich
      Zweite Französische Republik <1848-1852> / Wahlen / Nationalversammlung <1848> / Département Seine-et-Oise
      recensio.net-ID
      5b13a6c75bf88c39360fb5b7010ad0ad
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Thomas Stockinger: Dörfer und Deputierte. Die Wahlen zu den konstituierenden Parlamenten von 1848 in Niederösterreich und im Pariser Umland (Seine-et-Oise) (präsentiert von Thomas Stockinger)

erstellt von Thomas Stockinger zuletzt verändert: 23.07.2013 15:25

Inhaltsverzeichnis anzeigen

I. Einleitung
 
II. Theoretische Grundlagen und Ausgangspunkte
II.1. Der Vergleich in der Geschichtswissenschaft 
II.2. Theoretischer Ansatz: „Politisierung“ der Landbevölkerung?
 
III. Sozioökonomische Rahmenbedingungen 
III.1. Präsentation der Untersuchungsgebiete
III.2. Demographische Eckdaten
III.3. Landwirtschaftliche Verhältnisse
III.4. Gewerbliche und industrielle Aktivitäten

IV. Mentale und kulturelle Voraussetzungen
IV.1. Verkehrswesen und Kommunikation
IV.2. Schulwesen und Alphabetisierung
IV.3. Religiosität und kirchliches Leben
IV.4. Politische Partizipation und Wahlen 

V. Revolutionen und ländlicher Raum – Revolutionen im ländlichen Raum
V.1. Seine-et-Oise: Republikanisierung und Widerstände
V.2. Niederösterreich: die „Bauernfrage“ im Zentrum des Geschehens
V.3. Zusammenfassung: Hie „politische“, da „soziale Revolution“?

VI. Die Wege zum Wahltag
VI.1. Rechtliche Grundlagen der Wahlen
VI.2. Weitere Wahlen im Frühjahr 1848
VI.3. Administrative Vorbereitung der Wahlen
VI.4. Wahlinformation und Wahlwerbung 

VII. Die Momente der Wahl
VII.1. Wahlberechtigung und Wahlbeteiligung 
VII.2. Der Ablauf der Abstimmungen
VII.3. Wähler, Gewählte und Wahlmotive

VIII. Schluss

Die Untersuchung befasst sich mit den Wahlen zum konstituierenden Reichstag in Österreich im Juni 1848 im Vergleich mit jenen zur konstituierenden Nationalversammlung in Frankreich im April 1848, und zwar unter dem Blickwinkel der Verbreitung neuer – vor allem elektoraler und repräsentativer – Politikvor­stellungen im ländlichen Raum. Dem Ansatz liegen Begrifflichkeiten der in Frankreich seit längerem geführten Debatte um die „Politisierung“ der Landbevölkerung (politisation de la paysannerie) zugrunde. Die räumliche Beschränkung auf das Land Niederösterreich (ohne Wien) sowie das Umland von Paris, das ehemalige Département Seine-et-Oise, ermöglicht eine quellennahe Darstellung. Es handelt sich um eine inhaltlich und formal überarbeitete Fassung einer im September 2010 approbierten Dissertation; zusätzliche Archivforschungen in Frankreich im Januar/Februar 2011 haben eine Vervollständigung der Quellenbasis erlaubt.

Nach der Darlegung theoretisch-methodischer Positionen zur Anwendung des international vergleichenden Ansatzes folgt eine kurze Wiedergabe der Debatten um die „Politisierung“ einschließlich neuerer Kritiken an diesem Konzept (Kapitel 2). Als Ergebnis wird der Ansatz formuliert, nicht von einer „Politisierung“ gegenüber einem „apolitischen“ Ausgangszustand der ländlichen Bevölkerungen auszugehen, sondern von einem komplexen Bündel differenziert zu analysierender Wandlungen ländlicher Politik.

In einem ersten Teil erfolgt eine komparative Darstellung der demographischen, wirtschaftlichen und sozialen Verhältnisse der beiden Untersuchungsräume (Kapitel 3), weiters der kulturellen und mentalen Voraussetzungen der Bevölkerungen hinsichtlich Mobilität, Alphabetisierung, religiösen Verhaltens sowie der Erfahrungen mit politischer Partizipation (Kapitel 4). Eine knappe Darstellung der Revolutionen von 1848 in beiden Gebieten fokussiert ihre Erscheinungsformen im ländlichen Raum (Kapitel 5).

Ausführlich verglichen werden die Rechtsgrundlagen der beiden Wahlen, Vorgänge der administrativen Vorbereitung sowie der Wahlwerbung (Kapitel 6). In ihnen werden Modelle elektoraler Politik gesehen, welche von neuen und alten politischen Eliten in beiden Staaten angesichts der revolutionären Situation entworfen und mit den ihnen verfügbaren Kommunikations- und Machtmitteln an die Bevölkerungen herangetragen wurden. Der Wahlvorgang wird zunächst in seiner prozeduralen Dimension geschildert, bevor eine Analyse der Wahlentscheidungen versucht wird (Kapitel 7). Auf diesem Wege wird gezeigt, dass unterschiedliche Vorstellungen zu Sinn und Funktionsweise von Wahlen konkurrierten und sich vermischten. Dies betrifft Divergenzen zwischen den in Kapitel 6 analysierten Modellen der Eliten, aber auch deren Aufeinandertreffen mit in der breiteren Bevölkerung präsenten Vorstellungen. Dies ist in Niederösterreich gut zu beobachten, dessen ländliche Wähler das Wahlmodell ausgehend von älteren Praktiken der Interessenartikulation, die auf ständischer Gliederung der Gesellschaft beruhten, teils ver­weigerten, teils umfunktionierten; in Seine-et-Oise sind Verhaltensweisen, die für abweichende Vor­stellungen von Repräsentation und Wahlen sprechen, in marginalem Ausmaß neben einer weitgehenden Akzeptanz des von den Eliten vorgegebenen Modells zu finden.

Obwohl die Unterschiede zwischen den beiden Fällen beträchtlich sind und beide vom heute etablierten Idealbild demokratischer Wahlen erheblich abweichen, lassen sie sich in die Geschichte vielfältiger Veränderungen einordnen, in deren Verlauf ältere Vorstellungen vom Wählen im Besonderen, von Politik im Allgemeinen allmählich durch Elemente heute bekannter Modelle verdrängt wurden.