Wolfgang Jacobmeyer: Das deutsche Schulgeschichtsbuch 1700-1945. Die erste Epoche seiner Gattungsgeschichte im Spiegel der Vorworte (presented by Wolfgang Jacobmeyer)
Zusammengefasste Inhaltsübersicht
0.0 Einleitung
1.0 Abriss der Gattungsgeschichte zwischen
1700 und 1945
1.1 Erste Periode: 1700 bis 1780
1.2 Zweite Periode: 1781 bis 1820
1.3 Dritte Periode: 1820 bis 1849
1.4 Vierte Periode: 1849 bis 1870
1.5 Fünfte Periode: 1871 bis 1889
1.6 Sechste Periode: 1890 bis 1918
1.7 Siebente Periode: 1919 bis 1932
1.8 Achte Periode: 1933 bis 1945
2.0 Dokumentation der Vorworte und Lehrbücher
Abstract:
Unstreitig ist das Lehrbuch für den Geschichtsunterricht an deutschen Schulen seit dem 18. Jahrhundert das Leitmedium des Faches. Es hat seit 1700 alle deutschen schulpflichtigen Kinder, also Millionen, beschult. Damit hat es das Geschichtsbewusstsein der deutschen Gesellschaft geformt – durch die getroffene Inhalts-Auswahl und durch explizite oder implizite Urteile über historische Sachverhalte und Personen. Seine Verwendung erfolgt im Rahmen des staatlichen Schulwesens. Seine Inhalte werden von akademisch ausgebildetem und staatlichen geprüftem Lehrpersonal vermittelt. Zudem wird die Lernleistung der Schüler kontrolliert. Kein anderes Medium in modernen Gesellschaften kann eine vergleichbare Wirkungsmächtigkeit für sich behaupten.
Obwohl das Schulbuch für das Fach Geschichte auf das deutsche Geschichtsbewusstsein intensiver und nachhaltiger eingewirkt hat als jedes andere Medium der Tradierung von Geschichte, kennen wir die Gattung nicht. Die vorliegende Veröffentlichung beleuchtet erstmals die Gattungsgeschichte des Schulgeschichtsbuchs über 250 Jahre, und zwar für alle Schulaltersstufen und alle Schulformen, vom gymnasialen zum elementaren Unterricht, Knaben- wie Mädchenschulen. Damit liegt zugleich ein Inventar der Gattung vor.
Der 1. Band des Werkes ist eine Monographie zur Gattungsgeschichte des Lehrbuchs zwischen 1700 und 1945; er enthält auch das Personen- und Verlagsregister.
Die beiden folgenden Bände dokumentieren chronologisch fortlaufend drei forschungsrelevante Inhaltselemente von 1.848 Geschichtslehrbüchern, und zwar aus Gründen der Vergleichbarkeit ausschließlich in der 1. Auflage:
1. Die inhaltlich aussagekräftigen Vorworte der Autoren zu ihren Lehrwerken. Damit wird eine systematische Textstelle des Lehrbuchs vorgestellt. Die Autoren teilen selbst mit, was sie von Geschichte, vom Geschichtsunterricht verstehen, welche Geschichte sie für überlieferungswürdig halten, wie sie ihre Auswahl begründen und welche Methoden sie für den Unterricht befürworten.
2. Die Biographien der Verfasser. Damit werden professionelle Standards der Autoren erfasst, ihre Ausbildungsgänge, berufstypischen Lebensläufe, Erfahrung mit Schulformen, milieuspezifischen Herkünfte, konfessionellen Bindungen, akademische Ränge usw.
3. Die Buchgeschichte des jeweiligen Lehrbuchs. Denn es ist nicht nebensächlich, ob ein Lehrbuch nur ein einziges Mal verlegt wurde oder in über 60 Bearbeitungen von 1836 bis 1916 erschienen ist. Im Detail lässt sich z.B. erkennen, wie lange und wie stark der Geschichtsunterricht der Weimarer Republik von Lehrbüchern des Kaiserreichs dominiert wurde.
Lehrbücher aller Fächer, besonders aber Geschichtsbücher, sind historische Dokumente für den wechselnden Zeitgeist. Sie dokumentieren die fachlichen, gesellschaftlichen und politischen Bedingungen, unter denen Autoren schreiben und unter denen Schüler die Lehrbücher rezipieren. Die vorliegende Veröffentlichung füllt daher nicht nur eine Lücke unserer Kenntnisse, sondern sie eröffnet neue Perspektiven: für die Zeitgeist-Forschung, für die sachgerechte und fundierte Ausbildung künftiger Lehrkräfte des Faches und für die überfällige Entwicklung neuer Forschungsstrategien in der Historischen Schulbuchforschung.



