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  • Metadata

    • Document type
      Presentation (monograph)
      Author (Presentation)
      • Menninger, Annerose
      Language (Presentation)
      Deutsch
      Language (Monograph)
      Deutsch
      Author (Monograph)
      • Menninger, Annerose
      Title
      Historienfilme als Geschichtsvermittler
      Subtitle
      Kolumbus und Amerika im populären Spielfilm
      Year of publication
      2010
      Place of publication
      Stuttgart
      Publisher
      Kohlhammer
      Number of pages
      334
      ISBN
      978-3-17-021667-9
      Subject classification
      History of cinema, radio and television, Historiography
      Time classification
      15th century, 16th century, 1940 - 1949, 1990 - 1999
      Regional classification
      Europe, USA
      Subject headings
      Kolumbus-Rezeption
      Christopher Columbus <Film>
      1492: conquest of paradise <Film>
      Historienfilm
      Geschichtsbild
      Kolumbus, Christoph
      Indiokulturen
      recensio-ID
      c509eb1841b97d583e1c2843f0c7cf88
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Annerose Menninger: Historienfilme als Geschichtsvermittler. Kolumbus und Amerika im populären Spielfilm (presented by Annerose Menninger)

Show table of contents

Seit den Visualisierungsschüben des 19. und 20. Jh.s leben wir zunehmend in einer Bilderwelt. Im Kontext dieses iconic turn sind Spielfilme zum Forschungsgegenstand der Medien-, Musik-, Literatur-, Religions- und Geschichtswissenschaft avanciert. Das gilt auch für Historienfilme. Mit Blick auf ein Massenpublikum suggerieren sie die Vermittlung von Geschichts- und Kulturbildern mit verlockenden Vorteilen: eindringlich, unterhaltsam, in kurzer Zeit. Zwar wird diese meinungsmachende Wirkung neben ihrem Wert als kultur- und mentalitätsgeschichtliche Zeugnisse namentlich von HistorikerInnen betont. Jedoch fehlen systematische Einzelanalysen.

Diese Forschungslücke sucht das Buch anhand eines innovativen methodischen Konzepts zu schließen, das an den Kolumbus-Verfilmungen Christopher Columbus (1949) und 1492: Conquest of Paradise (1992) erprobt wird. Das erste Kapitel enthält die historischen Grundlagen als Messlatte. Einer Kolumbus-Biografie folgt eine kritische Bilanz, die Kolumbus als erfolgreichen Entdecker, machtgierigen Kolonisator und grausamen Eroberer beleuchtet. Diesem Befund steht eine beispiellose Idealisierung als epochaler Entdecker gegenüber, die sich bis heute in populären Medien greifen lässt (Denkmal, Lexika, Schulbuch, Roman, Werbung, Internet). Aus zeitgenössischen Quellen werden die zu nackten Paradieskindern stilisierten Taino der Großen Antillen gefiltert. Kapitel zwei und drei enthalten die Filmanalysen und sind identisch aufgebaut: Filmografien eruieren Filmschaffende und Produktionsgründe. Filminhalte dokumentieren, dass die Filme nur Kolumbus’ erste bzw. seine ersten drei Amerikareisen fokussieren. Die Frage nach Vorlagen rekonstruiert, dass beide Filme auf zentralen Quellen basieren (Kolumbus’ Bordbuch, Hernando Colóns Kolumbus-Biografie und Theodor de Brys Kupferstichen), die sie identisch visualisieren oder daraus gezielt konstruieren. Die Personenanalyse lehrt, dass Kolumbus in seiner beschönigten Rolle als Entdecker agiert, während historisch greifbare oder fiktive Akteure zu Antagonisten aufgebaut werden. Die Inszenierung der Indios dokumentiert, dass die Filme dieselbe Quellen unterschiedlich beugen: Während im älteren Film die Taino auf sprach- und kulturlose Statisten reduziert sind, die sich demonstrativ unterwerfen, zeichnet der jüngere Film ein subtiles Kulturporträt der Taino, die eloquent selbst Kolumbus düpieren dürfen und Opfer der Kolonisation werden. Aus diesen Befunden ergeben sich unterschiedliche Filmbotschaften: Der ältere Film, noch in kolonialer Zeit entstanden, lässt Kolumbus als militanten Entdecker und Kulturbringer auftreten, wohinter Kolonialpropaganda aufscheint. Der jüngere Film aus postkolonialer Zeit setzt sich kritisch mit den Folgen der europäischen Invasion für die Indigenen auseinander, ohne dabei Kolumbus’ populäres Bild als epochaler Entdecker anzutasten. Individuelle Absichten des Regisseurs (Kolumbus-Bewunderung und Werben für interkulturelle Toleranz) fließen hier mit ein.

Das Buch verfolgt drei Ziele: Es schult Medienkompetenz, indem es Historienfilme in das Raster klassischer Quellenkritik integriert. Dabei zeigt es, dass sie keine bloßen Unterhaltungsmedien, sondern durchdachte Konstrukte sind wie auch Lehrbeispiele mit komplexem Analysepotenzial (Film, Drehbuch, Intertextualität, Interviews, Trailer, Poster, Tagline, Laienstatements im Internet). Es erzeugt interkulturelle Kompetenz, indem es die Taino-Inszenierung im Quellen-Film-Vergleich untersucht und Leser herausfordert, erworbenes Vorwissen und Filmwirkung kritisch zu reflektieren. Es wirbt für interdisziplinäre Kompetenz, weil es Verschränkungen zwischen Medien- und Geschichtswissenschaft erschließt. Filmästhetische Stilmittel (Dramaturgiemuster, Archetypen, Einstellungen, slow motion, Lichteinsatz, Platzieren & Ernten) beeinflussen und unterstützen Filmkonzeption, Konstruktion, Personeninszenierung und Filmbotschaft. Mithin könnte das Buch Modellcharakter für weitere Historienfilm-Analysen haben.