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    • Document type
      Presentation (monograph)
      Author (Presentation)
      • recensio.net
      Language (Presentation)
      Deutsch
      Language (Monograph)
      Deutsch
      Author (Monograph)
      • Wanninger, Susanne
      Title
      "Herr Hitler, ich erkläre meine Bereitwilligkeit zur Mitarbeit." Rudolf Buttmann (1885-1947)
      Subtitle
      Politiker und Bibliothekar zwischen bürgerlicher Tradition und Nationalsozialismus
      Year of publication
      2014
      Place of publication
      Wiesbaden
      Publisher
      Harrassowitz
      Series
      Beiträge zum Buch- und Bibliothekswesen
      Series (vol.)
      59
      Number of pages
      VIII, 591
      ISBN
      978-3-447-10318-3
      Subject classification
      History of education, Biographies, genealogy, Political History
      Time classification
      Modern age until 1900 → 19th century, 20th century → 1900 - 1919, 20th century → 1920 - 1929, 20th century → 1930 - 1939, 20th century → 1940 - 1949
      Regional classification
      Europe → Western Europe → Germany
      Subject headings
      Buttmann, Rudolf
      Bayerische Staatsbibliothek
      Geschichte 1935-1945
      recensio.net-ID
      10e67fb1a56649ee9afae99d6f8ce1c6
  • Citation rules

    • recensio.net: presentation of: Susanne Wanninger, "Herr Hitler, ich erkläre meine Bereitwilligkeit zur Mitarbeit." Rudolf Buttmann (1885-1947). Politiker und Bibliothekar zwischen bürgerlicher Tradition und Nationalsozialismus, Wiesbaden: Harrassowitz, 2014, https://www.recensio.net/r/10e67fb1a56649ee9afae99d6f8ce1c6

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Susanne Wanninger: "Herr Hitler, ich erkläre meine Bereitwilligkeit zur Mitarbeit." Rudolf Buttmann (1885-1947). Politiker und Bibliothekar zwischen bürgerlicher Tradition und Nationalsozialismus (presented by recensio.net)

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Lektürekommentar(e) zu

 

Susanne Wanninger: "Herr Hitler, ich erkläre meine Bereitwilligkeit zur Mitarbeit." Rudolf Buttmann (1885-1947). Politiker und Bibliothekar zwischen bürgerlicher Tradition und Nationalsozialismus. Wiesbaden: Harrassowitz 2014.

 

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Martin_Renghart says:
Oct 23, 2015 10:31 AM

Susanne Wanninger hat sich mit ihrer im Wintersemester 2012/13 an der Universität Augsburg eingereichten Dissertation keine einfache Aufgabe gestellt, nämlich mit Rudolf Buttmann einen Mann zu porträtieren, der drei höchst verschiedene Karrierestufen durchlaufen hat: Vorsitzender der NSDAP-Fraktion im Bayerischen Landtag (1925-1933), Ministerialdirektor im Reichsinnenministerium (1933-1935) und Generaldirektor der Bayerischen Staatsbibliothek (1935-1945).

Dabei ist es ihr gelungen, Buttmann als einen gemäßigten Nationalsozialisten mit bürgerlichem Habitus und rechtstaatlichem Empfinden zu zeichnen, denn das überlieferte Tagebuch erlaubte es, viele seiner Auffassungen und Reaktionen auf besondere Ereignisse bis ins Detail nachzuvollziehen. Darüber hinaus habe er aufgrund dieser Eigenschaften für Hitler und die NSDAP vor allem als eine Art „Türöffner“ oder „social broker“ fungiert. Hierunter versteht sie einen „Vermittler zwischen den Nationalsozialisten und (rechts-)konservativ eingestellten bürgerlichen Kreisen in Politik und Wirtschaft“ (S. 6), ohne freilich diese Leitfrage stärker in die ältere und aktuelle historische Forschung einzubetten oder wenigstens die Herkunft des Begriffs „social broker“ (S. 12) stärker zu reflektieren. So gesehen bleibt diese mit Blick auf Buttmann durchaus sinnvolle Fragestellung trotz der methodischen Überlegungen etwas in der Luft hängen.

Dasselbe gilt für Wanningers Versuch, Buttmann als „Bildungsbürger par excellence“ (S. 47-49) zu fassen, ein Anspruch, der im Laufe der späteren Arbeit nicht ausreichend belegt werden kann.

Zwei Wege wären hier denkbar gewesen: Entweder hätte die Autorin präziser definieren müssen, was sie unter einem „(Bildungs)bürger“ versteht, um dann eine differenzierte Einordnung Buttmanns zu versuchen, oder sie hätte von den Quellen ausgehend Buttmanns Abgrenzung von radikaleren bzw. anti-bürgerlichen Bestrebungen herausarbeiten müssen, nicht zuletzt auch in der Beurteilung durch Freunde und Zeitgenossen.

Denn daran fehlt es dieser Arbeit: Wanninger macht Buttmanns bürgerlichen Habitus vor allem an seiner Hochschätzung von Ehe, Familie und klassischer Bildung sowie seiner beruflichen Karriere fest.
Nach diesen Kriterien freilich müsste man vielen Nationalsozialisten einen „bürgerlichen Habitus“ zubilligen. Weiterführend erscheint da schon ihr Hinweis auf den Altersunterschied (ansatzweise thematisiert auf S. 179 und 551).
Wenig geht sie dagegen auf die persönlichen Kontakte ein, die er dabei pflegte, und die für einen Bildungsbürger durchaus von großer Bedeutung wären. Zwar weist sie darauf hin, Buttmann habe „zu den Radau-Nazis wie Hermann Esser, Julius Streicher und Adolf Wagner […] nicht die besten Beziehungen“ gepflegt (S. 113), aber dies reicht für eine Positionierung nicht aus. Wenn man berücksichtigt, dass sich Buttmann in den Kriegsjahren offenbar nicht mehr aktiv in der Partei betätigte (S. 513), bleibt außerdem offen, mit wem Buttmann denn während dieser Zeit privaten Umgang hatte. Auch Buttmanns Verhältnis zu seinen Kindern wird kaum thematisiert (lediglich S. 197 und 524-526), während seine eigene Sozialisation und besonders der Einfluss seines Vaters umfassend dargestellt werden (S. 23-46). Ebenso unterbelichtet bleibt sein persönliches Verhältnis zur Literatur, insbesondere zu nationalsozialistischem Schriftgut. Hier hätte die Arbeit auch von der Studie Othmar Plöckingers über „Mein Kampf“ (1) profitieren können (dort insbes. S. 328-330).

Nicht zuletzt wären die Urteile seiner politischen Zeitgenossen über Buttmann interessant gewesen, der interessanterweise in den zuletzt publizierten Dissertationen von Markus Schmalzl über Erhard Auer und Nikola Becker über Autobiographien des Münchner Bürgertums (2) kaum vorkommt (vgl. Schmalzl, S. 580; Becker, S. 664), und es stellt sich die Frage, warum er öffentlich so wenig wahrgenommen wurde. Offenbar war er innerhalb des Münchner Bürgertums ziemlich isoliert und wurde auch nicht als politisch bedeutender Faktor wahrgenommen. Zumindest auf seine Kontakte zum Kreis um Ernst Hanfstaengl hätte die Arbeit aber eingehen können (vgl. Plöckinger, S. 73).

Im Gegensatz zu Schmalzls Arbeit über Auer (vgl. Schmalzl, S. 226-229) fehlen bei Wanninger auch Bemerkungen zu Buttmanns Verhältnis zur Monarchie, die er als Bismarck-Verehrer (S. 39f.) wohl durchaus geschätzt hat. Es ist mehr als erklärungsbedürftig, warum sich Buttmann nach 1920 zu den Nationalsozialisten orientierte, wenn er gleichzeitig von den „unvergleichlichen Vorzüge[n] der monarchischen Staatsform“ überzeugt blieb (S. 75).

Auch die zweite Leitthese der Arbeit, Buttmann habe sich für Hitler und die NSDAP als „social broker“ betätigt, kann trotz ihrer anfänglichen Plausibilität im Laufe der Arbeit nicht konsequent durchgehalten werden. Zwar bemüht sich Wanninger, auch Buttmanns kirchenpolitische Arbeit im Reichsinnenministerium sowie in der Leitung der Bayerischen Staatsbibliothek als „Vermittlungstätigkeit“ zu verkaufen (S. 319). Aber diese war in beiden Fällen eher funktionell begründet, und er konnte trotz seiner persönlichen Qualitäten und seines bürgerlichen Habitus (S. 236) dabei anders als vor der Machtergreifung wenig ausrichten.

Denn sein Handlungsspielraum war in Berlin bereits massiv eingeschränkt (S. 196), und durch die Etablierung der NSDAP an der Macht hatten Vermittlerpersönlichkeiten massiv an Bedeutung verloren (S. 115, 140, 164, 177, 179 u.a.). Nicht zuletzt jedoch hatte er sich während dieser Zeit den engen dienstlichen Vorschriften des Beamtenrechts zu unterwerfen, und es wäre sinnvoll gewesen, dies stärker zu berücksichtigen: Welches Verständnis vom Beamtentum hatte er bzw. gegenüber welchen Dienstherrn fühlte er sich dadurch verpflichtet(vgl. S.140, 380, 383 u.a.)? Wanninger hat bereits eingangs bei ihrer Definition eines „social broker“ gemeint, diese seien mitunter auch Loyalitätskonflikten ausgesetzt (S. 12). Gerade derartige Konflikte lassen sich bei Buttmann aber nur sehr schwer nachweisen. (vgl. etwa S. 86, 177, 451, 526f.). In der Tat wird man Buttmann, deutlicher als Wanningers Arbeit es tut, die Verdrängung wichtiger Bestandteile des Nationalsozialismus vorwerfen müssen – eine weitere sehr wichtige Eigenschaft des „Bildungsbürgers“ Buttmann! Mit Blick auf seine 1940 aufgestellte Behauptung, er habe sich 1925 wegen des Hitlerputsches und des darauf folgenden Gerichtsverfahrens der NSDAP angeschlossen (S. 86), steht sogar sein sonst immer wieder aufscheinendes rechtsstaatliches Bewusstsein in Frage.

So interessant die beiden Abschnitte über Buttmanns Tätigkeit als Ministerialdirektor bzw. als Generaldirektor inhaltlich auch sind, tragen sie letztlich zur Analyse von Buttmanns Funktion als social broker bzw. Vermittler wenig bei und erscheinen mit einer Länge von 60% des Gesamttexts (S. 183-505) überdimensioniert. Die Arbeit folgt hier stark traditionellen biographischen Mustern anstatt sich ausreichend ihrem Leitmotiv zuzuwenden. Dagegen wäre der folgende Abschnitt „Abschied aus Berlin – Abkehr vom Nationalsozialismus?“ (S. 507-527), mit wichtigen Einblicken in Buttmanns komplexe Persönlichkeit, einer ausführlicheren Ausarbeitung würdig gewesen. Auch die Frage, was die niedrige NSDAP-Mitgliedsnummer Buttmann tatsächlich bedeutet bzw. gebracht hat, wird zwar immer wieder (S. 375, 480, insbes. 383) beiläufig berührt, aber nicht endgültig geklärt.

Dies alles schmälert zwar nicht den Wert der akribischen Quellenarbeit, die die gesamte Arbeit auszeichnet und einen streckenweise sehr lebendigen Eindruck nicht nur von Buttmanns Denken und Handeln, sondern auch von der damaligen Situation in Kirchenpolitik und Bibliothekswesen „hinter den Kulissen“ liefert. Dabei verdienen der durchgängig gut lesbare Stil und die klare inhaltliche Strukturierung besondere Erwähnung, denn Buttmanns Lebenslauf stellt hier vor nicht geringe Anforderungen.

Aber über seine Person hinaus weisen die Forschungsergebnisse meistens nicht, da kaum Vergleiche mit anderen Personen bzw. Institutionen (Ministerien, Bibliotheken) angestellt werden.
Die Kritik an der Berufung Buttmanns zum obersten Bibliothekar Bayerns (S. 335-341) ließe sich etwas anders beurteilen, wenn man bedenkt, dass der seinerzeitige Leiter der Preußischen Staatsbibliothek, Hugo Andres Krüß, überhaupt keine bibliothekarische Ausbildung vorzuweisen hatte. So gesehen wäre auch die Einbeziehung mancher Neuerscheinungen sinnvoll gewesen, etwa des Sammelbands von Michael Knoche über Bibliothekare während der NS-Zeit. (3)

Die Verfasserin meint abschließend selbst, es sei davon auszugehen, „dass es eine Vielzahl von Nationalsozialisten gab, die als social broker wirkten“ (S. 551), und es wäre wünschenswert gewesen, wenn sie dies auch an einigen aus der Literatur bekannten Beispielen belegt hätte. Aber man kann sich auch zu Recht fragen, wo all dies in der ohnehin bereits an die 600 Seiten umfassenden Arbeit hätte untergebracht werden können. So bleibt die Beantwortung all dieser weiterführenden Fragen einer zukünftigen, vergleichenden Arbeit über die „Türöffner“ des Nationalsozialismus vorbehalten.

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1. Otmar Plöckinger, Geschichte eines Buches: Adolf Hitlers „Mein Kampf“ 1922-1945, München 2006.

2. Markus Schmalzl, Erhard Auer. Wegbereiter der Parlamentarischen Demokratie in Bayern, Kallmünz 2013; Nikola Becker, Bürgerliche Lebenswelt und Politik in München. Autobiographien über das Fin de Siècle, den Ersten Weltkrieg und die Weimarer Republik, Kallmünz 2014.

3. Vgl. Michael Knoche (Hg.), Wissenschaftliche Bibliothekare im Nationalsozialismus.Handlungsspielräume, Kontinuitäten, Deutungsmuster, Wiesbaden 2011.