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  • Metadata

    • Document type
      Presentation (monograph)
      Author (Presentation)
      • Woniak, Katarzyna
      Language (Presentation)
      Deutsch
      Language (Monograph)
      Deutsch
      Author (Monograph)
      • Woniak, Katarzyna
      Title
      Verdrängen und Wiederentdecken
      Subtitle
      Die Erinnerungskulturen in den west- und nordpolnischen Kleinstädten Labes und Flatow seit 1945. Eine vergleichende Studie
      Year of publication
      2016
      Place of publication
      Marburg
      Publisher
      Verlag Herder-Institut
      Series
      Studien zur Ostmitteleuropaforschung
      Series (vol.)
      36
      Number of pages
      X, 419
      ISBN
      9783879694037
      Subject classification
      Local History, Social and Cultural History
      Time classification
      20th century → 1940 - 1949, 20th century → 1950 - 1959, 20th century → 1960 - 1969, 20th century → 1970 - 1979, 20th century → 1980 - 1989, 20th century → 1990 - 1999, 21st century → 2000-2009, 21st century → 2010-2019
      Regional classification
      Europe → Eastern Europe → East-Central Europe → Poland
      Subject headings
      Geschichte 1945-2016
      Juden
      Deutsche
      Kollektives Gedächtnis
      Weltkrieg <1939-1945>
      Flatow
      Geschichtspolitik
      Labes
      recensio.net-ID
      00fede74ea204287a84da58ee3f4f0a1
  • Citation rules

    • Woniak, Katarzyna: presentation of: Katarzyna Woniak, Verdrängen und Wiederentdecken. Die Erinnerungskulturen in den west- und nordpolnischen Kleinstädten Labes und Flatow seit 1945. Eine vergleichende Studie, Marburg: Verlag Herder-Institut, 2016, https://www.recensio.net/r/00fede74ea204287a84da58ee3f4f0a1

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Katarzyna Woniak: Verdrängen und Wiederentdecken. Die Erinnerungskulturen in den west- und nordpolnischen Kleinstädten Labes und Flatow seit 1945. Eine vergleichende Studie (presented by Katarzyna Woniak)

Show table of contents

Vorwort.. IX
1 Einführung... 1
2 Historischer Rahmen... 19
2.1 Die städtische Entwicklung von Labes und Flatow bis 1945...24
2.2 Die Bedeutung des Jahres 1945... 28
2.2.1 Die „Befreiung“ durch die Rote Armee und die polnischen
Streitkräfte... 28
2.2.2 Die Übernahme der Städte durch die polnische Verwaltung··· 29
2.2.3 Flucht und Aussiedlung der deutschen Bevölkerung··· 36
2.2.4 Das Bevölkerungsmosaik der beiden Kleinstädte··· 39
2.3 Die Kleinstädte nach dem Jahr 1945...58
3 Zwischen Tabula rasa und Kontinuation: (Re-)Konstruierung des kulturellen
Gedächtnisses in Labes und in Flatow in den Jahren 1945-1989···65
3.1 Akteure des Erinnerns... 65
3.1.1 Die Polnische Vereinigte Arbeiteipartei und ihre Satellitengruppierungen ...66
3.1.2 Kultur- und Bildungsakteure zwischen Politik und Erinnerung... 73
3.1.3 Kirchliches Erinnerungsengagement... 91
3.1.4 Die deutchen Heimatvertriebenen... 96
3.2 Erfindung von Traditionen: (Gründungs-)Mythen der lokalen Gemeinschaften...100
3.3 Ritualisierung im lokalen Maßstab... 103
3.3.1 Nationale Feiertage und historische Gedenktage... 104
3.3.2 Jubiläen der „Tage der Befreiung“ ... 113
3.3.3 Millennium und/oder Tausendjahrfeier - Konurrenz der Erinnerungen
zwischen Kirche und Staat... 118
3.3.4 700. bzw. 600. Geburtstag der beiden Kleinstädte··· 120
3.3.5 Stadtfeste zwischen Unterhaltung und lokalem Patriotismus... 123
3.3.6 Sonstige lokale Feierlichkeiten... 124
3.4 Repolonisierung und Entdeutschung der nichtpolnischen Kulturlandschaft:
Bestandsaufname von Denkmälern und Orten der Erinnerung··· 130
3.5 Nomen est omen: Straßenbenennungen im Wandel... 155
3.6 Lokales historisches Schrifttum...163
3.6.1 Historiografie... 164
3.6.2 Lokale Presse... 174
3.6.3 Reiseführer... 176
3.6.4 Erinnerungsliteratur... 178
4 Zwischen Kontinuität und (Re-)Konstruierung: Erinnerung in Labes und
in Flatow nach 1989... 181
4.1 Akteure der lokalen Erinnerungspolitik im Wandel... 185
4.1.1 Die Selbstverwaltung der Kommunen und die Zivilgesellschaft... 185
4.1.2 Neuer Wein - alte Schläuche: lokale Kultur und Bildungspolitik... 191
4.1.3 Kombattantenverband, Autochthone, deutsche Minderheit und
Sibirjaken... 205
4.1.4 Kirchliches Erinnerungsengagement... 218
4.1.5 "Das Eis war gebrochen“ - Erinnerung im Dienste der Versöhnung:
Kontakte zu den deutschen Heimatvertriebenen und Partnerstädten...222
4.2 Alte und neue Mythen... 235
4.3 Ritualisierung im lokalen Maßstab... 238
4.3.1 Nationale Feiertage und historische Gedenktage... 238
4.3.2 "Tag der Befreiung“ oder "Tag der Eroberung“? Die (Um-)Deutung
des "Tages der Befreiung“ ... 243
4.3.3 Stadtgeburtstage und Stadtfeste... 249
4.3.4 Ortsbezogene historische Jahrestage... 253
4.4 Restaurierung und Stifting von Denkmälern und Orten der Erinnerung... 256
4.4.1 Postkommunistische Denkmäler zwischen Kontinuität, Umfunktionierung
und Liquidierung... 256
4.4.2 Stiftung von neuen Symbolen... 26l
4.4.3 "Zur Geschichte der Stadt gehören die Menschen, die einst dort
lebten.“ - Binationales Erinnern... 264
4.5 Straßenrück- und -Umbenennungen... 297
4.6 Lokales historisches Schrifttum... 306
4.6.1 Historiografie... 306
4.6.2 Lokale Presse... 316
4.6.3 Reiseführer... 319
4.6.4 Erinnerungsliteratur... 322
4.7 Labes und Flatow virtuell... 325
5 Von der Entwurzelung zur Beheimatung - Labes und Flatow als Heimat
ihrer heutigen Einwohner... 331
6 Zusammenfassung... 339
7 Streszczenie... 345
8 Abkürzungsverzeichnis... 357
9 Quellen und Literatur... 361
9.1 Ungedruckte Quellen... 361
9.2 Gedruckte Quellen....... 370
9.3 Literaturverzeichnis... 372
10 Abbildungsverzeichnis.. 413
11 Register... 415
11.1 Personenregister... 415
11.2 Ortsregister... 418

Die Studie widmete sich der Erforschung der Art und Weise, wie die lokalen Erinnerungskulturen kreiert und gepflegt werden, um sowohl einen Beitrag zur breit angelegten Gedächtnisforschung zu leisten als auch die Komplexität der Vergangenheitsvergegenwärtigung auf der Mikroebene aufzuzeigen.

Der Untersuchungsgegenstand bestand aus den beiden polnischen Kleinstädten Labes (Łobez) und Flatow (Złotów). Das Auswahlkriterium bildete das unterschiedliche geschichtliche Verhältnis in der Zugehörigkeitsfrage, hier zu Polen oder zu Deutschland. Es wurden zwei Kategorien von Kleinstädten gesucht: eine, welche erst seit 1945 zum polnischen Staatsgebiet gehört und davor stets unter preußischer bzw. deutscher Administration stand, und eine, die während der administrativen Zugehörigkeit zur deutschen Staatlichkeit im Zeitraum 1772–1945 eine intensive Anbindung an ihre polnische Geschichte pflegte. Die unterschiedliche Zugehörigkeitsgeschichte stellte aufgrund ihrer bis heute spürbaren Nachwirkungen einen interessanten Gegenstand für eine vergleichende Untersuchung der Erinnerungskulturen dar.

Das Hauptziel war die Untersuchung und Evaluation der Erinnerungskulturen in zwei über unterschiedliche Traditionen verfügenden Kleinstädten. Aufgrund der spezifischen Vergangenheit dieser Städte betraf die Analyse überwiegend die Erinnerung an die deutsche und jüdische Kulturlandschaft dieser Lokalitäten. Haben die Städte in den sozialistischen Jahren die nichtpolnischen Spuren ihrer Vergangenheit verdrängt, umgedeutet oder vergessen, so werden diese nach dem Umbruch 1989/1990 – und zum Teil sogar schon früher – gesucht, entdeckt und ins kollektive Gedächtnis adaptiert. Es wurde gefragt, wie, wann und warum man die fremde Kulturlandschaft verdrängt und ab wann sowie warum man die ungewollten Elemente gesucht hat und noch bis heute sucht. Es ging also um die Erforschung der Wendepunkte in den lokalen Debatten, vorwiegend in Bezug auf die deutsche, jüdische und polnische Vergangenheit der Kleinstädte. Den chronologischen Rahmen bildeten die Jahre 1945 und 2007, wobei das Jahr 2007 keinesfalls als eine markante Zäsur in der Entwicklung der Erinnerungskulturen verstanden werden darf und hauptsächlich als pragmatische Zeitspanne für die Quellenauswertung diente. Methodisch verstand sich die Arbeit als vergleichende Fallstudie mit dem Schwerpunkt der Diskursanalyse, also der Praktiken der Konstruierung von lokalen Erinnerungskulturen. Das theoretische Gerüst bildeten hierfür das Halbwachssche Konzept des kollektiven Gedächtnisses sowie die Assmannsche Aufteilung desselben in das kulturelle und kommunikative Gedächtnis. Die Frage, wie die jeweilige Vergangenheit in Labes und in Flatow vergegenwärtigt wurde, wurde mit Hilfe der Analyse von fünf Erinnerungsfiguren behandelt: Mythen, Rituale, Denkmäler, Straßenbenennung und Historiographie.

In der Untersuchung wurden drei Leitthesen überprüft. Die erste besagte, dass die Erinnerungskulturen der jeweiligen Räume, hier die der beiden Kleinstädte, different sind und diese Unterschiede vor allem aus der Bevölkerungsstruktur der Städte seit Beginn des Jahres 1945 resultieren. Denn es sind die Einwohner der jeweiligen Städte, die als soziale Gruppe die Erinnerungskultur generieren. Einzelne kollektive Erinnerungsgruppen nehmen unterschiedliche Funktionen im Prozess der Gestaltung der öffentlichen Erinnerungskulturen wahr.

Die zweite These betraf die Asymmetrie der Erinnerungskulturen zwischen Groß- und Kleinstädten. Die Erinnerungskulturen der Kleinstädte besitzen eine gewisse Eigenart im Vergleich zu den Großstädten der polnischen West- und Nordgebiete, weil in den Kleinstädten nach 1989 die kommunale Verwaltung einen hohen Grad an Autonomie besitzt und die Verwaltung nicht selten (un-)bewusst über die eigenen Kompetenzen hinaus agiert. Die Rolle der endogenen Faktoren bei der Kreierung der Erinnerungskultur ist in den Kleinstädten relevanter als in den urbanen Milieus.

Die dritte und letzte These sagte aus, dass die lokalen Vergangenheitsdiskurse in einem demokratischen Staat in einer gewissen Independenz zur nationalen Erinnerungskultur stehen. Der Transfer der nationalen Geschichtspolitik auf die unterste administrative Ebene im untersuchten Zeitraum kann diversen Vorbehalten seitens der lokalen Akteure unterliegen, z.B. in Bezug auf die Adaption der Entdeutschungspolitik vom Ende der 40er und während der 50er Jahre oder auf die Politik des Entdeckens der verdrängten fremden Symbole seit den 90er Jahren. Es gibt einen spezifischen Umgang mit der Vergangenheit des lokalen Raums, der auf die unterschiedlichen Akteure und ihre Sichtweisen sowie auf die sozialen Kontexte der Stadtbevölkerung zurückgeht. Die lokale Erinnerungskultur ist nicht einfach eine Kopie der nationalen Erinnerungsprämissen, denn es sind die Menschen mit ihren Biographien und Erfahrungen, welche die lokale Erinnerungskultur in kleineren gesellschaftlichen Lebenseinheiten kreieren.

Die Analyse der Erinnerungskulturen in Labes und Flatow verdeutlichte, dass diese sich in den Zeiträumen 1945–1989 und seit 1990 mit eigener Dynamik kennzeichneten. Die Beschäftigung mit Kleinstädten zeigte, dass die lokalen Erinnerungskulturen nur scheinbar homogen sind. Die Fokussierung auf die Kleinräume machte dabei sichtbar, dass der Umgang mit Geschichte vor Ort konkreter ist.