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  • Metadata

    • Document type
      Presentation (monograph)
      Author (Presentation)
      • Williams, Nicholas
      Language (Presentation)
      Deutsch
      Language (Monograph)
      Deutsch
      Author (Monograph)
      • Williams, Nicholas John
      Title
      Das Gedächtnis Kubas
      Subtitle
      Die Revolution im Interview
      Year of publication
      2011
      Place of publication
      Marburg
      Publisher
      Tectum-Verl.
      Number of pages
      304
      ISBN
      978-3-8288-2663-2
      Subject classification
      History, Historiography, Intellectual History, Political History, Military History, Social and Cultural History
      Time classification
      20th century → 1980 - 1989, 20th century → 1990 - 1999, 20th century → 1960 - 1969, 20th century → 1970 - 1979, 20th century → 1950 - 1959, 21st century, 20th century
      Regional classification
      America, America → North America
      Subject headings
      Revolution
      Geschichtspolitik
      Lateinamerika
      Diskurs
      Sozialistische Bewegung
      Sozialismus
      Oral history
      Befreiung
      Kuba
      recensio.net-ID
      9f12a1508fa1e1ed7c675ff0fe721df9
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Nicholas John Williams: Das Gedächtnis Kubas. Die Revolution im Interview (presented by Nicholas Williams)

Show table of contents

Dieses Buch stellt einen Versuch dar, anhand der 16 veröffentlichten Oral-History-Interviews kubanische Zeitzeugen zu ihrer Geschichte zu Wort kommen zu lassen, und zwar sowohl solche, die die Revolution ab 1959 aus erster Hand miterlebten wie jene, die zu den nachfolgenden Generationen gehören und mit der Revolution leben bzw. leben müssen. Dazu kommt die Sicht „Außenstehender“, also des Sohns des ehemaligen britischen Botschafters auf Kuba sowie einer gebürtigen Spanieren, die erst später zur Kubanerin wurde. Weitere Quellengattungen werden zur Untermauerung und/oder kritischen Überprüfung der Interviews verwendet und das Ganze durch eine systematische Auswahl der Sekundärliteratur zur kubanischen Geschichte kontextualisiert. Dabei besteht nicht der Anspruch, diese Literatur abschließend aufgearbeitet zu haben. Vielmehr stellt das Buch einen Versuch dar, anhand der ersten Oral-History-Untersuchung zu Kuba seit vielen Jahrzehnten, die individuellen wie kollektiven Diskursmechanismen zu beschreiben und zu analysieren. Methodisch führt ein längeres Einleitungskapitel in die Thematik ein, das den Umgang mit Zeitzeugeninterviews problematisiert und auch die wissenschaftstheoretische Verortung des Buches transparent macht. Dieses Kapitel versteht sich auch als Teil der Debatte zu Oral History über den kubanischen Kontext hinaus.

Der Sieg der Rebellen 1959 war zunächst auch Ergebnis der Ungeschicklichkeit des Diktators Fulgencio Batista, der den bärtigen Aufständischen mit seiner desaströsen Politik systematisch Anhänger in die Arme trieb. Später nahm diese Rolle der Revolutionsstabilierung die nicht minder ungeschickte US-Außenpolitik ein, die mehr zum Erhalt als zur Destabilisierung des kubanischen Sozialismus tat. Vielmehr erhielten mit der Revolution viele Kubaner erstmals Gelegenheit, ein Leben in Würde zu leben, wobei der Begriff der Würde als tragender Stützpfeiler der Revolution in abstrakter und konkreter Hinsicht untersucht wird und in der politischen Debatte über den kubanischen Rahmen hinausweist. Auch erhielten die Kubaner nach 1959 immer wieder Gelegenheit, Revolutionserfahrung aus erster Hand zu sammeln, sei es im Kampf gegen Aufständische in der Sierra del Escambray oder im Auslandseinsatz in Angola.

Es sind nach wie vor die Erfolge der Revolution, die dem politischen System einen gewissen, wenn auch schwindenden Halt in der Bevölkerung geben. Erfolge wie Defizite sorgen demnach auch bis heute in der Linken weit über Kuba hinaus für hitzige Debatten, wobei das anhaltende Echo auf die Revolution von romantischer Verklärung bis hin zur blinden Ablehnung reicht. Auch hier wird die Bedeutung der kubanischen Revolution über den nationalen Rahmen hinaus deutlich, wie der Autor des Vorworts, Fabian Lemmes, anmerkt. Besonders deutlich wird dies an der Person Ernesto „Che“ Guevaras, der aus der Sicht einiger seiner ehemaligen Mitstreiter geschildert wird.

Heute steht die kubanische Revolution vor gewaltigen Herausforderungen, die aber, entgegen medialer Darstellung, weniger in der Frage bestehen, ob Fidel oder Raúl Castro das Heft in der Hand halten und wer genau die Führung übernimmt. Vielmehr stellt sich die Frage, was geschieht, wenn das Erinnerungsprofil der Kubaner sich verschiebt, also die Erinnerung an die vor 1959 erlittene Armut und Entwürdigung verblasst.

Gerade für die jüngere Generation müssen dringend Antworten her, die bis heute ausstehen und die auch mit dem seit Erscheinen des Buches fortschreitenden wirtschaftlichen Reformen längst nicht abgearbeitet sind. Schlussendlich sind auch die Sozialleistungen, die Gesundheitsversorgung etc. keine Ausreden für das Fehlen an Bürger- und Freiheitsrechten. Es stellt sich vielmehr die Frage, in welcher Form der kubanische Sozialismus in Zukunft auf die gewaltigen politischen und moralischen Herausforderungen reagiert, vor denen er jetzt steht.