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    • Dokumenttyp
      Präsentation (Monographie)
      Autor (Präsentation)
      • recensio.net
      Sprache (Monographie)
      Deutsch, Latin
      Autor (Monographie)
      • Georges, Karl Ernst
      Herausgeber (Monographie)
      • Baier, Thomas
      Titel
      Der neue Georges
      Untertitel
      Ausführliches Handwörterbuch Lateinisch – Deutsch
      Erscheinungsjahr
      2012
      Erscheinungsort
      Darmstadt
      Verlag
      Wissenschaftliche Buchgesellschaft
      Umfang
      5092
      ISBN
      978-3534252145
      Thematische Klassifikation
      Sprachgeschichte
      Zeitliche Klassifikation
      20. Jahrhundert → 1900 - 1919
      Regionale Klassifikation
      Europa → Westeuropa → Deutschland
      Schlagwörter
      Wörterbuch
      recensio.net-ID
      bfd253c436654996a816124ebe0f8178
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Thomas Baier (Hg.): Karl Ernst Georges: Der neue Georges. Ausführliches Handwörterbuch Lateinisch – Deutsch (präsentiert von recensio.net)

 

Lektürekommentar(e) zu

Karl Ernst Georges
Der neue Georges
Ausführliches Handwörterbuch Lateinisch – Deutsch
Herausgegeben von Thomas Baier, bearbeitet von Tobias Dänzer.
Zusätzlich als eBook oder PDF-Datei erhältlich.
Auch zu Titeln, die noch nicht vom Autor oder Herausgeber präsentiert wurden, können auf recensio.net Kommentare abgegeben werden. Statt vom Autor wird die Präsentation in diesem Fall – ohne Präsentationstext – von der recensio.net-Redaktion im System angelegt.
Selbstverständlich können Autoren oder Herausgeber auch im Nachhinein jederzeit zum kommentierten Werk einen Präsentationstext publizieren; die Metadaten werden dann entsprechend geändert.
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abgelegt unter:
cschwaderer sagt
08.05.2013 13:33

Der Georges ist ein seit vielen Jahren bewährtes Arbeitsmittel der historisch-philologischen Forschung, hat aber, wie jedes in die Jahre gekommene Werkzeug, seine Problemchen und Defizite. Man stößt darin etwa auf Wortkreationen wie „Planlosigkeit“ (i.S.v. „temeritas“), außerdem sind die Ergebnisse – im Gegensatz etwa zum Niermeyer auf CD (Mediae Latinitatis Lexicon Minus on CD-ROM) – nicht nach Jahrhunderten filterbar, die Quellenstellen sind nicht verlinkt, die „schreibweisentolerante“ Suche ist der von Google definitiv unterlegen. Und eine Georges-Smartphone-App (möglichst mit lateinkompatibler Sprachsteuerung) sucht man zurzeit vergebens.

Durchaus wohlwollend vernahm ich daher die Nachricht, der „Georges“ solle überarbeitet werden. Die Freude währte jedoch nicht lange. Anstatt dass man vorhatte, ein besseres Georges-Programm zu entwickeln, die Software besser zugänglich, filterbar, kategorisierbar, annotierbar, personalisierbar zu machen, hatte man sich tatsächlich dazu entschlossen, eine neue Druckfassung herauszubringen.

Immerhin ein ganz klein bisschen digital wurde gedacht: Wenn jemand – so gnädig ist man bei der WBG – die mächtigen Totholzschinken erwürbe, könnte er oder sie – gegen Aufpreis versteht sich – dazu noch ein E-Book (im ePub- oder PDF-Format) kaufen. Ein E-Book. Das muss man sich auf der Zunge zergehen lassen. Ich hatte leider noch keine Gelegenheit, die elektronische Ausgabe zu begutachten. Aber dass dieses Format beispielsweise erlaubt, für das Lemma „organum“ nur diejenigen Belegstellen anzuzeigen, die der Zeit nach 300 entstammen und in denen das Wort im Sinne von „Orgel“ verwendet wird, wage ich zu bezweifeln. Genau das aber wäre unter einer „heutigen Ansprüchen genügende[n] digitalen Aufbereitung“ zu verstehen, die das Vorwort zum neuen Georges von Thomas Baier vollmundig verspricht.

Ist denn wenigstens die Druckausgabe, wenn schon im falschen Format, durch seinen Inhalt ein Gewinn? Ein ausführliches lateinisch-deutsches Wörterbuch auf dem Stand von 2013, in denen alle bis dato erschienenen Thesaurus-Artikel verarbeitet, sämtliche im 20. Jahrhundert entdeckte Textzeugen berücksichtigt und der aktuelle Stand der lexikographischen Forschung aufbereitet würde, ist in der Tat ein Desiderat.

Und diese Lücke vermag „der neue Georges“ nicht zu füllen und hat dies auch gar nicht vor.

Bis auf die Tatsache, dass die Frakturschrift verschwunden ist, hat sich wenig geändert. Gegen jede heutige Gewohnheit werden die einzelnen Belegstellen und Beispiele nach wie vor mit einem Doppelpunkt (statt eines Semikolons oder Punkts) abgetrennt. Das irritiert auch noch nach Jahren der Benutzung. Wenigstens dies zu ändern, wäre wohl kaum eine Mammutaufgabe geworden.

Das Georges-Deutsch ist dasselbe geblieben. Unter „virago“ hat sich auch der Leser im Jahre 2013 noch eine „mannhafte […] Jungfrau“ vorzustellen (Sp. 5035). Wer nach „melculum“ sucht (Sp. 3037), hat seinen Wortschatz nach der Lektüre um die hübschen Ausdrücke „mein Honigpüppchen, mein Zuckerpüppchen, mein Goldkind“ erweitert. Beim Wort „spintria“ (Sp. 4472) dagegen ist auch „der neue Georges“ entgegen seiner Deklaration kein „lateinisch-deutsches Wörterbuch“, sondern ein lateinisch-lateinisches. Die Gelegenheit, durch Datenbanksuche binnen weniger Sekunden die exakten Belegstellen zu ergänzen, hat man nicht wahrgenommen. Nach wie vor steht hier die eher unpräzise Angabe: „Tac. u. Suet.“

Wenn man etwas verändert hat, dann durch Streichungen. Das Vorwort kündigt an, man habe „veraltete Literaturangaben getilgt“.
Das sieht dann konkret so aus: Im alten Georges konnte man etwa Folgendes über das Lemma „Aedui“ lesen: „Die Schreibung Aedui ist nach Glück S. 9 ff. u. Brambach S. 22 die bessere, auch jetzt in den Ausgg. des Cäsar, Cicero, Livius u. Plinius aufgenommene (s. auch Corp. inscr. Lat. 3, 4498); wogegen Parthey u. Frick im Mela wieder Haedui nach den Hdschrn. schreiben (wie auch Inscr. Helv. 192 M. überliefert ist).“ Im neuen Georges ist dieser Absatz ersatzlos gestrichen (Sp. 132).

Klar, die zitierte Diskussion ist eine Debatte, die vor vielen Jahrzehnten stattfand, aber anhand der Informationen des alten Georges konnte man immerhin erahnen, dass die Schreibung umstritten war (oder ist?), konnte bei Google Books eventuell jüngere Arbeiten finden, die auf die damaligen reagieren, konnte sich die damaligen Argumente anschauen etc. Wer nur im neuen Georges nachschlägt, dem bleiben diese Möglichkeiten verwehrt.

Noch ein Beispiel: Beim Wort „Arruns“ stand im alten Georges, diese Schreibung finde sich „in den besten Hdschrn. u. neuesten Ausgg.“. Statt zu recherchieren, wie dieser Eigenname in den Ausgaben geschrieben wird, die heute – 2013 – die neuesten sind, hat man die zweite Angabe einfach gestrichen. Es steht dort nur noch: „in den besten Hdschrn.“ Soweit meine Stichprobe ergab, hat man die Phrase von den „besten Handschriften“, von denen der Georges so gerne redet, durchweg bewahrt (Was sind denn überhaupt die „besten Handschriften“? Sind das heute dieselben wie vor 100 Jahren? Darüber hätte man durchaus nachdenken können), während die „Ausgaben“ getilgt wurden. So erfuhr ein Leser des alten Georges immerhin, dass die damaligen Lexikonmacher der Meinung waren, dass eine bestimmte Variante von den damals besten und neuesten Ausgaben – ohne dass diese genannt werden – gestützt werde. Der Leser des neuen Georges erfährt über editorische Entscheidungen nichts. Eine Steigerung des wissenschaftlichen Wertes eines Lexikons ist das kaum.

Beim Lemma „caminus“ (Sp. 732) hat man den Zusatz, der Zimmerherd sei „noch jetzt in Italien statt unserer Stubenöfen üblich“, gestrichen. Immerhin das kann man als Verbesserung durchgehen lassen, weil es dem Leser (mögliche) Konfusionen erspart.
Weitere Aktualisierungsarbeiten sind für mich nicht erkennbar. Beim Eintrag „Elis“ (Sp. 1843) ist zu lesen, diese Stätte heiße jetzt „Palaeopolis“ und liege drei Stunden von der Stadt Gastuni weg. Meine kursorische Recherche ergab, dass es heutzutage – laut Routenplaner – nur noch 48 Minuten braucht, dass sich Gastuni jetzt eher Gastouni schreibt – während der Name Palaeopolis für genau diesen Ort nicht gebräuchlich zu sein scheint.

Fazit: Die Arbeit am neuen Georges hätte man sich sparen können. Das selbst gesteckte Minimalziel, nämlich den Inhalt ein wenig besser lesbar zu machen, erreicht der „neue Georges“ zwar. Einen Georges ohne Frakturschrift boten die Scans (auf der CD-Version oder auf zeno.org) trotz mancher Unzulänglichkeiten bei der Texterkennung allerdings schon lange – und außerdem noch vieles andere. Einen Mehrwert vermag ich beim „neuen Georges“ nicht zu erkennen.

Dass die sogenannte „wissenschaftliche Buchgesellschaft“ der Meinung ist, am neuen Georges ein „Copyright“ zu besitzen, ist an Dreistigkeit kaum mehr zu überbieten. Durch die neue Setzung gemeinfreier Werke wird die vom deutschen Urheberrecht geforderte Schöpfungshöhe definitiv nicht erreicht. (Und auch der kaum bekannte § 70 des Urheberrechtsgesetzes greift hier nicht, weil sich der neue Georges eben nicht „wesentlich“ vom alten unterscheidet.) Für solche Behauptung ist das Wort „Copyfraud“ erfunden worden.

Christian Schwaderer M.A. (Lehrbeauftrager)
Eberhard Karls Universität Tübingen

Friedemann_Weitz sagt
07.10.2013 11:19

Der Lektürekommentar von Christian Schwaderer wurde mit freundlicher Genehmigung des Verfassers in eine erste kleine 'Rückschau' aufgenommen, die mit dem Titel "Ein (erstes) Jahr DER NEUE GEORGES. Dokumentarisches zu einer altertumskundlichen Publikation in Selbstdarstellung und Außenwahrnehmung" unter http://archiv.ub.uni-heidelberg.de/propylaeumdok/volltexte/2013/1913 auf&abzurufen sein müsste.
Friedemann Weitz, Leutkirch i.A.