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  • Metadaten

    • Dokumenttyp
      Rezension (Monographie)
      Zeitschrift
      Bohemia
      Seiten
      281-285
      Autor (Rezension)
      • Szabó, Miloslav
      Sprache (Rezension)
      Deutsch
      Sprache (Monographie)
      English
      Autor (Monographie)
      • Baer, Josette
      Titel
      Revolution, modus vivendi or sovereignty?
      Untertitel
      The political thought of the Slovak national movement from 1861 to 1914
      Erscheinungsjahr
      2010
      Erscheinungsort
      Stuttgart
      Verlag
      Ibidem-Verlag
      Umfang
      252
      ISBN
      978-383-820-146-7
      Thematische Klassifikation
      Ideen- und Geistesgeschichte, Politikgeschichte, Sozial- und Kulturgeschichte
      Zeitliche Klassifikation
      Neuzeit bis 1900 → 19. Jh., 20. Jahrhundert → 1900 - 1919
      Regionale Klassifikation
      Europa → Osteuropa → Ostmitteleuropa → Slowakei
      Schlagwörter
      Slowakische Nationalbewegung
      Magyarisierung
      Politisches Denken
      Politische Kultur
      Politischer Katholizismus
      Hlinka, Andrej
      recensio.net-ID
      e3e23c8222df57d766596d1f6960fa40
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Josette Baer: Revolution, modus vivendi or sovereignty? The political thought of the Slovak national movement from 1861 to 1914 (rezensiert von Miloslav Szabó)

Josette Baer sagt
14.11.2011 14:09

Die Rezension meiner Studie Revolution, modus vivendi or sovereignty? The political thought of the Slovak national movement from 1861 to 1914 von Miloslav Szabó, erschienen in Bohemia, Band 51, 2011, S. 281-285, überrascht aufgrund des niedrigen wissenschaftlichen Niveaus und der unprofessionellen Voreingenommenheit gegenüber dem Untersuchungsgegenstand.

Hier nur die drei wichtigsten Kritikpunkte:
1. „Sie fokussiert zum Teil auf andere Repräsentanten des slowakischen Nationalismus als Pichler und Gbúrová (deren Studien sie überraschenderweise nicht einmal im Literaturverzeichnis anführt)“ (S. 282). Dies trifft nur zur Hälfte zu. Hätte sich der Rezensent die Mühe gemacht, meine acknowledgements sorgfältig zu lesen, hätte er darin finden können: „There, I found Tibor Pichler’s Národovci a občania, which ... “ (S. XIII). Ich führe Pichlers Studie sehr wohl in meiner Bibliographie auf S. 244 an. Gbúrovás Studie kenne ich in der Tat nicht; sie wurde mir aber auch nicht als grundlegende Lektüre empfohlen.
2. „Besonders deutlich wird die mangelnde Kontextualisierung, wenn die Autorin auf den Antisemitismus der slowakischen Nationalisten zu sprechen kommt. ... Statt dies offen zum Ausdruck zu bringen, sucht die Autorin jedoch schon im Vorfeld Zuflucht zu undifferenzierten Aussagen ...“ (S. 283) Das wissenschaftliche Verfahren, den historischen Kontext des 19. Jhs. von der Analyse der einzelnen Denker sauber zu trennen, ist absolut legitim, zumal ich den historischen Kontext von 1791 (Beginn der ungarischen Reformperiode) bis 1914 in einem einführenden Kapitel (S.1-30) darstelle. Dieses Kapitel wird vom Rezensenten mit keinem Wort erwähnt. In meinen kurzen Ausführungen zum Antisemitismus halte ich im Vorwort deutlich fest, dass der Antisemitismus nicht Untersuchungsgegenstand ist. Zudem erwähne ich die Entwicklung des Antisemitismus in Oberungarn in den letzten Dekaden des 19. Jhs. (S. XV-XVI). Dieser war keineswegs, wie der Rezensent den Leser glauben machen möchte (S. 284-285), ein dominanter Aspekt der slowakischen Nationalbewegung, geschweige denn des politischen Denkens der von mir analysierten Intellektuellen. Auf S. XVI verweise ich auf die Werke international anerkannter Antisemitismus-Spezialisten wie Arendt, Beller, Chirot und Kamenec; sie sind in der Bibliographie aufgeführt. Zum Zeitpunkt der Drucklegung war mir Petra Rybářovás ausgezeichnete Studie Antisemitizmus v Uhorsku v 80. rokoch 19. storočia (Bratislava: Pro Historia, 2010) noch nicht bekannt. Ferner stellen die Aussagen des Rezensenten zum angeblichen systematisch befolgten Antisemitismus der Regierung Vavro Šrobár in den ersten Jahren der Tschechoslowakischen Republik (S. 285) eine massive Verzerrung der historischen Faktenlage dar, was an Geschichtsverfälschung grenzt.
3. Die folgende Aussage ist schlicht eine unwahre Behauptung: „ ...– nicht zuletzt der permanent falsch transkribierten slowakischen Orts- und Personennamen- ... “ (S. 285). Hier wären, der wissenschaftlichen Redlichkeit folgend, zumindest ein bis zwei Beispiele der monierten ‚permanent falschen Transkription’ angebracht. Der Rezensent führt keinen einzigen stichhaltigen Beweis für seine Behauptung an. Zudem sollte ihm eigentlich bekannt sein, dass eine Transkription oder Transliteration nur möglich ist, wenn man Begriffe aus einem nicht-lateinischen Alphabet in das lateinische überträgt, also z.B. aus der Kyrillitsa oder dem Japanischen. Da das Slowakische eine westslawische Sprache und somit im lateinischen Alphabet beheimatet ist, gibt es gar nichts zu transkribieren. Dem wissenschaftlichen Usus entsprechend verwende ich die Schreibweise der Ortsnamen, wie sie in den von mir untersuchten historischen Texten des 19. Jhs. erscheinen. Dies erwähne ich explizit auf S. XIV: „The names of locations, towns and cities appear according to their historical names in the subject period, i.e. Turčianský Sv. Martin instead of the 20th century Martin and Pressburg/Pozsony instead of Bratislava, the new Slavic name of the capital of Slovakia in 1918.“ Diese Schreibweise habe ich ebenso für die Personennamen verwendet.

Die Rezension enttäuscht durch die wiederholte Verletzung wissenschaftlicher Fairness und der deutlichen Voreingenommenheit gegenüber dem Untersuchungsgegenstand. Sie moniert in pseudokritischer Weise die mangelhafte Behandlung theoretischer Aspekte, die gar nicht als Untersuchungsgegenstand definiert worden sind. Die unpräzisen und unzutreffenden Aussagen, welche teilweise an Geschichtsverfälschung grenzen sowie der erschreckende Mangel an Basis-Fachwissen vermitteln dem Leser einen komplett falschen Eindruck meiner sorgfältig an den historischen Quellen gearbeiteten Studie. Aufgrund der erwähnten Kritikpunkte kann diese Rezension nicht ernst genommen werden.

Miloslav Szabó sagt
08.05.2012 22:26

Die Reaktion von Josette Baer auf die Rezension ihrer Monographie ist in vielerlei Hinsicht bezeichnend. Statt auf die wesentlichen Kritikpunkte einzugehen, moniert die Autorin lauter formale Ungenauigkeiten, für die ich als Rezensent teilweise keine Verantwortung trage. Zunächst zu diesen formalen Einwänden:
Ad 1. Der monierte Satz in meinem Manuskript lautet wie folgt: „Die Autorin fokussiert in ihrer Arbeit zum Teil auf andere Repräsentanten des slowakischen Nationalismus als Pichler und Gbúrová (deren Studie sie überraschenderweise nicht einmal im Literaturverzeichnis anführt).” Aus “deren Studie” wurde bei der Drucklegung “deren Studien”, so dass die Verfasserin behaupten kann, der Rezensent hätte ihre Erwähnung von Pichlers Arbeit verschwiegen. Die Feststellung, dass ihr Gbúrovás Studie “auch nicht als grundlegende Lektüre empfohlen” worden sei, ruft beim Rezensent übrigens Zweifel an der wissenschaftlichen Arbeitsweise der Verfasserin hervor.
Ad 3. Ich räume ein, dass die Verwendung des Begriffs “Transkription” in diesem Fall irrtümlich ist. Dies ändert jedoch nichts daran, dass die Verfasserin einige der slowakischen Personen- und Ortsnamen falsch schreibt. Ich nenne hier nur einige Beispiele: Palarík statt Palárik (durchgängig im ganzen Buch); Hlboko statt Hlboké (S. 51); Bakuliný statt Bakulíny (S. 52); Velké Varadi statt Veľký Varadín/Oradea/Nagyvárad/Großwardein (S. 52); Šrobar statt Šrobár (S. 95); narodvci statt národovci (S. 96) usw.
Falsche Schreibweisen passieren irrtümlich, tragen jedoch zum Gesamteindruck des Buches bei. Schwerwiegender sind die inhaltlichen Einwände:
Ad 2. Es stimmt durchaus, dass die Verfasserin im ersten Kapitel den historischen Kontext ihrer Analyse skizziert. Das Problem dieser Skizze ist aber nicht ihre Trennung von der eigentlichen Analyse, sondern ihre historiographische Mangelhaftigkeit, insbesondere was die Zeit zwischen 1867 und 1914 angeht, als das Denken der Repräsentanten der slowakischen Nationalbewegung deutlich antiliberale Züge annahm. (Vgl. die Feststellung der slowakischen Historikerin Elena Mannová auf S. 26, die die Autorin jedoch in ihrer Analyse nicht weiter aufgreift.) Die Gründe, warum der Rezensent als Beleg hierfür die Einstellung der slowakischen Nationalisten Sasinek, Vajanský und Šrobár zum Antisemitismus näher beleuchtete, sind folgende: Der Antisemitismus war dasjenige Symptom des ungarischen Antiliberalismus, das alle diese ansonsten sehr unterschiedliche Persönlichkeiten beschäftigte. Warum setzte sich die Verfasserin in ihrem Vorwort so ausführlich mit dem Antisemitismus (und Antiziganismus, auf den sie jedoch im weiteren Verlauf der Untersuchung gar nicht mehr zu sprechen kommt!) aus? Nur um festzustellen, dass es sich eigentlich – wenn überhaupt – um ein marginales Problem gehandelt hätte? Der Rezensent kann hier nur wiederholen, dass der Antisemitismus zumindest Vajanský zur lebenslangen Obsession wurde. Und zu welchem Zweck übersetzte und verlegte Sasinek eine der berüchtigtsten antisemitischen Schriften, Rohlings Der Talmudjude? Was Šrobárs Politik gegenüber der jüdischen Minderheit während seiner Amtszeit als Bevollmächtigter Minister für die Verwaltung der Slowakei angeht, spricht sich die Verfasserin durch ihre Ausführungen jegliche historiographische Kompetenz ab. Nicht nur verzerrt sie die Darlegungen des Rezensenten bis zur Unkenntlichkeit (vom „systematischen Antisemitismus“ ist in der Rezension nirgendwo die Rede), vielmehr versteckt sich hinter ihrem Vorwurf der „Geschichtsfälschung“ völlige Unkenntnis der aktuellen Forschung. Die einzige Studie zur „Judenfrage“ in Ungarn, die sie in ihrer Monographie anführt, schreibt sie fälschlich Steven Beller zu (S. 235 f., ohne Seitenzahlen). Der Autor heißt in Wirklichkeit Viktor Karády. (Vgl. ders., Jewish Enterpreneurship and Identity Under Capitalism and Socialism in Central Europe: The Unresolved Dilemma of Hungarian Jewry, in: Chirot, Daniel (Hg.), Essential Outsiders. Chinese and Jews in the Modern Transformation of the Southeast Asia and the Central Europe, Seattle 1997, S. 125-152).
Aufgrund der sachlich dargelegten Mängel und Unstimmigkeiten kann der Rezensent den Anspruch Josette Baers, eine „sorgfältig an den historischen Quellen gearbeitete[n] Studie“ vorgelegt zu haben, weiterhin nicht gutheißen. Ihre abschließenden Unterstellungen, ja Beleidigungen an die Adresse des Rezensenten – „[d]ie Rezension enttäuscht durch die wiederholte Verletzung wissenschaftlicher Fairness und der deutlichen [sic!] Voreingenommenheit gegenüber dem Untersuchungsgegenstand [...] Die unpräzisen und unzutreffenden Aussagen, welche teilweise an die Geschichtsverfälschung grenzen sowie der erscheckende Mangel an Basis-Fachwissen [...]“ usw. – haben in einer fachlichen Auseinandersetzung keinen Platz.