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  • Metadata

    • Document type
      Review (monograph)
      Journal
      Jahrbücher für Geschichte Osteuropas / jgo.e-reviews
      Author (Review)
      • Kraft, Ekkehard
      Language (Review)
      Deutsch
      Language (Monograph)
      Русский
      Author (Monograph)
      • Prjachin, Jurij D.
      Title
      Greki v istorii Rossii XVIII - XIX vekov
      Subtitle
      Istoričeskie očerki
      Year of publication
      2008
      Place of publication
      Sankt-Peterburg
      Publisher
      Aletejja
      Series
      Novogrečeskie issledovanija
      Number of pages
      269
      ISBN
      978-5-91419-067-2
      Subject classification
      History
      Time classification
      Modern age until 1900 → 18th century, Modern age until 1900 → 19th century
      Regional classification
      Europe → Eastern Europe → Russia, Europe → Eastern Europe → Ukraine
      Subject headings
      Griechen
      Russland <Kaiserreich>
      recensio.net-ID
      a73e0ea1c7fe30f3e965d81e3856b2d2
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Jurij D. Prjachin: Greki v istorii Rossii XVIII - XIX vekov. Istoričeskie očerki (reviewed by Ekkehard Kraft)

Ausgabe: jgo.e-reviews 2011, 2

Verfasst von: Ekkehard Kraft

 

Jurij D. Prjachin: Greki v istorii Rossii XVIII–XIX vekov. Istoričeskie očerki [Griechen in der Geschichte Russlands des 18. und 19. Jahrhunderts. Historische Skizzen]. S.-Peterburg: Izdat. Aletejja, 2008. 272 S., Abb. = Novogrečeskie issledovanija. ISBN: 978-5-91419-067-2.


21 Aufsätze sehr unterschiedlichen Umfangs sind unter dem allgemein gehaltenen Titel „Griechen in der Geschichte Russlands des 18. und 19. Jahrhunderts“ versammelt. Doch sieht man genauer hin, dann geht es vor allem um militärgeschichtliche Aspekte. Dies verwundert eigentlich nicht, denn der Verfasser Jurij Prjachin ist ein pensionierter Marineoffizier, der seit 1997 auch als Professor an der Marineakadamie in St. Petersburg lehrt. Die Aufsätze sind geographisch vorwiegend an der nördlichen Schwarzmeerküste lokalisiert, ihre Schauplätze reichen von Odessa bis zum Azovschen Meer. In den ersten beiden Beiträgen beschreibt Prjachin die Umstände der Übersiedlung von griechischen bzw. albanischen Teilnehmern am Orlovschen Aufstand während des Russisch-Osmanischen Krieges 1768–1774 nach dem Friedensschluss nach Kerč sowie die folgende Entwicklung dieser Ansiedlung im 18. und 19. Jahrhundert. In weiteren Aufsätzen geht es um die Ansiedlung der Angehörigen der griechischen Freiwilligenlegion nach dem Krimkrieg am Azovschen Meer sowie um die griechische Besiedlung von Feodosija und Balta-Čokrak auf der Krim. Mit einer von Katharina II. gegründeten Institution, dem Griechischen Gymnasium, das der Kadettenausbildung griechischer Einwanderersöhne diente, beschäftigt sich ein anderer Beitrag. Etliche Aufsätze sind biographischer Natur, allesamt Griechen gewidmet, die in der russischen Armee Karriere machten, wie der Artilleriegeneral Petr (Petros) Melissinos und dessen Sohn Aleksej, ein Kavallerieoberst, oder die als Freischärler auf russischer Seite während verschiedener russisch-osmanischer Kriege kämpften wie der griechische Korsar Lambros Katsonis, dessen Sohn Lykurgos als Offizier in der russischen Armee diente.

Prjachin stützt sich häufig auf archivalische Quellen, bedient sich zugleich aber auch – in unterschiedlicher Intensität – der Sekundärliteratur, wobei er nicht zuletzt auf die diesbezüglich sehr detailreiche vorrevolutionäre Forschung zurückgreift. Prjachins pathetisch grundierte Skizzen sind in den besseren Fällen rein faktographischer Natur, die biographischen Beiträge ähneln häufig Heldenviten. Dem Verfasser geht es offensichtlich um die historische Untermauerung einer Völkerfreundschaft im postsowjetischen Sinn: Immer wieder ist von den beiden „Brudervölkern“ und „Bruderkulturen“ die Rede. Wo früher das Bekenntnis zum Kommunismus im Zentrum stand, ist es jetzt die gemeinsame Zugehörigkeit zur Orthodoxie, wobei es weniger um eine religiöse als um eine vage kulturelle Identitätsgemeinschaft geht. Dabei schreckt Prjachin auch nicht vor der Methode des Retuschierens zurück. Wer seinen Beitrag über die Seeschlacht von Navarino liest, muss den Eindruck gewinnen, das Flottengeschwader, das 1827 den griechischen Unabhängigkeitskrieg zugunsten der Aufständischen entschied, habe nur aus russischen und nicht etwa auch aus englischen und französischen Kriegsschiffen bestanden. Immerhin sind unter den diesbezüglich beigefügten Abbildungen auch die englischen und französischen Admirale zu finden, wobei aber das Bild des russischen Admirals Heiden doppelt so groß wie die der anderen ausgefallen ist, obwohl der Engländer Codrington den Oberbefehl führte.

Im letzten Beitrag über das „ruhmreiche Datum der staatlichen Unabhängigkeit Griechenlands“ ist keine Rede davon, dass das Zarenreich entsprechend seinen antirevolutionären Prinzipien – wie im übrigen die meisten europäischen Mächte – die griechische Erhebung gegen die osmanische Herrschaft anfangs entschieden ablehnte. Aber Prjachin geht es offensichtlich in erster Linie um eine patriotisch korrekte, nicht um eine kritische und reflektierte Geschichte.