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    • Document type
      Review (monograph)
      Journal
      Jahrbücher für Geschichte Osteuropas / jgo.e-reviews
      Author (Review)
      • Küpper, Herbert
      Language (Review)
      Deutsch
      Language (Monograph)
      Deutsch
      Editor (Monograph)
      • Pokrovac, Zoran
      Title
      Rechtswissenschaft in Osteuropa
      Subtitle
      Studien zum 19. und frühen 20. Jahrhundert
      Year of publication
      2010
      Place of publication
      Frankfurt am Main
      Publisher
      Klostermann
      Series
      Rechtskulturen des modernen Osteuropa. Traditionen und Transfers
      Series (vol.)
      5
      Number of pages
      X, 436
      ISBN
      9783465040958
      Subject classification
      Legal History
      Time classification
      Modern age until 1900 → 19th century, 20th century → 1900 - 1919
      Regional classification
      Europe → Eastern Europe
      Subject headings
      Osteuropa
      Rechtswissenschaft
      Geschichte 1800-1918
      recensio.net-ID
      27a810a162cc1d5fe96bc3120ad7ac27
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Zoran Pokrovac (ed.): Rechtswissenschaft in Osteuropa. Studien zum 19. und frühen 20. Jahrhundert (reviewed by Herbert Küpper)

Ausgabe: jgo.e-reviews 2011, 2

Verfasst von: Herbert Küpper

 

Rechtswissenschaft in Osteuropa. Studien zum 19. und frühen 20. Jahrhundert. Herausgegeben von Zoran Pokrovac. Frankfurt a. M.: Klostermann, 2010. X, 436 S. = Rechtskulturen des modernen Osteuropa. Traditionen und Transfers, 5; Studien zur europäischen Rechtsgeschichte, 248. ISBN: 978-3-465-04095-8.


Unter dem Titel „Rechtswissenschaft in Osteuropa. Studien zum 19. und frühen 20. Jahrhundert“ liegt nunmehr der fünfte Band der Schriftenreihe „Rechtskulturen des modernen Osteuropa. Traditionen und Transfers“ vor, die ihrerseits die Forschungsergebnisse des gleichnamigen Großprojekts am Max-Planck-Institut für europäische Rechtsgeschichte (Frankfurt/M.) publiziert. Nachdem die früheren Bände u. a. Transfer, Rechtsprechung und Juristenausbildung zum Gegenstand hatten, wird jetzt ein weiterer wesentlicher Faktor der Rechtskultur beleuchtet: die Rechtswissenschaft. Sie hatte wesentlichen Anteil an der Herausbildung der modernen Rechtskultur, weil sie zum einen die intellektuellen Voraussetzungen für Transfer und Rezeption schuf und zum anderen den Gesetzgeber ebenso wie die Gerichte und nicht zuletzt den Juristennachwuchs wesentlich beeinflusste.

Der vorliegende Band enthält die Materialien zu einer Tagung von 2005, die im wesentlichen den Forschungsstand bis 2007 wiedergeben. Zeitlich erstrecken sich die Beiträge über das 19. Jahrhundert bis zum Ersten Weltkrieg; geografisch ist der gesamte ost- und ansatzweise auch südosteuropäische Raum erfasst.

Eingangs untersucht Volodymyr Oleksijovyč Abašnik (Charkov) die „Rechtswissenschaft und Juristenausbildung in der Ukraine am Beispiel der Universität Charkov 1804–1920“. Bereits im Titel spiegelt sich das Grundproblem des Beitrags, der die Wissenschaft in Charkov als „ukrainisch“ definiert. Dies ist ein Anachronismus, denn in dem betrachteten Zeitraum (vielleicht mit Ausnahme der letzten Jahre) betrieb man in Charkov ‚russländische‘ und nicht ‚ukrainische‘ Rechtswissenschaft – im Gegensatz z. B. zu Dorpat, dessen juristische Fakultät nach Arbeitsinhalten und Selbstverständnis als ‚baltisch‘ bezeichnet werden kann.

Einen Überblick über die Rechtswissenschaft in den einzelnen polnischen Territorien im 19. Jahrhundert vermittelt der Folgebeitrag von Arkadiusz Bereza, Grze­gorz Smyk und Wiesław Tekely (Lublin). Angesichts der Aufteilung des Landes unter fremde Herrscher spielten Akteure, die heute als ‚zivilgesellschaftlich‘ gelten würden – wissenschaftliche und Berufsorganisationen – eine stärkere Rolle als anderswo, denn das genuin Polnische wurde durch die (besatzungs-)staatliche Pflege von Recht und Rechtswissenschaft gerade nicht gewährleistet.

Dalibor Čepulo (Zagreb) untersucht die Wechselwirkungen zwischen Ost und West anhand einer der zentralen Personen der südosteuropäischen Rechtsentwicklung, Baltazar Bogišić, und seines Verhältnisses zur englischen Schule der historischen und komparativen Rechtswissenschaft. Wieder breiter im Thema ist der folgende Aufsatz von Katalin Gönczi (Magdeburg), die die wesentlichen Züge der ungarischen Rechtswissenschaft im „langen 19. Jahrhundert“ herausarbeitet. Reizvoll ist der Kontrast der ungarischen zur baltischen Rechtswissenschaft, deren bisweilen prekäre Position zwischen baltischem nationalen Erwachen, deutscher Rechtswissenschaft und russländischer Politik Marju Luts-Sootak (Tartu) beschreibt. Ein immer wiederkehrender Aspekt ist das ungewöhnlich enge Verhältnis zwischen Rechtswissenschaft und Modernisierungsgesetzgebung, v. a. im Zivilrecht.

Nach Südosteuropa führt der Beitrag von Dan Constantin Mâţă (Iaşi) über die Entwicklung der rumänischen Rechtswissenschaft von 1814 bis 1917. Auch dieser Beitrag zeigt, dass die wissenschaftliche Entwicklung nicht frei von Einflüssen der Politik und der politischen Gesamtwetterlage verlaufen ist.

Zurück nach Russland geht es mit Anton Rudokvas und Alexej Kartsov (St. Petersburg), die den Sonderaspekt der Wechselwirkung zwischen der Zivilrechtslehre und den Rechtstransfers genauer untersuchen. Der Schwerpunkt liegt auf der Frage, wie die Wissenschaft mit den fremden Elementen umgegangen ist, dadurch bereichert wurde und zugleich das Niveau der Reformgesetzgebung steigern helfen konnte. Wiederum ein thematisch nicht eingeschränktes Länderpanorama breitet der Beitrag von Petra Skřejpková und Jiří Šouša (Prag) vor dem Leser aus. Sie zeigen, wie sich die „Rechtswissenschaft in den Böhmischen Ländern von der Aufklärung bis zum Jahre 1918“ von einem provinziellen Ableger der gesamtösterreichischen Wissenschaft zu einer zunehmend nationalen tschechischen Rechtswissenschaft entwickelte.

Die beiden Schlussbeiträge sind jeweils einer überragenden Juristenpersönlichkeit des 19. Jahrhunderts gewidmet. József Szabadfalvi (Debrecen) analysiert die Rolle, die der Rechtsphilosoph Bódog Somló spielte, während Agnieszka Zięba (Bochnia) das Werk des Romanisten Józefat Zielonacki untersucht.

Jeder Aufsatz ist eine in sich abgeschlossene Studie, die dem Leser jeweils einen guten Einblick in die Entwicklung der Rechtswissenschaft in den einzelnen behandelten Ländern im 19. Jahrhundert verschafft. In manchen Fällen ist dies die erste zusammenfassende Studie in deutscher oder englischer Sprache und damit ein einzigartiger Einstieg auch in den heimischen Forschungsstand der untersuchten Länder. Bedauerlicherweise verschmelzen die Einzelbeiträge nicht zu einem Gesamtpanorama, da sie in sich zu unterschiedlich in Thematik, Aufbau und Schwerpunktsetzung sind. Eine einheitlichere Gliederungsstruktur hätte die Vergleichbarkeit zwischen den Länderstudien und den darin dargestellten Entwicklungen erhöhen können, möglicherweise aber um den Preis der Nivellierung zulasten der nationalen Spezifika. Jedenfalls enthält dieser Band Studien, die jedem empfohlen sind, der sich mit der Herausbildung der osteuropäischen Rechtskultur im 19. Jahrhundert beschäftigt.