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    • Document type
      Review (monograph)
      Journal
      Jahrbücher für Geschichte Osteuropas / jgo.e-reviews
      Author (Review)
      • Maner, Hans-Christian
      Language (Review)
      Deutsch
      Language (Monograph)
      Deutsch
      Editor (Monograph)
      • Doktoratskolleg Galizien
      Title
      Galizien
      Subtitle
      Fragmente eines diskursiven Raums
      Year of publication
      2009
      Place of publication
      Innsbruck
      Publisher
      Studienverlag
      Number of pages
      232
      ISBN
      978-3-7065-4851-9
      Subject classification
      History of education, Gender Studies, Jewish History, History of literature, Military History, Local History, Social and Cultural History, Historical Linguistics, Economic History
      Time classification
      Modern age until 1900 → 19th century, 20th century → 1900 - 1919, 20th century → 1920 - 1929, 20th century → 1990 - 1999, 21st century → 2000-2009
      Regional classification
      Europe → Western Europe → Austria, Europe → Eastern Europe → Ukraine, Europe → Eastern Europe → East-Central Europe → Poland
      Subject headings
      Galizien
      Multikulturelle Gesellschaft
      Kulturkontakt
      Sprachkontakt
      Mehrsprachigkeit
      Ethnische Identität
      Kollektives Gedächtnis
      Geschichte 1840-2000
      Aufsatzsammlung
      recensio.net-ID
      5d8739ee21783e9ffdc391381ef6b750
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Doktoratskolleg Galizien (ed.): Galizien. Fragmente eines diskursiven Raums (reviewed by Hans-Christian Maner)

 

Ausgabe: jgo.e-reviews 2011, 3

 

Verfasst von: Hans-Christian Maner

 

Galizien. Fragmente eines diskursiven Raums. Hrsg. vom Doktoratskolleg Galizien. Innsbruck, Wien, Bozen: Studienverlag, 2009. 232 S., Abb. Tab. ISBN 978-3-7065-4851-9.

 

Verantwortlich für diesen anregenden Sammelband zeichnen nicht, wie das ansonsten üblich ist, ein, zwei, drei oder vier Herausgeber, sondern eine Einrichtung: das Doktoratskolleg „Das österreichische Galizien und sein multikulturelles Erbe“ an der Historisch-Kulturwissenschaftlichen und der Philologisch-Kulturwissenschaftlichen Fakultät der Universität Wien, in dem neun junge Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler zu Themen aus Geschichte, Kultur(en), Literatur(en) und Sprachen Galiziens promovieren.

Neben einem Vorwort und einer Einleitung enthält der Band elf Beiträge, die nicht allein der Geschichte, sondern auch der Germanistik, Slawistik und Judaistik zuzuordnen sind.

Ein erfrischend kritischer und selbstreflektierter Zug durchzieht den Band, wobei man auch auf Aussagen stößt, die einen zunächst stutzig machen, z. B. wenn sich Simon Hadler und Francisca Solomon in der Einleitung selbst verorten und dabei „vom nostalgisch-morbiden Charme der alten Haupt- und Residenzstadt“ Wien in der Gegenwart schreiben. Diese Einschätzung hat auf jeden Fall ihren Sinn, geht es den jungen Autorinnen und Autoren doch darum, nicht einen „koloniale[n] Gestus“ zu wiederholen, „sich vom ehemaligen Zentrum der Monarchie aus in dessen Ränder einzuschreiben“. (S. 11)

Gleich zu Beginn hebt der Sprecher des Kollegs, Andreas Kappeler, hervor, dass es in dem Band um Galizien als Erfindung der österreichischen Behörden gehen wird, das durch seine Multireligiosität, Multikulturalität und Polyethnizität nur über multidisziplinäre und transnationale Zugänge erforscht werden kann. Damit wird deutlich gesagt, welchen Weg der Band nicht beschreiten wird, nämlich die Fortschreibung von auf Homogenität ausgerichteten nationalen Diskursen. Der Band will nicht nur Prozesse der Konstruktion, sondern auch der Dekonstruktion und Rekonstruktion offenlegen. Zugleich werden nicht nur nationale Tabus und Mythen entlarvt, sondern auch deren Rolle in der Geschichte thematisiert.

Die ersten Beiträge greifen gleich eine zentrale Problematik des 19. Jahrhunderts auf. Am Beispiel der Universitäten von Lemberg und Krakau (Jan Surman) werden die Nationalisierung der Gesellschaft und die daraus erwachsenen Konflikte deutlich. Dies spielt auch eine Rolle im wirtschaftlichen Verhältnis zwischen Peripherie und Zentrum in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts bis zum Ersten Weltkrieg (Klemens Kaps) sowie in der Frauenbewegung um 1900 (Angélique Leszczawski-Schwerk).

Einen weiteren Schwerpunkt bilden sprach- und literaturwissenschaftliche Untersuchungen, so zur Sprachorientierung der frühen Russophilen in der galizischen Presse (Natalija Budnikova), zum Wörterbuch der „Juridisch-politischen Terminologie“ (Ihor Datsenko), zu Sprach- und Geschichtsmythen in ruthenischen Geschichtsschulbüchern (Philipp Hofeneder) oder zu Galizien während des Ersten Weltkrieges im Werk von Marianne Fritz (Martin M. Weinberger) sowie über Paradigmen der Literatur in der Westukraine nach der Wende (Roman Dubasevych). Grundlegend und weiterführend sind außerdem Beiträge, die sich der Haskala in Galizien am Beispiel des Schriftstellers Nathan Samuely (Francisca Salomon), den gemischten Ehen in Galizien (Ihor Kosyk) und schließlich der Mythologisierung des städtischen Raumes in Krakau (Simon Hadler) zuwenden.

Mit ihren kulturwissenschaftlichen und komparativen Ansätzen öffnen die Beiträge ein großes Forschungsgebiet. Von einer fundierten Grundlage aus kann der Blick u. a. auf weitere ethnische und religiöse Gemeinschaften gelenkt werden. Ebenso kann der Zeitraum auf das gesamte 146-jährige Bestehen Galiziens ausgedehnt werden. Die Beiträge des Bandes bewegen sich zeitlich von der Mitte des 19. Jahrhunderts bis zum Ersten Weltkrieg. Auf jeden Fall geben die kenntnisreichen Aufsätze des Bandes die Richtung vor, an der sich weitere wissenschaftliche Arbeiten über Galizien zu orientieren haben.