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  • Metadata

    • Document type
      Review (monograph)
      Journal
      Jahrbücher für Geschichte Osteuropas / jgo.e-reviews
      Author (Review)
      • Kusber, Jan
      Language (Review)
      Deutsch
      Language (Monograph)
      Čeština
      Author (Monograph)
      • Stellner, František
      Title
      Rusko a střední Evropa v 18. století
      Subtitle
      I. díl
      Year of publication
      2009
      Place of publication
      Praha
      Publisher
      Nakladatelství SETOUTBOOKS
      Number of pages
      331
      ISBN
      978-80-86277-67-7
      Subject classification
      Biographies, genealogy, Political History, Social and Cultural History
      Time classification
      Modern age until 1900 → 18th century
      Regional classification
      Europe → Western Europe → Germany, Europe → Western Europe → Austria, Europe → Eastern Europe → Russia
      Subject headings
      Dynastische Verbindungen
      Internationale Beziehungen
      Mitteleuropa
      Russland
      Geschichte 1700-1800
      recensio.net-ID
      81850dcab6be604272be863d53ae8f3e
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František Stellner: Rusko a střední Evropa v 18. století. I. díl (reviewed by Jan Kusber)

Ausgabe: jgo.e-reviews 2011, 3

 

Verfasst von: Jan Kusber

 

František Stellner: Rusko a střední Evropa v 18. století. I. díl [Russland und Mitteleuropa im 18. Jahrhundert. 1. Teil]. Praha: Nakladatelství SETOUTBOOKS, 2009. 331 S., Abb. ISBN: 978-80-86277-67-7.

 

František Stellner nimmt sich als Ausgangspunkt die Frage, welche Rolle Mitteleuropa im Prozess der Expansion, Modernisierung und Europäisierung des Zarenreiches während des 18. Jahrhunderts zukam. Dabei sind es dieser geographische Raum und seine Menschen, die seine Aufmerksamkeit fesselt und nicht die ewige Frage, was Expansion, Modernisierung und Europäisierung für die unterschiedlichen Gruppen im Zarenreich bedeuteten. Stellner hat für den Titel die geographische Bezeichnung „Mitteleuropa“ gewählt, weil es ihm im Anschluss an Eckhard Hübner darum geht klarzustellen, dass es aus russischer Perspektive keine Wahrnehmung Deutschlands und der Deutschen gab, sondern dass sich beides entsprechend territorialen und dynastischen Gliederungen auflöste (S. 13). Dies ist umso stärker geboten, als Stellner diesem deutschsprachigen Zentraleuropa zumindest in Bezug auf seine Eliten auch das Baltikum zuschlägt. Im Fortgang der Arbeit spricht er freilich zumeist wieder von den Deutschen oder Deutschstämmigen. Sie stehen im Fokus, wenn er sich in jeweils in Kapiteln von Aufsatzgröße mit der Modernisierung Russlands im europäischen Kontext in der Zeit Peters I. und seiner Nachfolger, mit der Zeit der sog. Bironov­ščina und der Braunschweiger, der Zeit Elisabeths, mit Peter III. als Gottorfer auf dem Thron, mit Katharina II. schließlich Paul I. befasst. Diese Kapitel orientieren sich konventionell an Regierungszeiten und bieten auch sonst wenig neue Interpretationen an. Ob man beispielsweise die Regierungszeit Annas so umstandslos als eine Herrschaft Birons erzählen kann, lässt sich zumindest bezweifeln. Im zweiten Teil des Buches durchbricht Stellner die Chronologie. Hier untersucht er die dynastischen Verbindungen der Romanovs nach Deutschland, etwa nach Holstein und die „Politik der Holsteiner“ am Zarenhof, widmet sich Braunschweig, Mecklenburg, Hessen und Württemberg. Hier findet sich manches, was der deutschsprachige Leser etwa in den Werken von Eckhard Hübner oder Claus Scharf bereits nachlesen konnte. Das letzte Kapitel widmet sich der Politik Russlands in Polen und Kurland im Zuge der Außensteuerung und Inkorporation.

Stellners Buch ist eine beachtliche Syntheseleistung, für die er Archivalien in Moskau, Wien und Berlin konsultiert hat. Zudem überblickt er souverän fast die gesamte europäische und amerikanische Historiographie zum Thema, die er freilich nur selten kritisch diskutiert und einordnet. Ihm geht es um die Erzählung. Das ist durchaus legitim, denn er füllt mit diesem Überblickswerk eine Leerstelle in der tschechischsprachigen Historiographie, deren Schwerpunkt aus nachvollziehbaren Gründen nicht die deutsch-russischsprachigen sind. Seine Arbeit ist aber auch darüber hinaus interessant. Sowohl in Deutschland als auch in Russland mangelt es an Überblickwerken zu den internationalen Beziehungen, die Diplomatie-, Politik und Kulturgeschichte miteinander verbinden. Solche Werke sind nicht leicht zu konzeptualisieren, weil sie die Geschichte der Beziehungen in ihren Netzwerken und transkulturellen Kontakten erzählen müssen. Stellner versucht dies; es geht ihm nicht nur um Diplomatiegeschichte auf einer ereignisgeschichtlichen Ebene, es geht ihm auch um Elitenmobilität, um eine dynastiegeschichtliche Betrachtung, die man durchaus als Netzwerkanalyse begreifen kann, und er entwirft hier durchaus verdienstvoll ein Panorama der eher vernachlässigten Zeit der Kaiserinnen Anna und Elisabeth. Eine Darstellung aus einem Guss ist sein Buch, das ja nur ein erster Teil sein soll, nicht geworden. Es handelt sich eher um eine Sammlung von Einzelstudien, die ohne verbindenden Schluss bleiben. Dieser mag im zweiten Teil ja noch kommen.