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  • Metadata

    • Document type
      Review (monograph)
      Journal
      Jahrbücher für Geschichte Osteuropas / jgo.e-reviews
      Author (Review)
      • Hösch, Edgar
      Language (Review)
      Deutsch
      Language (Monograph)
      English, Русский
      Editor (Monograph)
      • Filjuškin, Aleksandr I.
      Title
      Baltijskij vopros v konce XV-XVI v
      Subtitle
      Sbornik naučnych statej
      Year of publication
      2010
      Place of publication
      Moskva
      Publisher
      Kvadriga
      Number of pages
      511
      ISBN
      978-5-91791-027-7
      Subject classification
      History, Military History
      Time classification
      Modern age until 1900 → 16th century
      Regional classification
      Europe → Northern Europe → Baltic states
      Subject headings
      Livländischer Krieg
      Kongress
      Baltikum
      Geschichte 1500-1600
      Livländischer Krieg
      Sankt Petersburg <2007>
      recensio.net-ID
      64c1a827c5225a5d43bdedc7178c36f6
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Aleksandr I. Filjuškin (ed.): Baltijskij vopros v konce XV-XVI v. Sbornik naučnych statej (reviewed by Edgar Hösch)

Baltijskij vopros v konce XV–XVI v. Sbornik naučnych statej [Die baltische Frage, Ende des 15. Jahrhunderts und 16. Jahrhundert. Wissenschaftlicher Sammelband]. Otv. red. Aleksandr I. Filjuškin. Moskva: Kvadriga, 2010. 511 S. ISBN: 978-5-91791-027-7.


Der Sammelband enthält 37 wissenschaftliche Abhandlungen, die im November 2007 auf einer internationalen Konferenz in St. Petersburg zur Diskussion gestellt wurden. Der Rahmentitel, der von den Organisatoren unter der Federführung A. I. Filjuškins für die Tagung gewählt wurde, lässt die Absicht erkennen, in der Tradition Georg August Forsténs die Baltische Frage im breiteren Kontext der frühneuzeitlichen Staatenentwicklung im gesamten Ostseebereich zu erörtern. Auf eine programmatische Einführung in die Thematik haben die Herausgeber allerdings verzichtet. Ju. G. Alekseev begnügte sich mit knappen Bemerkungen zu den Anfängen einer russischen Kriegs­flotte zur Küstenverteidigung. Einige grundsätzlichere Überlegungen finden sich nur im Beitrag Filjuškins zur Periodisierung des Livländischen Krieges und zur zeitgenössischen Wahrnehmung des Kriegsgeschehens („Livländischer Krieg oder Baltische Kriege?“, S. 80–94).

Im Teilnehmerkreis der Tagung waren mit Ausnahme Polens, Schwedens und Finn­lands alle unmittelbaren Anrainerstaaten zumindest mit einer Stimme, daneben Weißrussland mit vier und Estland und Deutschland jeweils mit drei Stimmen vertreten. Aus der eher zufälligen Zuordnung der einzelnen Beiträge zu den drei Hauptteilen „Die baltische Frage am Vorabend des Livländischen Krieges“, „Der Livländische Krieg“ und „Aus der Geschichte der Teilnehmerstaaten des Konfliktes“ lässt sich nur schwer ein innerer Zusammenhang erkennen. Die Beiträge befassen sich u. a. mit Protokollfragen der schwedischen Gesandtschaft am Zarenhof von 1557, mit der Entwicklung der Kriegstechnik anlässlich der Belagerungen von Polock unter Ivan IV. und Stefan Báthory (B. Davies), mit der russischen Artillerie und der Anzahl der Kanonen, die während des Livländischen Krieges zum Einsatz kamen, mit dem Stand der Grenzbefestigungen auf russischer und litauischer Seite, mit der polnischen Truppenstärke und der Rangordnung in der Kommandostruktur der russischen Armee, mit der Beteiligung westeuropäischer Söldner und tatarischer Hilfstruppen im russischen Aufgebot, mit den Deportationen livländischer Gefangener, mit den Folgen der Kriegshandlungen für die ethnische Struktur Livlands, Kurlands und Lettgallens. Dass frühere ideologische Konfrontationen und Irritationen inzwischen der Vergangenheit angehören, zeigen ost-westliche Übereinstimmungen in der Einschätzung der Lage der Ordensritter und in der Würdigung ihres Beitrages zur Krisenbewältigung und zur Konfliktvermeidung an der russischen Grenze (M. B. Bessudnova und N. Angermann / T. Lange). Einen breiteren Raum nehmen Fragen der Quellenüberlieferung zum Livländischen Krieg und der historiografischen und literarischen Verarbeitung der Kriegsereignisse im polnisch-litauischen und im moskowitischen Herrschaftsbereich ein. Diskutiert werden auch die Argumente und Begründungen historischer Erbansprüche auf Livland, die von russischer Seite vorgebracht wurden. Cornelia Soldat sieht den eigentlichen Grund für die Wahl der nördlichen Eismeerroute durch die englischen Kaufleute der Muscovy Company im Schmuggelgeschäft mit Kriegsmaterial. Interessante Details zu den Kriegsopfern entnahm Ju. D. Rykov dem Memorialbuch der Erzengel-Kathedrale des Moskauer Kremls (S. 161–206). Zu den Auswirkungen des Livländischen Krieges auf die Mentalität des russischen Volkes steuerte Frau Anna L. Choroškevič interessante Beobachtungen bei, und Reinhard Frötschner legte erste Ergebnisse der Imago-Forschung zur Rezeption des moskowitischen Kriegsbildes an der westlichen Peripherie des Zarenreiches vor. Mehrfach wird auf kirchenpolitische Fragen Bezug genommen, die sich aus der Ausbreitung der reformatorischen Lehre auf livländischem Boden und der durch den wechselnden Frontverlauf verschärften Konkurrenzsituation zwischen den Konfessionen ergaben. Hilfreich sind die von N. V. Smirnov zusammengestellten topographischen und onomastischen Erläuterungen zu den livländischen Festungen, die in den Berichten zu den Kriegshandlungen erwähnt werden und wegen unterschiedlicher Benennungen nicht immer leicht zu identifizieren sind (S.454–481). Den Leser erwartet insgesamt ein buntes Kaleidoskop separater Einzelstudien unterschiedlicher Qualität. Sie bieten durchaus neue Einblicke in den Ablauf und die Folgen des Livländischen Krieges. Man vermisst nur die ordnende Hand und die notwendigen Orientierungshilfen, die das angebotene reichhaltige Informationsmaterial strukturieren und zu einem Gesamtbild zusammenfügen.

 

Edgar Hösch, Würzburg

 

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