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  • Metadata

    • Document type
      Review (monograph)
      Journal
      sehepunkte
      Author (review)
      • Eder, Birgitta
      Language (review)
      Deutsch
      Language (monograph)
      Deutsch
      Author (monograph)
      • Fischer, Robert
      Title
      Die Aḫḫijawa-Frage. Mit einer kommentierten Bibliographie
      Subtitle
      Mit einer kommentierten Bibliographie
      Year of publication
      2010
      Place of publication
      Wiesbaden
      Publisher
      Harrassowitz
      Series
      Dresdner Beiträge zur Hethitologie
      Series (vol.)
      26
      Number of pages
      VII, 125
      ISBN
      978-3-447-05749-3
      Subject classification
      History, Historical Linguistics
      Time classification
      until 499 AD → 3999-1000 BC, until 499 AD → 999 - 1 BC
      Regional classification
      Ancient World → Greece / ancient
      Subject headings
      Hethitisch
      Achijawa
      Begriff
      Original source URL
      http://www.sehepunkte.de/2011/11/18622.html
      recensio.net-ID
      202466bc549129194f5793f345212c13
      DOI
      10.15463/rec.1189736932
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Robert Fischer: Die Aḫḫijawa-Frage. Mit einer kommentierten Bibliographie (reviewed by Birgitta Eder)

sehepunkte 11 (2011), Nr. 11

Robert Fischer: Die Aḫḫijawa-Frage

In Keilschrifttexten des 14. bis 13. Jahrhunderts v.Chr., die in Hattuscha, der Hauptstadt des Hethiterreiches gefunden wurden, erscheint mehrfach das Land Aḫḫijawa. In der entsprechenden diplomatischen Korrespondenz des hethitischen Großkönigs wurde der Herrscher von Aḫḫijawa zeitweise als Bruder und damit als gleichrangiger Herrscher neben den Königen Ägyptens, Babyloniens und Assyriens bezeichnet und kann daher nur als ein bedeutender Herrscher wahrgenommen worden sein. Die Lokalisierung dieses Landes Aḫḫijawa ist forschungsgeschichtlich mit der schrittweise zunehmenden Kenntnis der historischen Geographie des Hethiterreiches verbunden. So haben sich die Vorschläge für die Lage von Aḫḫijawa, das in geographisch verwertbaren Verbindungen mit Provinzen oder abhängigen Vasallen des Hethiterreiches genannt wird, aufgrund neuer Lesungen und Editionen der Keilschriftexte über die Jahre verändert. Mittlerweile existieren Hinweise, die für eine Lokalisierung des Landes im Wesentlichen westlich der Kleinasiatischen Küste außerhalb des unmittelbaren Einflussbereichs des hethitischen Großkönigs sprechen.

1924 begann mit dem Beitrag von E. Forrer 'Vorhomerische Griechen in den Keilschrifttexten von Boghazköi' (Mitteilungen der Deutschen Orientgesellschaft 63, 1924, 1-22) die berühmte Debatte um die Identifizierung des Landes Aḫḫijawa mit dem mykenischen (= spätbronzezeitlichen) Griechenland. Auf der Grundlage des Ethnikons Achaioi, das im 8./7. Jahrhundert v.Chr. Homer in seinen griechisch abgefassten Epen Ilias und Odyssee als Sammelbezeichnung der Griechen im mythischen Krieg um Troia verwendete, setzte Forrer Aḫḫijawa mit dem Land der Griechen gleich. Zusätzlich identifizierte er diverse Personen der griechischen Mythologie mit Protagonisten der hethitischen Geschichte. Der daran anschließende Forschungsstreit ist als Aḫḫijawa-Frage bekannt und kann es an Heftigkeit mit den "Kriegen um Troia" aufnehmen.

Die vorliegende Arbeit widmet sich der Darstellung dieser Forschungsdiskussion mit einer fast 90-jährigen Geschichte und ist aus der Magisterarbeit R. Fischers entstanden. Sie gliedert sich in acht Kapitel zu knapp 70 Seiten, denen eine kommentierte Bibliographie im Umfang von 56 Seiten folgt.

1. "Forschung, Literatur, Kontroversen" (5-10) befasst sich (zu) kurz mit der Quellenlage und den Anfängen der Forschungsgeschichte.

2. "Einiges aus dem Umfeld der Aḫḫijawa-Frage" (11-17) referiert einige von Forrers Thesen.

3. "Wo liegt Aḫḫijawa?" (18-21) erwähnt die verschiedenen Lokalisierungsvorschläge für Aḫḫijawa auf dem kleinasiatischen Festland und in der Ägäis.

4. "Historischer Hintergrund der Aḫḫijawa-Frage" (22-30) bietet einige Rahmendaten für die hethitischen Texte, und schließt erneut Vorschläge für die Lage Aḫḫijawas in Kilikien, Pamphylien, Kreta, Zypern und Rhodos an.

In 5. "Achaioi und Achaia" (31-39) bespricht Fischer die verschiedenen Erwähnungen des griechischen Ethnikons und des griechischen Toponyms in antiken Schriftquellen und betont die Veränderung in der Bedeutung dieser Namen im Verlauf der Zeit.

6. "Sprachlicher Hintergrund der Aḫḫijawa-Frage" (40-45) thematisiert die linguistischen Probleme einer Gleichsetzung des hethitischen Aḫḫijawa mit dem griechischen Achai(w)a.

7. "Aḫḫijawa im Wirkungsumfeld Kleinasiens" (46-53) diskutiert mehrere von Forrer vorgeschlagene Gleichungen, so die Identifizierung Troias mit hethitisch Taruisa bzw. Wilusa und des griechischen Milets mit hethitisch Millawanda.

8. "Aḫḫijawa in den hethitischen Quellen" (54-64) hätte seinen Platz besser am Beginn des Büchleins gefunden, da hier die Grundlagen der Debatte in Form der hethitischen Keilschrifttexte vorgestellt werden.

Eine kurze Zusammenfassung (65-66) schließt den Text ab.

Wer sich von dem Buch Fischers eine Einführung in Thema und Fragestellung und einen Überblick über die Entwicklung der Forschung erwartet, wird leider enttäuscht. Die Darstellung der Genese und der weiteren Entwicklung der Ahhiyawa-Frage wird so verkürzt, dass sich die meisten Kapitel einem Außenstehenden ohne Vorwissen um die Grundlagen schwer erschließen. Zwei Begriffe werden dem Leser in Form einer Gleichung vorgesetzt: Aḫḫijawa = griech. Achaiwa. Es fehlt schon einführend die Erklärung, was es mit diesen Begriffen auf sich hat. Kontext und Zeitrahmen der Überlieferung und inhaltliches Bedeutungsumfeld werden erst sehr viel später wieder in Kapitel 5 und 8 angesprochen. Quellenlage und Interpretation hätten in der Darstellung deutlicher getrennt werden sollen.

Die sprunghafte Gedankenführung geht Hand in Hand mit einer durchgehend zu beobachtenden Schwäche im sprachlichen Ausdruck. Ein Beispiel mag in diesem Zusammenhang genügen: "Danach folgt ab Suppiluliuma I. die Zeit des 'Großreiches', bis zu den Verwirrungen um den Niedergang der Mittelmeerwelt zum terminus ante quem 1200, im Zusammenhang mit den so genannten 'Seevölkern'. Mykene selber fällt ca. 1125. Die mykenische Kultur stirbt wie die gesamte Mittelmeerwelt um 1200 scheinbar aus" (23).

Wünschenswert wäre es gewesen, die Entwicklung im Erkenntnisgewinn über die Jahre nachzuzeichnen. Der Forschungsstand ist heute ein anderer als vor knapp 100 Jahren: Wenn heute eine Mehrheit an Forschern die Lage von Aḫḫijawa in der Ägäis sucht, liegt das nicht zuletzt an der Lesung der Karabel-Inschrift östlich von Izmir und der damit verbundenen Lokalisierung des aus hethitischen Texten bekannten Königreichs von Mira, das bis an die kleinasiatische Westküste bei Ephesos reichte. Dadurch ergab sich eine Reihe von Implikationen für die hethitische Geographie, u.a. auch für die Lokalisierung von Aḫḫijawa westlich des kleinasiatischen Festlands. Gerade aber dieser grundlegende Beitrag von J. D. Hawkins, Tarkasnawa King of Mira, Anatolian Studies 48, 1998, 1-31, wurde von Fischer nicht berücksichtigt, wie bereits J. Kelder in seiner Rezension des vorliegenden Bandes in BMCR bemerkte ( http://www.bmcr.brynmawr.edu/2010/2010-10-32.html , letzter Zugriff 10.7.2011).

Eine kommentierte Bibliographie steht am Schluss: Die Bibliographie ist umfassend recherchiert, auch wenn etliche Titel nicht unbedingt im Zusammenhang mit der Aḫḫijawa-Frage relevant erscheinen. So behandelt T. Giannopoulos: Die letzte Elite der mykenischen Welt (Bonn 2008) Kriegergräber des 12.-11. Jahrhunderts v.Chr. in der nordwestpeloponnesischen Landschaft Achaia. Mehr verwundert schon das Fehlen von A. Hagenbuchner: Die Korrespondenz der Hethiter, 2 Teile, Texte der Hethiter 15-16 (Heidelberg 1989) oder der bereits angeführte Artikel von J. D. Hawkins. Die Ordnung der in der Bibliographie erfassten Titel folgt einer alphabetischen Reihenfolge, die Ordnung der Arbeiten desselben Autors erschließt sich aber nicht nach chronologischen Gesichtspunkten, was bei einer forschungsgeschichtlich angelegten Arbeit durchaus sinnvoll gewesen wäre. Möglicherweise waren die im Haupttext verwendeten Kurztitel ein Kriterium der Ordnung, aber dann hätten diese auch in der Bibliographie angeführt werden sollen.

Eine eigene Position in der Aḫḫijawa-Frage lässt Fischer nicht erkennen. Das ist von einer Magisterarbeit aber auch nicht unbedingt zu verlangen. Gefragt gewesen wären allerdings stärkere redaktionelle Eingriffe von Seiten des Herausgebers.

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