You are here: Home / Reviews / Journals / sehepunkte / 12 (2012) / 02 / Kontrolle und Nutzung
Social Media Buttons fb twitter twitter twitter
  • Metadata

    • Document type
      Review (monograph)
      Journal
      sehepunkte
      Author (Review)
      • Körber, Esther-Beate
      Language (Review)
      Deutsch
      Language (Monograph)
      Deutsch
      Editor (Monograph)
      • Pelizaeus, Ludolf
      • Pelgen, Franz Stephan
      Title
      Kontrolle und Nutzung
      Subtitle
      Medien in geistlichen Gebieten Europas 1680-1800
      Year of publication
      2011
      Place of publication
      Bern
      Publisher
      Peter Lang
      Series
      Mainzer Studien zur Neueren Geschichte
      Series (vol.)
      28
      Number of pages
      XI, 273
      ISBN
      978-3-631-61140-1
      Subject classification
      History of journalism, media and communication, Legal History
      Time classification
      Modern age until 1900
      Regional classification
      Europe, Europe → Western Europe → Germany
      Subject headings
      Kongress
      Mainz <2009>
      Kontrolle
      Medien
      Zensur
      Hochstift
      Deutschland
      Geschichte 1680-1800
      Europa
      Original source URL
      http://www.sehepunkte.de/2012/02/20855.html
      recensio-Date
      Mar 07, 2012
      recensio-ID
      380f74bb15fc39f11113b4a3a5bda504
      DOI
      10.15463/rec.1189737742
  • Citation rules

  • Terms of licence

    • This article may be downloaded and/or used within the private copying exemption. Any further use without permission of the rights owner shall be subject to legal licences (§§ 44a-63a UrhG / German Copyright Act).

Ludolf Pelizaeus / Franz Stephan Pelgen (eds.): Kontrolle und Nutzung. Medien in geistlichen Gebieten Europas 1680-1800 (reviewed by Esther-Beate Körber)

sehepunkte 12 (2012), Nr. 2

Ludolf Pelizaeus / Franz Stephan Pelgen (Hgg.): Kontrolle und Nutzung - Medien in geistlichen Gebieten Europas 1680-1800

Der hier anzuzeigende Sammelband fasst die Referate einer Tagung des Arbeitskreises "Kurmainz und der Erzkanzler des Reiches" von 2009 zusammen. Das generelle Thema aller Aufsätze bilden die Möglichkeiten und tatsächlichen Methoden katholischer Mächte zur (restriktiven) Kontrolle und (produktiven) Nutzung von Medien vorwiegend im 18. Jahrhundert. Dieses Unternehmen ist schon deshalb verdienstvoll, weil aufgrund forschungsgeographischer und -biographischer Zufälle bis jetzt die katholischen Territorien des Reiches und Europas selten im Mittelpunkt pressegeschichtlicher Untersuchungen gestanden haben.

Die ersten drei Aufsätze (Franz Stephan Pelgen, Sascha Weber, Tristan Coignard) befassen sich mit Kurmainz, wobei unter den beiden Fürst-Erzbischöfen Emmerich Joseph von Breidbach-Bürresheim und Friedrich Karl Joseph von Erthal eine uneinheitliche, gelegentlich sprunghafte "Pressepolitik" deutlich wird: das Streben nach größtmöglicher Publizität für ein febronianisches Reformprogramm, vorsichtige Förderung einer katholisch-aufklärerischen Presse, hartes Durchgreifen gegen angeblich Staatsgefährdendes, dann wieder die Instrumentalisierung von Publizisten für die Stützung persönlicher und staatlicher machtpolitischer Belange. Wie man dem ersten Teil des Bandes entnehmen kann, verfügten geistliche Staaten des Reiches grundsätzlich über sehr viele Möglichkeiten, zwischen Kontrolle und Nutzung der zeitgenössischen Medien aktiv zu werden. So erhellt Karl Klaus Walther aus bibliographischen Recherchen das Werk des Bamberger Verlegers Göbhard, der die Anregung zu seiner Verlagsgründung einem Geistlichen verdankte. Sigrid Westphal behandelt mit Osnabrück ein Territorium, das aufgrund seiner reichsrechtlichen Sonderstellung nicht einheitlich konfessionell geprägt werden konnte und in dem infolgedessen selbst die Zensurorgane auf Ausgleich bedacht sein mussten. Alexandra Rohschürmann stellt die juristischen Deduktionen vor, mit denen in der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts der Kölner Erzbischof die Landsässigkeit der Stadt Köln zu beweisen suchte, während die Stadt den kurfürstlichen Medieneinsatz durch den Aufbau reichsstädtischer Strukturen (ohne Medieneinsatz) konterkarierte. In die Reihe der Aufsätze zur Medienkontrolle und Nutzung in geistlichen Staaten gehört schließlich auch der im zweiten Teil "untergebrachte" Aufsatz von Ursula Kramer zur Opernzensur, der allerdings zeitlich weit über die Frühe Neuzeit hinausgeht.

Während die Aufsätze des ersten Teils sich recht eindeutig dem Generalthema geistlicher Kontroll- und Nutzungsmöglichkeiten von Medien zuordnen lassen, ist dies beim zweiten Teil des Sammelbandes nicht so eindeutig der Fall. Als Abhandlung über einen "Referenzrahmen" (wie es der Titel des zweiten Teils sagt) geistlicher Medienkontrolle und -nutzung kann der Beitrag von Jyri Hasecker über die Zensur durch die römische Inquisition gelten, deren Strukturen und (teilweise) Zwangsgewalt den Index "immerhin südlich der Alpen zu einem spürbaren Grad auch soziale Realität" (134) werden ließen. Die übrigen Aufsätze aber zeigen nicht Rahmenbedingungen, sondern Einzelbeispiele des Umgangs mit Medien, nicht nur durch katholische Mächte, vor allem Zensurbehörden, sondern auch durch einzelne katholische Autoren.

Es verwundert nicht, dass es für diesen Umgang mit Medien eine große Vielfalt von Möglichkeiten gab, von denen wahrscheinlich keine konfessionsspezifisch war. Stärker als die besonderen Eigenheiten der Konfession dürften im Fall dieser Einzelbeispiele die Bedingungen der Produktion und des medialen oder politischen Umfelds die publizistischen Produkte geprägt haben. Das mindert zwar nicht das Interesse, das die einzelnen Aufsätze beanspruchen dürfen, wohl aber die Einheitlichkeit des Sammelbandes und die Vergleichbarkeit von Themen und Methoden der Medienkontrolle und des Medieneinsatzes. Immerhin wird deutlich, dass sich sowohl die Kontrolle als auch die bewusste Nutzung der Medien in katholischen Gebieten nicht auf Themen der Theologie, Kirchenpolitik oder des Regierens in geistlichen Staaten beschränkten - was die Vergleichbarkeit des "katholischen" Medieneinsatzes mit dem der "protestantischen" Gegenseite erhöhen könnte.

Françoise Knopper geht auf Berichte von Reisen durch geistliche Gebiete ein, sowohl aus der Feder protestantischer als auch katholischer Autoren, und legt dabei dar, wie sie aufeinander reagierten, Kritik übten, aber auch zurückwiesen. Ibolya Maczák hat es mit einer Predigten-Kompilation von zweifelhafter Originalität zu tun. András Forgó schildert die Anfänge der Zensur in Ungarn sowie die fast vollständige Unterdrückung einer reformierten ungarischen Bibelübersetzung zu Anfang des 18. Jahrhunderts. Der Aufsatz von Ignacio Czeguhn fasst im Hinblick auf die frühneuzeitliche Zensur im Reich nur den Forschungsstand zusammen, während die Konflikte zwischen spanischer und römischer Zensur sowie die einzelnen das spanische Publikationsverhalten betreffenden Vorschriften detailreich und mit zahlreichen Quellenbelegen dargestellt werden. Ludolf Pelizaeus widmet sich den Institutionen und Methoden der Zensur in Spanien, Portugal und Mexiko und zeigt dabei insbesondere, dass die "koloniale" Zensur sich wegen der Entfernung zu Europa, an dessen Presseerzeugnissen dennoch Interesse bestand, und "einer fast nur reaktiven Medienlenkung verbunden mit mangelnder interner Kommunikation" (240) besonderen Schwierigkeiten gegenübersah, oft auch die ihr zugedachten Aufgaben nicht erfüllen konnte. Fernando Amado Aymore beschäftigt sich mit dem Werk des in Brasilien wirkenden Jesuiten Giovanni Antonio Andreoni, das von der Zensur deshalb verboten wurde, weil Portugal die Veröffentlichung wichtiger brasilianischer Wirtschaftsdaten fürchtete. Der letzte Beitrag, von Julia Lederle, befasst sich mit den jesuitischen Missionsberichten aus Indien und ihren beabsichtigten und unbeabsichtigten Wirkungen, nämlich einerseits der Werbung für das Missionsanliegen, andererseits einer Auseinandersetzung über die Methoden der Mission.

Der Band ist verdienstvoll seines Gesamtanliegens wegen und liefert teils grundlegende Informationen zur Tätigkeit katholischer Obrigkeiten und einzelner Autoren in der Frühen Neuzeit, teils Details, die zu Verallgemeinerungen und Vergleichen herausfordern können. Die inhaltliche Disparatheit der Beiträge muss dem nicht schaden.