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  • Métadonnées

    • Type de document
      Recension (monographie)
      Revue
      sehepunkte
      Auteur (recension)
      • Mühle, Eduard
      Langue (recension)
      Deutsch
      Langue (monographie)
      Deutsch
      Auteur (monographie)
      • Brauer, Michael
      Titre
      Die Entdeckung des 'Heidentums' in Preußen
      Sous-titre
      Die Prußen in den Reformdiskursen des Spätmittelalters und der Reformation
      Année de publication
      2011
      Lieu de publication
      Berlin
      Maison d'édition
      Akademie Verlag
      Collection
      Abhandlungen und Beiträge zur historischen Komparatistik
      Volume
      17
      Nombre de pages
      339
      ISBN
      978-3-05-005078-2
      Thème
      Histoire des religions
      Période
      Moyen Âge → XIIIe siècle, Moyen Âge → XIVe siècle, Moyen Âge → XVe siècle, Époque moderne jusqu'à 1900 → XVIe siècle
      Espace
      Europe → Europe de l'Ouest → Allemagne
      Mots-clés
      Preußen <Ordensstaat>
      Preußen <Volk>
      Heidentum
      Christianisierung
      Mission
      Diskursanalyse
      Geschichtsschreibung
      Quellenkritik
      Geschichte 1400-1525
      URL de référence
      http://www.sehepunkte.de/2012/11/22497.html
      ID-recensio.net
      f13497a35a5c783da516e68c4453ac42
      label_doi
      10.15463/rec.1189735011
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Michael Brauer: Die Entdeckung des 'Heidentums' in Preußen. Die Prußen in den Reformdiskursen des Spätmittelalters und der Reformation (compte rendu de Eduard Mühle)

sehepunkte 12 (2012), Nr. 11

Michael Brauer: Die Entdeckung des 'Heidentums' in Preußen

Die von Michael Borgolte betreute Berliner Dissertation steht im weiteren Kontext der seit einiger Zeit intensiv erforschten Problematik der Integration und Desintegration des vormodernen Europa und der spezifischen Rolle, die dabei religiöse Differenzen gespielt haben. Diesem Grundproblem geht Michael Brauer am Beispiel der vom Deutschen Orden im 13. Jahrhundert in die Ökumene der europäischen Christen gezwungenen baltischen Prußen nach. Allerdings interessiert ihn dabei weniger die Frage, ob und in welcher Weise die Prußen auch noch nach ihrer Konversion die Altreligion beibehielten und weiterpraktizierten, das heißt die Faktizität der religiösen Praxis der Bekehrten im 13. bis frühen 15. Jahrhundert, über die den Quellen jener Zeit im Übrigen auch kaum etwas Belastbares zu entnehmen ist. Im Vordergrund seines Erkenntnisinteresses steht vielmehr die Frage, wie die spätmittelalterlich-frühneuzeitliche Gesellschaft des Ordenslandes mit ihnen umgegangen ist, wann und warum im 15. und frühen 16. Jahrhundert (insbesondere auch im Kontext der Reformation) in dieser Gesellschaft ein besonderes Wissen über die Prußen, ihre Bekehrung und ihr vermeintliches Festhalten am Heidentum entstanden ist und welche Funktion diesem Wissen zukam.

Um hier zu Aufschlüssen zu gelangen, überprüft Brauer diskursanalytisch und mit Rückgriff auf drei methodische Werkzeuge der bisherigen "Erforschung des Heidentums" (19) (die Grimm'sche Mythologie, den volkskundlichen und den religionswissenschaftlichen Ansatz) alle verfügbaren Belege, die von einem prußischen "Heidentum" als vermeintlichem Überbleibsel der Altreligion berichten. Im Ergebnis seiner sehr sorgfältigen Untersuchung der Entstehungsbedingungen und Traditionszusammenhänge dieses Wissens (wie es insbesondere in den preußischen Landesordnungen, Diözesan- und Synodalstatuten und der Geschichtsschreibung des 15.-16. Jahrhunderts fassbar wird) gelangt Brauer zu der überzeugenden Feststellung, dass sich die bisherige Vorstellung von einer Fortdauer des "Heidentums" "als irreführend" erweise (12). Vielmehr sei es im 15. Jahrhundert im Zuge der fortschreitenden Verchristlichung der (aus deutschen, polnischen und prußischen Sprechern etwa gleichmäßig zusammengesetzten) Gesamtbevölkerung des Ordenslandes sowie im Kontext innerkirchlicher Reformdiskussionen gewissermaßen zu einer Entdeckung des "Heidentums" durch christliche Beobachter gekommen. Das "Heidentum" der Prußen könne mithin nicht als ein Überbleibsel der alten Religion verstanden werden, das seit dem 13. Jahrhundert sukzessive an Intensität verlor, sondern müsse als ein Novum, ein von den Eliten des Ordenslandes kreiertes Phänomen angesehen werden. Wie Brauer zeigt, entsprang diese Projektion aus der spezifischen Dialektik von Inklusion (Verchristlichung) und Exklusion (Ausgrenzung als vermeintlich "fremd" und "heidnisch", etwa indem zuvor wenig beachtete Festpraktiken als "heidnisch" neu interpretiert wurden). Wenn im Zuge einer verschärften Kirchendisziplin und strengeren Abgrenzung gegenüber Häresie, Ketzerei und Zauberei die einheimischen Prußen als "Heiden" neu entdeckt wurden, so geschah dies mithin nicht zuletzt, um den als gefährdet gedeuteten inneren Zusammenhalt der Christen zu stärken.

Mit diesem Ergebnis wirft die in acht Kapitel (I. Einleitung; II. Grundzüge der Bekehrungszeit; III. Die Religiosität der Prußen wird zum Problem; IV. Zwischen reformacio und Disziplinierung ländlicher Festkultur: Die preußischen Landesordnungen; V. 'Heidnische' Prußen oder prußische Christen? Das preußische Kirchenrecht; VI. Aus Heiden werden Vorfahren: Das Bild der Prußen in der preußischen Geschichtsschreibung; VII. Neue Konfession und neues 'Heidentum': Die Reformation in Preußen; VIII. Schlussbetrachtung) gegliederte Studie auf anregende Weise neues Licht auf ein altbekanntes Thema der preußischen Geschichte und schärft zugleich am preußischen Beispiel ganz allgemein unser Bewusstsein von der "Perspektivität der Quellen zu Heidentum, Magie und Aberglauben in der Vormoderne". [ 1 ]


Anmerkung :

[ 1 ] Michael Brauer: Erfindung oder Entdeckung? Neue Zugänge zur Erforschung des Heidentums am Beispiel des Preußenlandes im 15. und 16. Jahrhundert, in: Zeitschrift für Historische Forschung 38 (2011), 185-216, hier 185; der Aufsatz bietet eine knappe Zusammenfassung der wesentlichen Erkenntnisse des Buches, insbesondere der Kapitel IV-VII.