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  • Metadata

    • Document type
      Review (monograph)
      Journal
      sehepunkte
      Author (Review)
      • Gierczak, Dariusz
      Language (Review)
      Deutsch
      Language (Monograph)
      Polski
      Editor (Monograph)
      • Bahlcke, Joachim
      • Gawrecki, Dan
      • Kaczmarek, Ryszard
      Title
      Historia Górnego Śląska
      Subtitle
      Polityka, gospordarka i kultura europejskiego regionu
      Year of publication
      2011
      Place of publication
      Gliwice
      Publisher
      Dom Współpracy Polsko-Niemieckiej
      Number of pages
      555
      ISBN
      978-83-60470-41-1
      Subject classification
      Political History, Art History, Economic History, History of literature, Local History, Historical Geography, Social and Cultural History
      Time classification
      21st century, 20th century, Modern age until 1900, Middle Ages
      Regional classification
      Europe → Eastern Europe → East-Central Europe → Poland, Europe → Eastern Europe → East-Central Europe → Czech Republic
      Subject headings
      Oberschlesien
      Schlesien
      Aufsatzsammlung
      Original source URL
      http://www.sehepunkte.de/2013/05/21090.html
      recensio-Date
      Jun 10, 2013
      recensio-ID
      c46308fa59664a95b6ddca529a3a3a4f
      DOI
      10.15463/rec.1189725722
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Joachim Bahlcke / Dan Gawrecki / Ryszard Kaczmarek (eds.): Historia Górnego Śląska. Polityka, gospordarka i kultura europejskiego regionu (reviewed by Dariusz Gierczak)

sehepunkte 13 (2013), Nr. 5

Joachim Bahlcke / Dan Gawrecki / Ryszard Kaczmarek (Hgg.): Historia Górnego Śląska

Oberschlesien zeichnet sich durch eine wechselvolle politische Geschichte aus. Jahrhundertelang hatte es sich im Einflussbereich dreier Mächte befunden, die jeweils abwechselnd die politischen Geschicke der Region bestimmten. Im ausgehenden 19. und 20. Jahrhundert stellte es zudem eines der führenden Industriezentren Europas dar. Trotz seiner politischen und wirtschaftlichen Bedeutung wird die Region in der Literatur jedoch hauptsächlich in einem gesamtschlesischen Kontext betrachtet. Die regionalhistorischen Monografien zu Schlesien legen den inhaltlichen Schwerpunkt zudem überwiegend auf Niederschlesien. Die Betrachtung Oberschlesiens hingegen beschränkt sich zumeist auf die Themen der Industrialisierung, der Schlesischen Aufstände und der Teilung Oberschlesiens nach dem Ersten Weltkrieg sowie auf Fragen der ethnischen Identität und seit jüngstem auch des Strukturwandels. Ein Grund für die geringere Aufmerksamkeit, die die Forschung Oberschlesien bislang zu Teil hat werden lassen, besteht in dem Umstand, dass die Region - ausgenommen eine kurze Periode der Autonomie Ost-Oberschlesiens in der Zweiten Polnischen Republik - keine politische Selbständigkeit besessen hat. Aus verwaltungstechnischer Sicht spielte sie ebenfalls eine eher bescheidene Rolle. In der Volksrepublik Polen wurde der Status der Region als eigenständige Verwaltungseinheit sogar aufgehoben und in späteren Jahren auch nicht mehr erneuert. Trotz der anhaltenden Fremdbestimmtheit hat sich seit dem Mittelalter jedoch eine starke regionale Identität ausgebildet. Der vorliegende Band stellt daher ein längst überfälliges Desiderat dar.

Die Koordination des Handbuchprojekts, das einer beinahe zehnjährigen interdisziplinären Forschungstätigkeit bedurfte, ist beim Haus der Deutsch-Polnischen Zusammenarbeit (Dom Współpracy Polsko-Niemieckiej) in Gleiwitz (Gliwice) angesiedelt gewesen. Die Herausgeber - Joachim Bahlcke von der Universität Stuttgart, Dan Gawrecki von der Schlesischen Universität Troppau (Slezská univerzita v Opavě) und Ryszard Kaczmarek von der Schlesischen Universität Kattowitz (Uniwersytet Śląski w Katowicach) - gehören zu den führenden Oberschlesien-Experten. Doch nicht nur die Herausgeber-, sondern auch die Autorenschaft setzt sich aus polnischen, tschechischen und deutschen Forschern zusammen, so dass der Sammelband insbesondere durch seinen transnationalen Ansatz hervorsticht.

Der Band gliedert sich in fünf thematische Blöcke auf. Im Einleitungsteil A stellen die einzelnen Herausgeber ihre Auffassung vom Phänomen Oberschlesien vor. Der Teil B, der die politische Geschichte der Region behandelt, ist in sechs Unterkapitel unterteilt, die sich zeitlich an den wichtigsten Eckdaten der Geschichte Oberschlesiens orientieren. Der Teil C befasst sich mit der Wirtschaftsgeschichte, wobei der Schwerpunkt auf der Industrialisierung und ihren Folgen liegt. Die Kulturgeschichte (Ethnografie, Kunstgeschichte und Literatur) wird im Teil D behandelt. Der abschließende Teil E rundet den Band ab, indem er ausgewählte, charakteristische Diskurse zu Oberschlesien abbildet. Hierbei handelt es sich insbesondere um Debatten, die sich mit Fragen nach ethnischen Zusammenhängen und der nationalen Identifizierung beschäftigen. Neben dem Spannungsfeld von slawischer und germanischer Selbstzuschreibung werden auch die unterschiedlichen polnischen und tschechischen Standpunkte sowie jene der Schlesier aus Polen und Tschechien thematisiert. Eine weitere zentrale Debatte, der sich der Band stellt, betrifft Vertreibungen und Aussiedlungen und wird in Polen immer noch äußerst kontrovers und emotional diskutiert.

Der umfangreiche Sammelband stellt einen ersten und zugleich sehr gelungenen Versuch einer transnational angelegten Synthese der Geschichte Oberschlesiens dar. Dabei werden nicht nur historische Themen, sondern auch aktuelle Debatten vorgestellt. Kontroverse Themen, die sowohl in den bi- und trinational als auch in den innerpolnisch geführten Diskussionen für Spannung sorgen, werden ausgewogen behandelt. Insgesamt zeichnet sich der Band, an dem neben Geschichtswissenschaftlern auch Kunsthistoriker, Literaturwissenschaftler und andere Kulturwissenschaftler beteiligt gewesen sind, durch ein durchweg hohes Niveau und eine große Themenvielfalt aus.

An manchen Stellen wäre jedoch eine stringentere Redaktion des Gesamtwerks wünschenswert gewesen. So folgt auf das erste Kapitel eine Bibliografie, die einen sehr nützlichen Überblick über die Literatur gibt. Angesichts der Fülle an Literatur zu Oberschlesien wäre es jedoch sinnvoll gewesen, jedes Kapitel mit einem Literaturverzeichnis abzuschließen. Am Ende des Buches findet der Leser zwar ein weiteres Literaturverzeichnis, dessen Struktur orientiert sich jedoch nicht durchweg an den Kapiteln des Werkes. Zudem finden sich in den einzelnen Beiträgen meist nur wenige Fußnoten, die zudem nicht immer hilfreich bzw. zweckmäßig sind: Oft bestehen diese lediglich aus der Übersetzung der im Text angeführten Zitate, ohne dabei die konkrete Quelle oder Seitenangabe zu erwähnen.

Da die Publikation für ein breites Publikum bestimmt ist und sich eben nicht nur an die Fachgemeinde richtet, hätte man in einigen Beiträgen spezifische Termini näher ausführen können. Die Anzahl der inhaltlichen Redundanzen, die hin und wieder auftauchen, hätte reduziert werden können. Einige Begriffe werden wenig einheitlich verwendet, was die Verständigung nicht immer erleichtert. Ein prekäres Beispiel stellt beispielsweise der Gebrauch des Adjektivs "sowiecki" (sowjetisch) dar, das in Polen seit 1989 zwar immer häufiger verwendet wird, doch pejorativ aufgeladen ist. Die neutrale, offizielle Bezeichnung "radziecki" kommt deutlich seltener im Text vor.

Zu begrüßen ist, dass die mehrsprachige Benennung der Toponyme in Form einer polnisch-deutsch-tschechischen Konkordanz berücksichtigt worden ist. Leider ist jedoch bei der Nennung der Ortsnamen im Text kein einheitliches Prinzip zu erkennen. Besonderes Lob verdient eine Tabelle in den Materialien, die alle ehemaligen Machthaber aus der oberschlesischen Geschichte auflistet. Allerdings ist es etwas schade, dass lediglich die polnische Namensform erwähnt wird. Eine polnisch-deutsch-tschechische Konkordanz der Personennamen wäre schließlich dem Konzept des Bandes entgegen gekommen. Das Handbuch enthält zudem reichhaltiges Kartenmaterial, beginnend mit den ältesten Karten der Region über Ausschnitte topografischer Karten von 1914 bis hin zu einer aktuellen Verwaltungskarte mit den polnischen, deutschen und tschechischen Ortsnamen, so dass die historische Entwicklung Oberschlesiens und der politische Kontext nachvollziehbar visualisiert werden. Damit stellen sie eine schöne Ergänzung zu den im Textteil vielfach untergebrachten Illustrationen dar. Insgesamt ist ein solides, lange erwartetes Grundlagenwerk zu Oberschlesien entstanden, das durch sein innovatives Gesamtkonzept, die thematische Vielfalt und Informationsfülle mehr als überzeugt und eine unverbrauchte Perspektive auf die Geschichte Oberschlesiens bietet.