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  • Metadata

    • Document type
      Review (monograph)
      Journal
      sehepunkte
      Author (Review)
      • Schröder, Stefan
      Language (Review)
      Deutsch
      Language (Monograph)
      English
      Editor (Monograph)
      • Pazos, Antón M.
      Title
      Pilgrims and Politics
      Subtitle
      Rediscovering the Power of the Pilgrimage
      Year of publication
      2012
      Place of publication
      Aldershot
      Publisher
      Ashgate
      Series
      Compostela International Studies in Pilgrimage History and Culture
      Number of pages
      X, 211
      ISBN
      978-1-4094-4759-7
      Subject classification
      Economic History, History of religion, Social and Cultural History, Political History
      Time classification
      20th century, Middle Ages
      Regional classification
      Europe → Southern Europe → South Eastern Europe → Slovenia, Asia → Near East, Europe → Western Europe → Great Britain, Europe → Southern Europe → Portugal, Europe → Southern Europe → Italy, Europe → Southern Europe → Spain, Europe → Northern Europe → Baltic states → Estonia, Europe → Western Europe → France, Europe → Western Europe → Germany
      Subject headings
      Wallfahrt
      Pilgerwesen
      Aufsatzsammlung
      Original source URL
      http://www.sehepunkte.de/2013/05/22476.html
      recensio-Date
      Jun 10, 2013
      recensio-ID
      7fd861817f004c8eb686edb2a23f6ab1
      DOI
      10.15463/rec.1189723595
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Antón M. Pazos (ed.): Pilgrims and Politics. Rediscovering the Power of the Pilgrimage (reviewed by Stefan Schröder)

sehepunkte 13 (2013), Nr. 5

Antón M. Pazos (ed.): Pilgrims and Politics

Der Sammelband vereint die Beiträge einer 2008 in Santiago de Compostela veranstalteten internationalen Tagung, die den sich wechselseitig beeinflussenden Sphären des (christlichen) Pilgerwesens und der Politik nachging. Ziel war es aufzuzeigen, wie abhängig Pilgerfahrten von politischen und wirtschaftlichen Gegebenheiten und deren Wandlungen waren und wie Wallfahrten auf regionaler oder nationaler Ebene auch Teil der Politik sein konnten - sei es als Ausdruck des Protestes gegen bestehende Ordnungen oder als Mittel zur Konstituierung und Erhaltung von Macht. Mit diesem Zugang wird nach jüngeren Publikationen zum Wallfahrtswesen mit einem eher kulturhistorischen Blickwinkel der Fokus wieder stärker in Richtung Politikgeschichte verschoben.

Die insgesamt zwölf Aufsätze folgen keiner thematischen, sondern einer chronologischen Ordnung. Einen Schwerpunkt bildet nicht zuletzt vor dem Hintergrund des Tagungsortes der Kult um den hl. Jakobus d. Ä. in Santiago, dem sich gleich vier Beiträge widmen. So untersucht zum einen Ana Maria Carballeira Debasa (9-29) die Bedeutung Santiagos auf Basis arabischer Quellen und schildert die militärischen Unternehmungen durch Almansor am Ende des 10. Jahrhunderts, die den wachsenden Einfluss der Stadt als Pilgerziel und ökonomisches Zentrum zu unterbinden suchten und 997 in der Zerstörung Santiagos gipfelten. Die Feldzüge dienten gleichzeitig dem Zweck, die Herrschaft im eigenen andalusischen Machtbereich auch nach innen zu stärken. Zum anderen zeigt Carlos Baliñas Pérez (47-53) anhand der Begründung des Jakobuskultes im 9. Jahrhundert auf, wie die Pilgerreise nach Santiago vom asturischen Königshaus schon von Beginn an instrumentalisiert wurde. Paula Pinto (69-82) behandelt den Johanniterorden im nördlichen Portugal, dessen spirituelle und materielle Unterstützung der Wallfahrer und Sicherung der Pilgerwege nicht wenig zur Formung des Königreichs Portugal beigetragen hat. José Andrés-Gallego (119-147) zeichnet schließlich am Beispiel Roncesvalles die vom Mittelalter bis in die Gegenwart stark wechselhaften politisch-wirtschaftlichen Bedingungen für einen Ort nach, der eine zentrale Anlaufstation auf dem Jakobsweg über die Pyrenäen ist.

Neben Santiago werden mit dem Heiligen Land, Rom, Lucca und ausgewählten Orten in England weitere christliche Wallfahrtsziele berücksichtigt. Yvonne Friedman (55-68) analysiert die diplomatischen Kontakte zwischen den christlichen und muslimischen Herrschaften während der Kreuzfahrerzeit. Sie arbeitet heraus, wie wichtig für beide Seiten bei allen religiösen und politischen Differenzen ein funktionierendes Pilgerwesen für die Ökonomie des Heiligen Landes war. Brenda Bolton (83-101) untersucht die von Innozenz III. am Ausgang des 12. und zu Beginn des 13. Jahrhunderts initiierten Maßnahmen zur Förderung des Pilgerwesens in Rom. Sie kommt zu dem Ergebnis, dass diese Regelungen u.a. zur Produktion von Pilgerzeichen, der Vergabe von Ablässen oder Errichtung neuer Pilgerstationen einerseits die Attraktivität der Stadt als mit Santiago und Jerusalem konkurrierendes Fernpilgerziel erhöhten. Indem Politik und Pilgerwesen etwa im Zuge des IV. Lateranum (1215) gezielt vermengt wurden, stärkten sie andererseits auch das Papsttum. Ähnlich zu Roncesvalles geht Christine Meek (103-118) anhand spätmittelalterlicher Archivalien der Rolle Luccas sowohl als Pilgerort als auch als Durchgangsstation auf dem Weg nach Rom nach. Robert S. Swanson (29-45) kritisiert in einer instruktiven Analyse des englischen Wallfahrtswesens die teils zu starke Betonung der politischen Bedeutung in der Forschungsliteratur. Trotz der vielfältigen Überlappungen von religiösen und politischen Momenten könne man selbst hinsichtlich der sogenannten politischen Heiligen (z.B. ermordete Könige, exekutierte Widerständler) nicht vorschnell von einer ausgeprägten Verbindung zwischen beiden Ebenen sprechen.

Der Band ist nicht nur auf das Mittelalter beschränkt, sondern setzt sich am Beispiel Spaniens (Antón Pazos, 151-160), Sloweniens (Vincenc Rajšp, 161-171) und Estlands (Riho Altnurme, 173-186) auch mit der jüngeren und jüngsten Geschichte auseinander. Präsentiert wird jeweils, wie Pilgerreisen unter teils diffizilen politischen Umständen unternommen wurden, wie aber ebenso die Obrigkeiten sie durch spezielle Förderung und politische Propaganda für eigene Zwecke instrumentalisieren konnten. Dabei war es in Spanien zunächst die katholische Kirche, die die Wallfahrt nach Santiago während des Bürgerkrieges als Zeichen gegen die Republikaner propagierte, bevor sie unter Franco als rite de passage in Dankbarkeit für das Überleben des Krieges und der Verfolgungen galt. Obwohl die Santiago-Wallfahrt symbolisch auch an den Kampf gegen den Islam in Spanien erinnert, unterstützte das Regime während des Bürgerkrieges in nicht geringem Maß zugleich Pilgerreisen aus dem Protektorat Spanisch-Marokko nach Mekka, um sich der Unterstützung seiner muslimischen Bewohner zu versichern. Selbst die totalitären kommunistischen Systeme standen Pilgerreisen nicht gänzlich ablehnend gegenüber, wenngleich die Popularität beispielsweise der Gemeinschaft von Taizé in Estland sich erst nach der Wende größere Bahnen brach. Durch die mit staatlicher Hilfe organisierten Reisen größerer Gruppen von Jugoslawien nach Lourdes oder der Förderung des orthodoxen "model-convent" (178) in Pühtitsa in Estland sollte nach außen religiöse Toleranz und Freiheit demonstriert und das System nach innen stabilisiert werden.

Mit der Analyse sowohl der Sakralisierung der Politik als auch der Entstehung von neuen spirituellen Erfahrungsorten wie beispielsweise dem Grab von Elvis Presley trägt der bekannte Kirchenhistoriker Hugh McLeod (187-201) abschließend dem Wandel und der aktuell steigenden Attraktivität des Wallfahrtswesens in den westlichen säkularen Ländern Rechnung, die nicht zuletzt auf die zunehmend fragmentierte und individualisierte Gesellschaft in einer globalisierten Lebenswelt zurückgeführt wird.

Angesichts des sehr offenen Zugangs bleibt der Band recht heterogen. Auch setzen sich die Beiträge in unterschiedlichem Maß mit der Thematik auseinander, so dass ein systematisierender Umgang mit der - vom Herausgeber eingangs bereits festgehaltenen (3) - im Prinzip stets gegebenen Verbindung zwischen dem Pilgern und der Politik zumeist unterbleibt. Insbesondere hinsichtlich der Instrumentalisierung von Pilgerfahrten von Seiten der Politik wäre in einzelnen Beiträgen eine analytischere Reflektion wünschenswert gewesen. Der Blick sowohl auf mittelalterliche als auch gegenwärtige Wallfahrten und Politik läuft Gefahr, den besonderen Eigenheiten der Epochen, den jeweiligen spezifischen Bedingungen und Möglichkeiten politischen Handelns und Wirkens nicht ausreichend gerecht zu werden. Gleichwohl kann die weite zeitliche Perspektive auch gewinnbringende Erkenntnisse mit sich führen, wenn beispielsweise McLeod trotz aller Wandlungen des Pilgerwesens, trotz aller damit einhergehenden unterschiedlichen Motive, Ziele und Formen des Pilgerns - teils fern ab jeder Religiosität - konstatieren kann, dass sich mit der Reise nach wie vor die Hoffnung auf eine physiologische und heutzutage noch stärker eine psychologische Heilung verbindet (201).

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