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  • Metadata

    • Document type
      Review (monograph)
      Journal
      sehepunkte
      Author (Review)
      • Schattkowsky, Ralph
      Language (Review)
      Deutsch
      Language (Monograph)
      English
      Author (Monograph)
      • Johnson, Lonnie R.
      Title
      Central Europe
      Subtitle
      Enemies, Neighbors, Friends
      Year of publication
      2011
      Place of publication
      Oxford
      Publisher
      Oxford University Press
      Number of pages
      XIII, 382
      ISBN
      978-0-19-538664-6
      Subject classification
      History
      Time classification
      20th century, Modern age until 1900, Middle Ages
      Regional classification
      Europe → Eastern Europe, Europe
      Subject headings
      Mitteleuropa
      Original source URL
      http://www.sehepunkte.de/2013/06/23558.html
      recensio-Date
      Jul 02, 2013
      recensio-ID
      47ec8a2fe5ea4dcab8c65db87f7acaa7
      DOI
      10.15463/rec.1189722026
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Lonnie R. Johnson: Central Europe. Enemies, Neighbors, Friends (reviewed by Ralph Schattkowsky)

sehepunkte 13 (2013), Nr. 6

Lonnie R. Johnson: Central Europe

Lonnie R. Johnson legt sein Buch nach 1996 und 2001 nunmehr in dritter Auflage vor. Ergänzungen und Erweiterungen gab es vor allem im letzten Teil, wo er die Darstellung der Ereignisse nach 1989 modifiziert und bis an die Gegenwart heranführt. Um es gleich zu sagen: Dies ist kein Buch, das sich gezielt mit dem Begriff "Mitteleuropa" theoretisch-forschungsgeschichtlich auseinandersetzt und neue Positionsbestimmungen vornehmen will. So sucht man auch vergebens nach einem Hinweis auf Oscar Halecki oder substanzielle Erklärungen Mitteleuropas aus einem strukturellen Nachweis Ostmitteleuropas heraus. In guter angloamerikanischer Tradition hat Johnson im besten Sinne des Wortes ein historisches Lesebuch zu Mitteleuropa vorgelegt, das wissenschaftlichen Ansprüchen ohne Zweifel genügt. Der Apparat ist übersichtlich gestaltet und ein ausführliches Register erleichtert die Arbeit mit dem Buch.

Der Autor sieht Mitteleuropa in der Perspektive der heutigen Staaten Deutschland, Polen, Tschechien, Slowakei, Österreich, Ungarn, Slowenien und Kroatien. Grenzbereiche sind die baltischen Staaten, Westweißrussland, die Westukraine, Transsylvanien, Teile von Serbien und Bosnien-Herzegowina. Alle diese Grenzbereiche werden in bestimmten historischen Abschnitten berücksichtigt, sind aber für den historischen Großraum letztlich nicht konstitutiv. Auch lehnt der Autor die in der historischen Wissenschaft etablierte Teilung in Ostmitteleuropa und nolens volens Westmitteleuropa prinzipiell ab, woraus er eine weitere Bestätigung eines "Mitteleuropa" ableitet. Dabei räumt er ein, dass eine machtpolitische Grundordnung des Buches kleineren ethnischen Einheiten oder Ländern nur wenig Raum gibt. In den Mittelpunkt stellt er, wie der Untertitel vermuten lässt, eine Geschichte der Konflikte, des Zusammenlebens und der Zusammenarbeit. Machtpolitisch prägende Ereignisse sind somit bestimmend für den Charakter der Abschnitte des Buches. Johnson weist ihnen ideengeschichtliche, strukturbestimmende und phänomenologische Ordnungsprinzipien wie Kirche und Religion, Feudalismus, Absolutismus, Nationalismus, Kriege und Einflusssphären zu. In seiner chronologischen Abhandlung vom Ende des Römischen Reiches bis in das 21. Jahrhundert nimmt er diese Ordnungsprinzipien einerseits als Grundlage für eine vergleichende Darstellung gegenüber Ost- und Westeuropa, andererseits geht es ihm jedoch ebenso um eine Herleitung und Begründung nationaler Eigenheiten mitteleuropäischer Staaten, womit eine Dauerhaftigkeit Mitteleuropas belegt werden soll.

Im Einführungskapitel "Wo ist Mitteleuropa?" stützt er sich vor allem auf Jenö Szücs und Piotr S. Wandycz und benennt Kriterien für Mitteleuropa: Dies sind neben der lateinischen Christianisierung die durch mittelalterliche Großreiche - wie das Heilige Römische Reich deutscher Nation, das Polnisch-Litauische Großreich und das Ungarische Königreich - abgesteckten Grenzen. Damit charakterisiert Johnson das dynamische Prinzip Mitteleuropas mit den sich ständig verändernden Grenzen. Ein weiteres Merkmal Mitteleuropas ist seine ausgeprägte Multiethnizität ("patchwork", 4). Eine ganz wesentliche Rolle misst Johnson Mitteleuropa in der Auseinandersetzung mit dem Osmanischen Reich und dem Islam als "antemurale christianitatis" bei. Schließlich sind es die strukturellen Besonderheiten in der Moderne, die eine Mittelstellung nicht nur territorial bezeichnen, sondern auch qualitativ im Sinne eines "besser als der Osten und schlechter als der Westen" benennen.

Wenn der Autor auch bemüht ist, durch diese Kriterien eine relative Eindeutigkeit des Begriffs "Mitteleuropa" zu schaffen, so macht er doch nachhaltig auf dessen Unstetigkeit aufmerksam und verbindet diese mit der Selbstsicht der Nationen und ihrer Interpretation von Mitteleuropa. So besteht auch ein wesentliches Anliegen des Buches in der Berücksichtigung der einzelnen Nationalgeschichten im Sinne eines Mitteleuropas als deren Summe. Und hier sind es eben Polen-Litauen, Böhmen und Ungarn, die ihn vor allem interessieren. Diese seien "big players" (5), die mit "ihren" Zäsuren zwar die Weltgeschichte bestimmten, außerhalb Mitteleuropas jedoch als angeblich nationale Zäsuren kaum wahrgenommen würden. Deutschland zählt für den Autor nicht zwangsläufig zu Mitteleuropa, weil es auf den gesamten historischen Verlauf bezogen eher als westliche Entsprechung des Russischen Reiches gelten könne, gerade auch in seiner Auseinandersetzung mit Österreich-Ungarn. Mitteleuropa kann also auch als "Zwischeneuropa" in Konfrontation zu russischem Zaren und deutschem Kaiser verstanden werden. Diese Position erfuhr durch die Ostblockbildung nach dem Zweiten Weltkrieg eine Verhärtung.

Mitteleuropa sei kein klares Konzept (11); weder in der Geschichte noch in der Gegenwart. Der Autor belegt das vor allem mit den diffusen Vorstellungen des Westens von Mitteleuropa, aber auch mit seiner Auflösung durch die Westintegration, der er im abschließenden Kapitel recht breiten Raum widmet.

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