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  • Metadata

    • Document type
      Review (monograph)
      Journal
      sehepunkte
      Author (Review)
      • Geis, Lioba
      Language (Review)
      Deutsch
      Language (Monograph)
      English
      Editor (Monograph)
      • Nef, Annliese
      Title
      A Companion to Medieval Palermo
      Subtitle
      The History of a Mediterranean City from 600 to 1500
      Year of publication
      2013
      Place of publication
      Leiden
      Publisher
      Brill
      Series
      Brill's Companions to European History
      Series (vol.)
      5
      Number of pages
      542
      ISBN
      978-90-04-22392-9
      Subject classification
      Local History
      Time classification
      Middle Ages
      Regional classification
      Europe → Southern Europe → Italy
      Subject headings
      Aufsatzsammlung
      Geschichte 600-1500
      Palermo
      Original source URL
      http://www.sehepunkte.de/2014/09/24012.html
      recensio.net-ID
      cf27f711d11b46d18e03be9b3ce0666e
      DOI
      10.15463/rec.1189728118
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Annliese Nef (ed.): A Companion to Medieval Palermo. The History of a Mediterranean City from 600 to 1500 (reviewed by Lioba Geis)

sehepunkte 14 (2014), Nr. 9

Anneliese Nef (ed.): A Companion to Medieval Palermo

Die Geschichte der Insel Sizilien steht seit langer Zeit im Fokus mediävistischer Studien zum Mittelmeerraum. Insbesondere die politische Entwicklung, oftmals verstanden als eine Abfolge unterschiedlicher Fremdherrschaften, und die damit verbundene kulturelle Vielgestaltigkeit Siziliens sind von der Forschung untersucht worden. Als zentraler Bezugspunkt dient dabei häufig die Stadt Palermo, die seit ihrer Eroberung durch die Aghlabiden 831 zur Hauptstadt des islamischen Emirats aufstieg und diesen Status als politisches, administratives, repräsentatives, kulturelles und religiöses Zentrum auch in den nachfolgenden Jahrhunderten - wenn auch unter anderen politischen Vorzeichen - beibehielt. Der von Annliese Nef herausgegebene Sammelband greift diese Forschungssituation auf, möchte jedoch eine gegenüber bisherigen Studien andere Richtung einschlagen. Zum einen soll die übliche Konzentration auf einzelne Epochenabschnitte und Jahrhunderte vermieden werden, indem der gesamte Zeitraum von 600 bis 1500 untersucht wird; zum anderen möchte sich der Band, wie Nef in ihrer Einleitung betont, nicht auf politisch-dynastische Entwicklungen konzentrieren, sondern verstärkt auch soziale, ökonomische, kulturelle, religiöse, kunsthistorische, architektonische und vor allem stadttopographische Fragestellungen in den Blick nehmen.

Die sechzehn Beiträge renommierter Mediävisten, Byzantinisten, Arabisten, Archäologen, Stadt- und Architekturhistoriker sind in fünf große Abschnitte aufgeteilt. Im ersten Abschnitt wird die Entwicklung Palermos vom 6. bis zum 11. Jahrhundert beleuchtet. Den Auftakt bildet dabei der Aufsatz von Vivien Prigent, der die urbanen Veränderungen vor dem Hintergrund eines allgemeinen städtischen Niedergangs auf Sizilien, die Symptome für soziale Verschiebungen innerhalb der Stadt sowie die ökonomischen Möglichkeiten Palermos am Ende des 6. Jahrhunderts untersucht. Annliese Nefs Beitrag konzentriert sich auf die Entwicklung der Stadt nach der Eroberung durch die Aghlabiden im 9. Jahrhundert und arbeitet heraus, wie Palermo nun zu einer der wichtigsten Städte nicht nur Siziliens, sondern auch des dār al-islām in politischer, ökonomischer und religiöser Hinsicht aufsteigen konnte. Vertieft werden Nefs Ausführungen durch die Aufsätze von Alessandra Bagnera und Mirella Cassarino, die mit demselben zeitlichen Fokus die urbane sowie kulturelle Entwicklung Palermos noch einmal gezielt in den Blick nehmen.

Der zweite Abschnitt des Sammelbands widmet sich der normannischen Zeit. Wie Annliese Nef in ihrem kurzen Beitrag betont, sind hierbei mehrere Ebenen in der Entwicklung Palermos zu berücksichtigen: die erneute Aufwertung der Stadt zur Hauptstadt des neuen Königreichs, der Versuch der Integration einer neuen Elite in bestehende politische und administrative Strukturen, die Umsetzung eines "religious ecumenicalism" (136) und schließlich die Auswirkungen imperialer Ambitionen der Hauteville. Der Aufsatz von Rosa di Liberto diskutiert daran anknüpfend den Einfluss byzantinischer, islamischer und westeuropäischer Architektursprache auf zentrale kirchliche und repräsentative Gebäude im Stadtzentrum und außerhalb der Stadtmauern. Urbane Veränderungen, die mit dem Herrschaftsaufbau der Normannen einhergingen - etwa durch christliche Kirchengründungen, Konflikte zwischen Christen und Muslimen oder auch eine zunehmende Abwanderung der muslimischen Elite - werden von Elena Pezzini analysiert.

Im kurzen dritten Abschnitt des Sammelbands richten Henri Bresc und E. Igor Mineo ihr Augenmerk auf die wirtschaftliche Entwicklung Palermos sowie die sozial-gesellschaftlichen Veränderungen im 14. und 15. Jahrhundert, die zur Ausbildung einer neuen urbanen Identität führten. Der vierte Abschnitt präsentiert Untersuchungen vom 11. bis zum 15. Jahrhundert zur politischen Entwicklung Palermos von Laura Sciascia, zum Einfluss auswärtiger Händler und Kaufleute insbesondere des italienischen und französischen Raums auf die ökonomische und soziale Entwicklung der Stadt von Gian Luca Borghese, zur religiösen Vielschichtigkeit Palermos von Henri Bresc, zu Monreale als benachbarter Gründung Wilhelms II. von Sulamith Brodbeck, zur Bedeutung mehrsprachiger Textproduktion von Benoît Grévin und zur Rolle der Juden in Palermo bis zu ihrer Ausweisung 1492/93 von Giuseppe Mandalà. Abgeschlossen wird der Band schließlich anstelle einer Zusammenfassung durch den Beitrag von Fabrizio Titone im fünften Abschnitt, in dem auf die Veränderungen Palermos in Hinblick auf die Aushandlung städtischer Freiheiten nach 1282 eingegangen wird.

Das einleitend formulierte Ziel, epochenübergreifende und thematisch breite Studien zu Palermo zu veröffentlichen, wird durch die Gesamtheit der Beiträge, vor allem aber in den Einzelbeiträgen des vierten Abschnitts eingelöst. Besonders gelungen sind hierbei die Ausführungen der Kunsthistorikerin Sulamith Brodbeck, die nicht nur der architektonischen Entwicklung und künstlerischen Ausgestaltung der Kirche in Monreale von den Anfängen bis ins Spätmittelalter nachgeht, sondern eingangs auch überzeugende und quellenbasierte Überlegungen zur Motivation Wilhelms II., Kloster und Erzbistum in unmittelbarer Nähe zu Palermo zu gründen, formuliert. Dennoch gelingt es in den Beiträgen nicht immer, alle Epochen in der gleichen Intensität zu behandeln. Dies ist verständlich, da die Quellenlage für den gesamten Untersuchungszeitraum von 600 bis 1500 Schwankungen unterworfen ist. Auffallend ist jedoch, dass die staufische Zeit in allen Aufsätzen vergleichsweise wenig Beachtung findet. Lediglich im Beitrag von Benoît Grévin wird kurz auf die ab 1220 einsetzende Residenzverlagerung von Palermo nach Apulien eingegangen, ohne dass die Konsequenzen dieser Entwicklung für die sizilische Stadt grundlegender betrachtet worden wären.

Insgesamt bietet der Sammelband innovative, mit neuen Erkenntnissen und unterschiedlichen methodischen Zugriffen versehene Einzelstudien, die das bisherige Bild zur mittelalterlichen Stadt Palermo ergänzen und erweitern. Dabei wird vor allem die italienische und französische Forschung einem englischsprachigen Publikum zugänglich gemacht, während deutsche Arbeiten weniger berücksichtigt werden. Als Leser hätte man sich bei manchen Beiträgen bisweilen eine größere Dichte von Anmerkungen gewünscht, wenn etwa im zweiten Beitrag von Henri Bresc Einzelnachweise zu Zitaten, statistischen Angaben, Quellenstellen und erwähnter Literatur wenigen summarischen Verweisen auf Monographien weichen und es damit erschwert wird, die getroffenen Aussagen direkt zu überprüfen. Ähnliche handwerkliche Schwächen finden sich auch im Aufsatz von Laura Sciascia, wenn beispielsweise der Bericht des Otto von St. Blasien über den Herrschaftsantritt Heinrichs VI. nicht nachgewiesen wird (304-306), sich dafür sich aber am Ende des Beitrags der Schlusssatz zweimal wiederfindet. Diese Kritikpunkte dürfen jedoch nicht darüber hinweg täuschen, dass gerade Sciascias Beitrag zur herrscherlichen und städtischen Repräsentation durch den ungewöhnlichen und einprägsamen Ansatz besticht, ihre Beobachtungen in die Form- und Bildsprache des Theaters einzubetten. Nicht nur ihr Beitrag, sondern auch die übrigen fünfzehn Aufsätze sind daher eine lohnenswerte Lektüre für jeden Mediävisten, der sich mit der Geschichte Palermos vom Früh- bis zum Spätmittelalter beschäftigt.