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  • Metadata

    • Document type
      Review (monograph)
      Journal
      sehepunkte
      Author (Review)
      • Lützelschwab, Ralf
      Language (Review)
      Deutsch
      Language (Monograph)
      English
      Editor (Monograph)
      • Nouzille, Philippe
      • Pfeifer, Michaela
      Title
      Monasticism Between Culture and Cultures
      Year of publication
      2013
      Place of publication
      St. Ottilien
      Publisher
      Eos
      Series
      Studia Anselmiana
      Series (vol.)
      159
      Number of pages
      701
      ISBN
      978-3-8306-7598-3
      Subject classification
      History of religion, Social and Cultural History
      Time classification
      Middle Ages
      Regional classification
      Europe
      Subject headings
      Kongress
      Kultur
      Mönchtum
      Rom <2011>
      Original source URL
      http://www.sehepunkte.de/2014/09/24896.html
      recensio.net-ID
      ace034e9d04b4b28a4df02f741066b04
      DOI
      10.15463/rec.1189722720
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Philippe Nouzille / Michaela Pfeifer (eds.): Monasticism Between Culture and Cultures (reviewed by Ralf Lützelschwab)

sehepunkte 14 (2014), Nr. 9

Philippe Nouzille / Michaela Pfeifer (eds.): Monasticism between Culture and Cultures

Der Titel des vorliegenden Sammelbandes spielt mit dem Begriff "Culture", der sowohl im Singular als auch im Plural erscheint. Tatsächlich bleibt es zunächst dem geneigten Leser überlassen, sich einen Reim auf diese Opposition zu machen. Soll hier eine Bestandsaufnahme monastischer Kultur in Abgrenzung zu all denjenigen "Kulturen" versucht werden, die zu einem Teil dessen geworden sind, was in jüngster Zeit als "Postmodernismus" keine allzu gute Presse mehr erfährt? Soll hier gar die alte Meisterzählung von den frommen Mönchen, die in den "dunklen Jahren" des Mittelalters in ihren Bibliotheken die abendländische Kultur vor dem Untergang bewahrt haben und nach wie vor als Stabilisatoren dieser abendländisch-christlichen Kultur wirken, eine Wiederauferstehung feiern? Nichts liegt den beiden Herausgebern konzeptionell ferner: es geht nicht um Abgrenzung, nicht um Abschottung in dem Bewusstsein, zu den letzten Aufrechten zu gehören, die einer Pluralität von "Cultures" "die" eine Kultur entgegensetzen. Nein, es geht um sehr viel mehr. Im Zentrum steht das, was ein Überleben des Ordenswesens auch im 21. Jahrhundert garantieren soll: nicht Exklusion, sondern Inklusion, nicht Abschottung, sondern Öffnung. Wie schmal dabei der Grat ist, der Erfolg von Misserfolg trennt, liegt auf der Hand: wie werden monastische Lebensweisen à jour gebracht, ohne dabei den Kern der eigenen Existenz, das jeweils eigene monastische Charisma zu verletzen?

Hervorgegangen aus einer Tagung, die am Monastischen Institut der benediktinischen Hochschule in Rom, dem Ateneo Sant'Anselmo, im Juni 2011 stattfand, gliedern sich die insgesamt 40 Beiträge des Bandes in sieben Sektionen. Drei Sektionen mit 20 Artikeln widmen sich dabei historischen Themen (Oriental monasticism, Western monasticism und Regulae Benedicti studia ), daneben finden sich mit "New monastic communities", "Non-Christian monasticism", "Monasticism and Art", "Postmodernism and various solutions" weitere Großkapitel, die einen bunten Strauß an Artikeln enthalten, in denen zwar das historisch-philosophisch-theologische Rad nicht neu erfunden wird, die sich zumeist aber doch auf erfreulich hohem Niveau bewegen. Einiges sei in der Folge herausgegriffen.

Michaela Pfeifer demonstriert, welchen Spannungen das Frömmigkeitsleben in einer Männerabtei um 1150 ausgesetzt war, wo einige Privatmessen feierten, andere der Tradition folgten und die lectio divina favorisierten (Messa privata o lectio divina? Tensioni nelle forme di pietà dei monaci nel XII secolo, 157-167). Beklagt wurde damals eine insbesondere bei jungen Zisterziensern feststellbare Neigung, vor den Mühen des Stundengebets und des Psalmsingens bzw. -rezitierens zurückzuschrecken und die eigene spirituelle Erfüllung in Messfeiern zu finden. Wie die monastische Tradition mit dieser neuen Herausforderung umging, ist durchaus lesenswert. Marsha L. Dutton nimmt in ihrem Beitrag vier historische opera des großen Zisterziensers Aelred of Rievaulx (gestorben 1167) in den Blick (This Ministry of Letters: Aelred of Rievaulx's Attempt to Anglicize England's King Henry II, 169-193). Alle vier beschäftigen sich mit dem englischen Königtum und seiner Geschichte, drei wurden im Zeitraum zwischen Mai 1153 und November 1154 geschrieben und sind König Heinrich II. gewidmet. Wie es Aelred dabei gelingt, nicht nur die angelsächsische, sondern auch die normannische Abstammung des Königs in einen Pluspunkt zu verwandeln und ihn in der Linie der "großen" angelsächsischen Könige wie Alfred den Großen (gestorben 899) oder Aethelstan (gestorben 939) zu verorten, wird überzeugend nachgezeichnet.

Manuela Scheiba geht dem Bild des Abtes als "Gottesknecht" nach und kontextualisiert die einschlägigen Passagen in der Benediktsregel dabei nicht nur historisch, sondern wagt auch den Sprung in die Gegenwart (Der Abt als Gottesknecht. Zu einem Zug des Abtsbildes in der Benediktusregel und zu seiner Bedeutung für benediktinische Gemeinschaften heute, 207-243). Ob tatsächlich jemals ein Abt den in ihn gesetzten Erwartungen gerecht geworden ist, darf mit Fug und Recht bezweifelt werden: das in der Regel entwickelte Anforderungsprofil ist - vorsichtig ausgedrückt - ausgesprochen komplex. Bemerkenswert ist jedoch, dass in der Figur des Gottesknechts der Aspekt der Schwäche des Oberen, seine Angefochtenheit, seine "Konfrontation mit den eigenen Grenzen" (242) klar vor Augen steht. Dies stellt eine wichtige Ergänzung dar zum einseitigen Eindruck von Stärke und unantastbarer Souveränität, die leicht im Kontext anderer benediktinischer Abtsbilder (Vater, Lehrer, Arzt, Hirte) assoziiert werden können.

Fremde sind für ein wohlgeordnetes Kloster Fluch und Segen zugleich. Benedikt spricht es in seiner Regel deutlich aus: in jedem Fremden wird Christus aufgenommen. Was aber, wenn diese Fremden Unruhe in das Kloster hineintragen und damit das eigentliche propositum des Ordens, den Dreiklang aus labor manuum , lectio divina und opus divinum , gefährden? Regelungen mussten hier auch für den Bereich des gemeinsamen Mahls getroffen werden. Dürfen Fremde mit ins Refektorium der Mönche? Essen sie am Tisch des Abtes oder zusammen mit dem Abt in einem gesonderten Raum? Aquinata Böckmann erläutert unter Rückgriff auf frühere Klosterregeln, insbesondere c. 84 der Magisterregel, die Verfügungen, die Benedikt in c. 56 seiner Regel diesbezüglich trifft, verweist dabei auf den engen Zusammenhang zwischen Eucharistie und Gastfreundschaft und unterstreicht das Spannungsverhältnis, dem sich der Abt ausgesetzt sah. Sorgt er für die Fremden, vernachlässigt er die Brüder und vice versa - aber muss er sich tatsächlich zwischen "two aspects of Christ" (256) entscheiden? Tatsächlich ist es wohl so, dass sich in der Benediktsregel unterschiedliche Redaktionsstufen überlagern. Geht man in c. 53 augenscheinlich noch davon aus, dass alle Fremden (die auch einmal fehlen können) am Tisch des Abtes im Refektorium sitzen, ändert sich mit fortschreitender Institutionalisierung, d.h. in einem Prozess der von Subiaco hin zu Montecassino führt, das Bild: zu einer Zeit, in der Gäste nie mehr fehlen ( nunquam desunt ) sind Maßnahmen erforderlich, um die Integrität der Mönchsgemeinschaft durch eine stärkere Separierung von Gästen zu schützen (Where and when does the abbot eat? The abbot between community and strangers (RB 56). Development, spiritual orientation and practical organization, 245-265).

Die Gefahren (und Absurditäten), die mit einer Öffnung der Klöster heutzutage verbunden sind, beschreibt Isabelle Jonveaux (La cultura rivisitata: I beni culturali monastici fra tradizione e modernità, 493-511). Deutlich wird, wie stark Massenkultur ein rein anachronistisches Bild klösterlicher Kultur pflegt. Die Autorin bleibt freilich nicht bei einer Zustandsbeschreibung stehen, sondern fragt nach tiefer liegenden Gründen. Weshalb erfolgen heute Schenkungen, Legate u.ä. nur noch in den seltensten Fällen aus spirituellen, zumeist aber aus "kulturellen" Gründen heraus? Ist die Förderung von Klosterbibliotheken, die Unterstützung der Restaurierung historischer Orgeln oder Kreuzgänge als bloßes Surrogat, als Ausfüllen einer spirituellen Leerstelle anzusehen? Tatsächlich wird Kultur an vielen Orten zur neuen Ersatzreligion. In den bundesdeutschen Feuilletons sind es die sogenannten "Kulturchristen", die immer wieder bemüht werden. Was genau darunter zu verstehen ist, wird zwar selten gesagt, doch soll damit wohl ein Prozess beschrieben werden, der die allmähliche Überlagerung theologischer Kerninhalte durch kulturell-liturgische Folklore zur Folge hat. Welchem Spannungsverhältnis Mönchtum und zeitgenössische Kultur ausgesetzt sind, geht Bernhard A. Eckerstorfer in seinem mit reichem statistischem Material unterfütterten Beitrag nach (Monasticism and Contemporary Culture: Where are we going? Searching with sociologists for the Answer, 527-541). Der Blick richtet sich dabei wenig überraschend vor allem auf die Nachwuchsproblematik. Als der Autor den Artikel schrieb, gab es in der gesamten, aus 14 Klöstern bestehenden österreichischen Benediktinerkongregation gerade einmal einen Novizen. Diese Ziffer mag die Dramatik der Entwicklung verdeutlichen, doch bleibt daneben die Feststellung, dass dieser Verfall mit einem nach wie vor steigenden Interesse einer breiteren Öffentlichkeit an Fragen monastischer Existenz korreliert. Der Autor beschreibt, wie zukünftig klösterliche Personalressourcen so genutzt werden können, dass das Mönchtum insgesamt eine Chance hat. Das Zauberwort hierbei ist "elastische Tradition": und tatsächlich hat sich das Mönchtum benediktinischer Prägung nie starr, sondern extrem elastisch gezeigt.

Nach der Lektüre des Bandes bleibt die Erkenntnis, dass die Geschichte des benediktinischen Mönchtums stets von Phasen des Verfalls und Niedergangs - auch in personeller Hinsicht - geprägt war. Die Beiträge zeigen freilich auch, wie es die Benediktiner im Laufe ihrer nun fast 1500 Jahre währenden Existenz immer wieder geschafft haben, diesen Gefahren wirkungsvoll zu begegnen. Man kann dies "elastische Tradition" nennen: im Grunde geht und ging es stets darum, den eigenen "Markenkern" zu bewahren. Das bedeutete jedoch nie eine komplette Abschottung von der Welt, sondern vielmehr ein Interagieren mit ihr. Summa summarum: ein wichtiger Band, in dem die Bedeutung historischer Reflektion für das Verständnis gegenwärtiger Entwicklungen klar zu Tage tritt.