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  • Metadata

    • Document type
      Review (monograph)
      Journal
      sehepunkte
      Author (Review)
      • Linden, Carsten
      Language (Review)
      Deutsch
      Language (Monograph)
      Deutsch
      Author (Monograph)
      • Wellenreuther, Hermann
      Title
      Heinrich Melchior Mühlenberg und die deutschen Lutheraner in Nordamerika, 1742-1787
      Subtitle
      Wissenstransfer und Wandel eines atlantischen zu einem amerikanischen Netzwerk
      Year of publication
      2013
      Place of publication
      Münster
      Publisher
      LIT
      Series
      Atlantic Cultural Studies
      Series (vol.)
      10
      Number of pages
      X, 710
      ISBN
      978-3-643-12358-9
      Subject classification
      History of religion
      Time classification
      Modern age until 1900 → 18th century
      Regional classification
      Europe → Western Europe → Germany, America → North America → USA
      Subject headings
      Muhlenberg, Henry Melchior
      Nordamerika
      Deutsche
      Lutheraner
      Geschichte 1742-1787
      Biographie
      Lutherische Kirche
      Original source URL
      http://www.sehepunkte.de/2015/11/24755.html
      Publication date
      Dec 15, 2015 10:16 AM
      recensio.net-ID
      c879439773574b82a7326212acaee7b2
      DOI
      10.15463/rec.1189738260
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Hermann Wellenreuther: Heinrich Melchior Mühlenberg und die deutschen Lutheraner in Nordamerika, 1742-1787. Wissenstransfer und Wandel eines atlantischen zu einem amerikanischen Netzwerk (reviewed by Carsten Linden)

sehepunkte 15 (2015), Nr. 11

Hermann Wellenreuther: Heinrich Melchior Mühlenberg und die deutschen Lutheraner in Nordamerika, 1742-1787

Auf 710 Seiten wird das Leben des lutherischen Geistlichen Heinrich Mühlenberg erörtert, der nach dem Schulbesuch in dem Städtchen Einbeck besonders in Göttingen und Halle eine dezidiert konfessionell-lutherische Prägung erhielt, die ihn sein Leben lang kennzeichnete.

Vom Direktor der Franckeschen Stiftungen 1742 nach Amerika entsandt, entwickelte Mühlenberg hauptsächlich über Briefe eine rege Kommunikation mit deutschen und amerikanischen Akteuren. Von 1742 bis etwa 1765 kamen die maßgeblichen Impulse aus Deutschland. Wellenreuther spricht hier von einem atlantischen Netzwerk. Zugleich waren auch lutherische Geistliche in Nordamerika Mühlenbergs Korrespondenzpartner. Es schloss sich seit etwa 1765 ein Wandel an, der vereinfacht als Wegbrechen des atlantischen und Weiterexistieren des amerikanischen Netzwerks beschrieben werden kann, welches seinerseits seit Anfang der 1770er Jahre immer weniger Akteure einband.

Wellenreuthers Studie wird durch drei Interessensperspektiven geprägt. Mühlenberg etablierte zum einen eine lutherisch rückgebundene neue koloniale Kultur. Entscheidend hierfür war des Weiteren der Wissenstransfer insbesondere Hallescher Vorstellungen und Glaubensüberzeugungen und schließlich die Schaffung und Vergewisserung sozialer Beziehungen in einem Netzwerk, welches sich bei der Einflussnahme auf Kirchengemeinden und Vermittlung bei Konflikten bewährte.

Mühlenberg agierte im Netzwerk teilweise als Makler, teilweise als zentraler Akteur. Er vergaß selten bei der Kommunikation fremder Interessen auch ganz eigene Interessen zu sichern. Indem Hermann Wellenreuther konzentriert die Netzwerkarbeit seines Protagonisten als dessen Erfolgsprinzip identifiziert und belegt, entspricht er eigentlich nur dem, was Mühlenberg ausmachte. Die Tiefe und der Umfang der Publikation geben Wellenreuther die Freiheit zu freimütigen Bewertungen. So wird Mühlenberg etwa als "schlechter Prediger", der es nicht verstand "komplexe theologische Materien zu durchdringen" (90) qualifiziert.

Zwar lässt sich keine Flut von Veröffentlichungen zu diesem Themenkomplex ausmachen, allerdings erfreut sich die Erforschung der Geschichte deutsch-amerikanischer evangelischer kirchlicher Beziehungen wachsendem Interesse in der Forschung. Nicht zuletzt hat der mittlerweile emeritierte Amerikahistoriker Hermann Wellenreuther als Herausgeber und Autor eine ganze Reihe von einschlägigen Forschungen publiziert.

Neben der konfessionellen Bindung war "das Problem des Wissenstransfers" (V) Mühlenbergs eigentliches Lebensthema. Dass er den Wissenstransfer meisterhaft beherrschte und er das konfessionelle Luthertum in dem Bundesstaat der USA Pennsylvania und weit darüber hinaus etablierte, dass er fast in einer Art kirchlicher Parallele zur traditionsvergewissernden Funktion der Pilgrimväter der Mayflower seit dem 19. Jahrhundert als der entscheidende Impulsgeber für die Etablierung des Luthertums in den USA galt und gilt, rechtfertigt, dass Wellenreuther mit dieser Publikation erstmals eine umfangreiche, wissenschaftliche Biografie Mühlenbergs vorgelegt hat.