You are here: Home / Reviews / Journals / sehepunkte / 16 (2016) / 01 / Il ginnasio greco
Social Media Buttons fb twitter twitter twitter
  • Metadata

    • Document type
      Review (monograph)
      Journal
      sehepunkte
      Author (Review)
      • Mathys, Marianne
      Language (Review)
      Deutsch
      Language (Monograph)
      Italiano
      Author (Monograph)
      • Trombetti, Catia
      Title
      Il ginnasio greco
      Subtitle
      Genesi, topografia e culti dei luoghi della paideia
      Year of publication
      2013
      Place of publication
      Oxford
      Publisher
      Archaeopress
      Series
      BAR International Series
      Series (vol.)
      2527
      Number of pages
      II, 283
      ISBN
      978-1-4073-1145-6
      Subject classification
      History of education, History
      Time classification
      until 499 AD → 999 - 1 BC
      Regional classification
      Ancient World → Greece / ancient
      Subject headings
      Griechenland <Altertum>
      Gymnasium
      Archäologische Stätte
      Geschichte 600 v. Chr.-1 v. Chr.
      Original source URL
      http://www.sehepunkte.de/2016/01/27437.html
      recensio.net-ID
      df2a1f64fee74f0bb76a31a6d7b594d7
      DOI
      10.15463/rec.1189737370
  • Citation rules

  • Terms of licence

    • This article may be downloaded and/or used within the private copying exemption. Any further use without permission of the rights owner shall be subject to legal licences (§§ 44a-63a UrhG / German Copyright Act).

Catia Trombetti: Il ginnasio greco. Genesi, topografia e culti dei luoghi della paideia (reviewed by Marianne Mathys)

sehepunkte 16 (2016), Nr. 1

Catia Trombetti: Il ginnasio greco

Catia Trombettis Buch ist die Publikation ihrer Dissertation, die sie 2010 an der Università degli Studi in Perugia bei Mario Torelli abgeschlossen hat. Das Vorwort wurde von Tonio Hölscher geschrieben, der die Arbeit während eines Studienaufenthaltes der Autorin 2008/09 an der Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg inhaltlich begleitet hat (i-ii). In der Einleitung entwickelt die Autorin einerseits anhand des Forschungsstandes ihre interdisziplinär angelegte Fragestellung, die religionsgeschichtliche, archäologische, anthropologische, urbanistische und architektonische Aspekte beinhalten soll (1-3). Andererseits stellt sie in diesem Kapitel ihre Vorgehensweise und Methode vor (3-5). Der umfassende Hauptteil der Arbeit sind die Kapitel I-IX (6-148), die katalogartig aufgebaut sind und die Gymnasia in den Poleis Zentralgriechenlands (Attika, Megaris, Peloponnes, Euböa, Böotien, Lokris, Phokis, Thessalien) und auf den Kykladen behandeln. Dabei wurde der Text zu den einzelnen Orten jeweils in einen Abschnitt zu den literarischen und epigrafischen Quellen sowie einem zweiten zum archäologischen Befund untergliedert. Auswertenden Charakter haben die Kapitel X (149-169) und XI (170f.). Daran schließt eine kurze Zusammenfassung in englischer Sprache an (173f.), gefolgt vom Tafelteil (175-219), in dem die Pläne und Abbildungen in schwarz-weiß bedauerlicherweise in mangelhafter Qualität abgedruckt sind. Beeindruckend ist die ausführliche und sorgfältig zusammengetragene Bibliografie (221-271). Abgeschlossen wird das Buch durch einen hilfreichen Index (273-283).

Die Autorin wählt für ihre diachron angelegte Studie eine globale Fragestellung und eine interdisziplinäre Herangehensweise (3), um dem griechischen Gymnasion als kulturhistorisches Phänomen gerecht zu werden. In Anbetracht der Tatsache, dass die letzte übergreifende Untersuchung zum griechischen Gymnasion von Jean Delorme aus dem Jahr 1960 stammt, ist dies ein dringendes Desiderat in der altertumswissenschaftlichen Forschung. [ 1 ] Dies zeigt auch die etwa gleichzeitig in Oxford entstandene bislang unpublizierte Dissertation von Stella Skaltsa, die sich ebenfalls mit dem Phänomen des griechischen Gymnasions im Spannungsfeld von gebautem und gedachtem Raum beschäftigt. [ 2 ] Zudem entspricht eine makrohistorische Analyse, welche nach größeren Zusammenhängen und Entwicklungen im Rahmen der antiken Urbanistik fragt, einem aktuellen Forschungstrend, der besonders die Institutionen der hellenistischen Städte - wie zum Beispiel die Agorai - in den Blick nimmt. [ 3 ] Ein phänomenologisches Forschungsvorhaben, in der naturräumliche Voraussetzungen, architektonische Ausgestaltung und soziale Interaktion komplementär untersucht werden soll, ist nur dann erfolgsversprechend, wenn alle zur Verfügung stehenden Quellen miteinbezogen werden - und dies wird von Catia Trombetti in ihrem Buch exemplarisch vorgeführt. Wie ein roter Faden zieht sich die Frage nach der Institution von Kult und Ritual im gymnasialen Kontext durch das Buch.

Im Rahmen der Abhandlung zum Gymnasion als Teil des städtischen Raumes (Kapitel X.1) zeigt die Autorin auf, wie es sich aus seiner peripheren Position entlang von Ausfallstraßen, Nekropolen oder an Flussläufen in spätarchaischer und klassischer Zeit zunehmend zu einem Zentrum innerhalb der Polis entwickelt, das in Konkurrenz zu den Agorai oder - für Athen - der Akropolis tritt (149-153). In Kapitel X.2 (153-159) nimmt Catia Trombetti religiöse Aspekte der griechischen Gymnasia in den Fokus, wobei sie das Zusammenspiel von Raum, Ritual und Gemeinschaftsorganisation als konzeptuellen gesellschaftlichen Formationsprozess ansieht. Auch hier liegt das Hauptaugenmerk auf den Befunden aus Athen, die als einzige eine ausreichende Dichte und Homogenität aufweisen. Spannend ist dabei der Einbezug des Totenkults (Lage bei den Nekropolen) bzw. des Heroenkults (Gräber im Gymnasion). In Kapitel X.3 macht die Autorin die Veränderungen während der hellenistischen Zeit sichtbar: So die Entwicklung des Gymnasions von einer extraurbanen Parkanlage zu einem multifunktionalen innerstädtischen Zentrum (160-163), die Institutionalisierung der Gymnasionsgottheiten Hermes und Herakles (163-165) sowie die Inbesitznahme des Gymnasions durch Standbilder von Dynasten, Euergeten und Bürgern (165-169). Die von der Autorin konstatierte Weiterentwicklung der visuellen Dominanz von Götter- und Athletenstatuen hin zu einer Übernahme des gymnasialen Raumes durch die Standbilder von Bürgern, ist für das von ihr herangezogene Beispiel des Gymnasions von Pergamon sicher richtig, lässt sich aber nicht ohne Weiteres verallgemeinern (166). Hier lohnt sich eine ergänzende Lektüre des vor kurzem erschienenen Buches von Natalia Kazakidi, die sich eingehend mit der Skulpturenausstattung der hellenistischen Gymnasia beschäftigt hat. [ 4 ]

Catia Trombetti leistet mit ihrem Buch, das auf einer breiten Materialbasis beruht, einen wichtigen Beitrag zu aktuellen Forschungsdiskussionen im Bereich der griechischen Stadtforschung. Dabei legt sie den Fokus auf den Paradigmenwechsel zur urbanistischen Einbettung und visuellen Ausgestaltung des Gymnasions, den sie für den Übergang von der klassischen zur hellenistischen Zeit deutlich herausarbeiten kann. Sinnvoll und der ganzen Untersuchungen die nötige Tiefe gebend ist, dass die Autorin den Gesichtspunkt der Religion- bzw. Kultausübung im gymnasialen Kontext immer wieder aufnimmt. Dank diesem Aspekt wird man von Catia Trombetti wie am "Faden der Ariadne" (3) durch das Labyrinth von möglichen Interpretationsansätzen geleitet.


Anmerkungen :

[ 1 ] Jean Delorme: Gymnasion. Études sur les monuments consacrés à l'éducation en Grèce (des origines à l'Empire romain), Paris 1960.

[ 2 ] Stella Skaltsa: Hellenistic Gymnasia: The Built Space and Social Dynamics of a Polis Institution, PhD Oxford 2008, unpubliziert.

[ 3 ] Barbara Sielhorst: Hellenistische Agorai. Gestaltung, Rezeption und Semantik eines urbanen Raumes (= Urban Spaces; Bd. 3), Berlin / München / Boston 2015.

[ 4 ] Natalia Kazakidi: Εἰκόνες ἐν γυμνασίῳ. Ὲργα γλυπτικής στὸ ελληνιστικό γυμνάσιο, Thessaloniki 2015.