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  • Metadata

    • Document type
      Review (monograph)
      Journal
      sehepunkte
      Author (Review)
      • Jahnke, Carsten
      Language (Review)
      Deutsch
      Language (Monograph)
      English
      Editor (Monograph)
      • Sylvester, Louise M.
      • Chambers, Mark C.
      • Owen-Crocker, Gale R.
      Title
      Medieval Dress and Textiles in Britain
      Subtitle
      A Multilingual Sourcebook
      Year of publication
      2014
      Place of publication
      Woodbridge
      Publisher
      Boydell & Brewer
      Series
      Medieval and Renaissance Clothing and Textiles
      Number of pages
      XII, 412
      ISBN
      978-1-84383-932-3
      Subject classification
      Social and Cultural History
      Time classification
      Middle Ages
      Regional classification
      Europe → Western Europe → Great Britain
      Subject headings
      Großbritannien
      Textilien
      Kleidung
      Quelle
      Geschichte 1000-1500
      Original source URL
      http://www.sehepunkte.de/2016/07/27516.html
      recensio.net-ID
      77bfdd44a307485c88de72b0df0a884c
      DOI
      10.15463/rec.116581335
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Louise M. Sylvester / Mark C. Chambers / Gale R. Owen-Crocker (eds.): Medieval Dress and Textiles in Britain. A Multilingual Sourcebook (reviewed by Carsten Jahnke)

sehepunkte 16 (2016), Nr. 7

Louise M. Sylvester / Mark C. Chambers / Gale R. Owen-Crocker (eds.): Medieval Dress and Textiles in Britain

Was geschieht, wenn sich die Grande Dame der angelsächsischen Textilgeschichte mit einer der führenden Lexikographinnen des englischen Mittelalters und einem mediävistischen Theaterwissenschaftler mit textilen Interessen zusammentut? Es entsteht eine Quellensammlung allerersten Ranges.

Gale Owen-Crocker, Professorin für Anglo-Saxon Culture an der Universität Manchester, eine, wenn nicht die führende Textilhistorikerin Europas, Louise M. Sylvester, Dozentin für englische Sprache an der Universität Westminster, und Mark Chambers, Post-Doctoral Research Associate an der Universität Durham, haben eine fast 350-seitige Auswahl mittelalterlicher englischer Texte vorgelegt, die sich in irgendeiner Form mit Textilien befassen. Zu dieser Auswahl gehören 47 Testamente vom 10. bis zum 15. Jahrhundert, fünf Rechnungsbücher (Accounts), vier Inventarlisten, darunter drei von St. Pauls in London, 17 moralisierende Werke, zehn Luxusverordnungen, neun Eingaben an das Parlament und 15 Auszüge aus mittelalterlichen Romanen und Chansons de Geste. Ergänzt werden diese Texte mit Einführungen zu den einzelnen Manuskripten und deren Entstehung, mit einer umfangreichen Bibliographie sowie - und vor allem - mit einem über vierzig Seiten langen Glossar mittelenglischer, lateinischer und anglo-französischer Textilbegriffe.

Die Texte selbst werden untadelig auf der einen Seite in der Originalsprache und parallel dazu mit einer englischen Übersetzung auf der gegenüberliegenden Seite wiedergegeben. Die meisten der ausgewählten Texte sind in der einen oder anderen Form schon einmal gedruckt worden, doch zumeist an entlegener Stelle und nicht in diesem Zusammenhang. Die Parlamentseingaben allerdings werden hier zum ersten Mal im Druck wiedergegeben. Die Textauswahl ist umfassend, sowohl chronologisch als auch inhaltlich. Gezeigt wird der Besitz von Tuchen und Stoffen, vor allem in der Form von Betten und Bettbezügen, die Verarbeitung und der Verbrauch von Stoffen, vor allem in Form von Abrechnungen, die demonstrative Nutzung von Tuchen als Teil des Sozialgefüges, so etwa in den Luxusverordnungen oder den Romanen, und der Handel mit Tuchen, von Hansekaufleuten aber auch Italienern. Die Texte geben so einen Querschnitt durch die schriftliche Darstellung des Tuchverbrauches im englischen Mittelalter, wobei nicht einmal alle Quellengattungen mitaufgenommen wurden. So fehlen z.B. die zahlreichen Hinweise auf Tuche, die die englischen Dramen bereitstellen (7), aber auch Marktverordnungen und Zunftregelungen sucht man vergebens.

Allerdings wird nicht immer deutlich, warum gerade diese und keine anderen Texte ausgewählt wurden. Hierzu gibt auch die Einleitung keine Auskunft. So wirkt die Auswahl eklektisch, zumal nicht alle Texte tiefergehende Hinweise auf Tuche enthalten. Bei einigen Texten weisen die Herausgeber auf zahlreiche technische Termini hin, die dieser oder jener Text vermittelt, andere zeigen Entwicklungen auf, so die nacheinander gedruckten Luxusverordnungen oder die Inventarverzeichnisse von St. Paul, bei einigen aber stehen Tuche weniger prominent im Mittelpunkt. Auch der Sinn der beigegebenen Abbildungen ist nur schwer zu erschließen. Einige der Abbildungen, so z.B. Nr. 2, der Beginn der Abrechnungen des Bogo de Clare aus dem Jahr 1285, sind so klein, dass sie nicht zu entziffern sind. Auch entsprechen nicht alle abgebildeten Ausschnitte den im Quellenteil präsentierten Texten. Hier wäre es weitaus sinnvoller gewesen, Abbildungen einiger in den Texten beschriebener Textilien beizugeben, um so das Verständnis dieser schwierigen Materie zu verbessern.

Abschließend sei noch auf das Glossar respektive das damit verbundene Register hingewiesen. Das Glossar leistet unverzichtbare Dienste, wenn man den einen oder anderen terminus technicus sucht. Hier haben die Herausgeber den Lesern einen unschätzbaren Dienst erwiesen. Andererseits scheint es nicht so günstig zu sein, das Glossar auch als alleiniges Register zu verwenden. So wird man grüne Stoffe durchaus unter dem Lemma 'grene' vermuten, dass man aber Pelze unter 'fur' aber auch unter 'grisio', 'eclaires' oder 'd'ermine' und an anderen Stellen suchen muss, erschwert die Nutzung des Bandes sehr. Hier wäre ein modernes und zusammenfassendes Register von großem Nutzen gewesen.

Trotz aller Kritik im Kleinen ist der vorliegende Band doch ein grandioser Durchgang durch die Textilerwähnungen in sechs Jahrhunderten. Die Herausgeber haben aus ihrem Fundus voll geschöpft und so der Textilforschung einen großen Dienst erwiesen. Noch nie sind so viele Textbelege für so viele Tuche und Tuchsorten so konzentriert an einem Ort verfügbar gewesen. Allein hierfür - und vor allem hierfür - gebührt den Herausgebern ein großer Dank. Es steht nun zu hoffen, dass die angelsächsischen Quellen bald auch durch französische und mittelhoch- und niederdeutsche Quellentexte ergänzt werden, um so zumindest einen Überblick über die nordeuropäischen Entwicklungen zu gewinnen.