You are here: Home / Reviews / Journals / sehepunkte / 16 (2016) / 09 / Documentary Sources in Ancient Near Eastern and Greco-Roman Economic History
Social Media Buttons fb twitter twitter twitter
  • Metadata

    • Document type
      Review (monograph)
      Journal
      sehepunkte
      Author (Review)
      • Ruffing, Kai
      Language (Review)
      Deutsch
      Language (Monograph)
      English
      Editor (Monograph)
      • Baker, Heather B.
      • Jursa, Michael
      Title
      Documentary Sources in Ancient Near Eastern and Greco-Roman Economic History
      Subtitle
      Methodology and Practice
      Year of publication
      2014
      Place of publication
      Oxford
      Publisher
      Oxbow Books
      Number of pages
      VI, 338
      ISBN
      978-1-78297-758-2
      Subject classification
      Economic History
      Time classification
      until 499 AD
      Regional classification
      Ancient World
      Subject headings
      Griechenland <Altertum>
      Alter Orient
      Römisches Reich
      Wirtschaft
      Kongress
      Wien <2008>
      Original source URL
      http://www.sehepunkte.de/2016/09/26843.html
      recensio.net-ID
      ec426704c51341a7be024a1cebbbad0e
      DOI
      10.15463/rec.2022588856
  • Citation rules

  • Terms of licence

    • This article may be downloaded and/or used within the private copying exemption. Any further use without permission of the rights owner shall be subject to legal licences (§§ 44a-63a UrhG / German Copyright Act).

Heather B. Baker / Michael Jursa (eds.): Documentary Sources in Ancient Near Eastern and Greco-Roman Economic History. Methodology and Practice (reviewed by Kai Ruffing)

sehepunkte 16 (2016), Nr. 9

Heather B. Baker / Michael Jursa (eds.): Documentary Sources in Ancient Near Eastern and Greco-Roman Economic History

Während in den 80er und 90er Jahren in der primitivistisch orientierten Forschung die Grundannahme vorherrschend war, dokumentarische Quellen könnten nur wenig zur Erforschung der antiken Wirtschaftsgeschichte beitragen, hat die gegenwärtige Forschung ohne jeden Zweifel die Wichtigkeit derselben erwiesen, wie insbesondere das "Oxford Roman Economy Project" für die Wirtschaft des Imperium Romanum sowie die Arbeiten von Michael Jursa für diejenige Mesopotamiens gezeigt haben. [ 1 ] So beruhten denn auch die von Finley und anderen formulierten Positionen zur antiken Wirtschaft weitgehend auf der Analyse literarischer Texte, deren literarische Gebundenheit, Intentionalität und Normativität für ihr Publikum bei der Auswertung keine Rolle oder doch nur eine untergeordnete Rolle spielten. [ 2 ]

Auch der hier im Mittelpunkt des Interesses stehende Sammelband demonstriert auf das Trefflichste den hohen Wert dokumentarischer Quellen für die antike Wirtschaftsgeschichte, und zwar sowohl für die Wirtschaft der römischen Welt als auch für die Ökonomie Altvorderasiens. Wie Michael Jursa in seiner Einleitung ausführt (1-6), ist es ein Kernanliegen der versammelten Beiträge, die Frage der Vergleichbarkeit der Ergebnisse von auf dokumentarischen Quellen der griechisch-römischen Welt bzw. denen des Alten Orients beruhenden Untersuchungen auszuloten; in Verbindung damit wird auf die Vergleichbarkeit der ökonomischen Systeme beider Welten eingegangen, die im Gefolge Finleys ebenfalls bezweifelt wurde (2-3; siehe insbesondere auch Michael Jursa, Economic Development in Babylonia from the Late 7th to the late 4th Century BC: Economic Growth and Economic Crises in Imperial Contexts, 113-138, hier 114-115).

Das chronologische Spektrum der Beiträge reicht von der altbabylonischen Zeit (Dominique Charpin, The Historian and the Old Babylonian Archives, 24-58) bis in die Spätantike (Sven Tost, On Payment Transactions and Monetisation in the Rural Region of Late Antique Egypt: the Case Study of Small-Format Documents, 187-206). Von insgesamt dreizehn Aufsätzen sind fünf der griechisch-römischen Welt gewidmet. Die Beiträge weisen eine große thematische Vielfalt auf, zeigen aber alle sehr deutlich den Wert der dokumentarischen Quellen für strukturgeschichtliche Analysen ebenso auf wie die Tatsache, dass der alte Orient jedenfalls seinen Platz in der antiken Wirtschaftsgeschichte hat.

Besonderes Interesse verdienen aus der Sicht des Rezensenten drei Beiträge, die die Entwicklung der Preise für Getreide im 3.-1. Jahrhundert v. Chr. in Babylonien (Rodbertus J. van der Spek, The Volatility of Prices of Barley and Dates in Babylon in the Third and Second Centuries BC, 234-259), im ptolemäischen Ägypten (Sitta von Reden, Wheat Prices in Ptolemaic Egypt, 260-288) [ 3 ] und in der mediterranen Welt (Dominic Rathbone, Mediterranean Grain Prices c. 300 to 31 BC: the Impact of Rome, 289-312) behandeln, deren Ergebnisse von Dominic Rathbone in einem weiteren Aufsatz zusammengefasst werden (Mediterranean and Near Eastern Grain Prices c. 300 to 31 BC: Some Preliminary Conclusions, 313-320). Mit diesen Beiträgen wird in Bezug auf die Getreidepreise auf deutlich breiterer Materialgrundlage und dem heutigen theoretischen sowie methodischen Niveau ein Forschungsanliegen wiederaufgenommen, das zuletzt von Fritz Moritz Heichelheim Ende der 20er Jahre des letzten Jahrhunderts verfolgt wurde. [ 4 ] Rathbone gelangt hinsichtlich der Getreidepreise zu bemerkenswerten Schlussfolgerungen. Ein wichtiges Ergebnis ist die Feststellung der langfristigen Stabilität der Getreidepreise in den jeweiligen Regionen, die freilich kurzfristig etwa durch schlechte Ernten oder durch größere Militäraktionen nach oben getrieben wurden, wie sich sowohl anhand der babylonischen als auch der römischen Preise zeigt (318). Ferner lässt sich auf der Grundlage der Normalpreise für Getreide eine geringe Marktintegration zwischen Babylonien, Ägypten sowie der griechischen und römischen Welt zeigen (319). Besondere Beachtung verdient die Tatsache, dass sich sowohl für die römische Welt als auch Ägypten und Babylonien im zweiten vorchristlichen Jahrhundert eine Krise der Wirtschaft feststellen lässt, deren Ursache nur schwer zu eruieren ist und Rathbones Überlegungen zufolge durch Naturkatastrophen, soziale Unruhen oder auch die innerrömischen Entwicklungen in Gestalt des Getreidebedarfs seiner Legionen und der Instituierung der frumentatio bedingt gewesen sein mag (320).

Mit dem hier angezeigten Band haben die Herausgeberin und der Herausgeber ihre Ziele auf das Trefflichste verwirklicht. Die Beiträge demonstrieren den hohen, eigentümlichen Wert der dokumentarischen Quellen für die antike Wirtschafts- und Sozialgeschichte wie auch im Besonderen denjenigen von vergleichenden Untersuchungen, die sich der klassischen Mittelmeerwelt und Altvorderasien widmen.

Anmerkungen:

[ 1 ] Siehe den Überblick über das OXREP unter http://www.romaneconomy.ox.ac.uk (09.08.16) sowie stellvertretend Michael Jursa with contributions by J. Hackl, B. Janković, K. Kleber, E.E. Payne, C. Waerzeggers and M. Weszeli: Aspects of the Economic History of Babylonia in the First Millennium BC. Economic Geography, Economic Mentalities, Agriculture, the Use of Money and the Problem of Economic Growth, Münster 2010 (Veröffentlichungen zur Wirtschaftsgeschichte Babyloniens im 1. Jahrtausend v. Chr.; Band 4. AOAT Bd. 377).

[ 2 ] Vgl. Kai Ruffing: Von der primitivistischen Orthodoxie zum römischen Basar. Die Wirtschaft des Römischen Reiches in der Forschung ausgehenden 20. und des beginnenden 21. Jahrhunderts, in: Renate Lafer / Karl Strobel (Hrsg.): Antike Lebenswelten. Althistorische und papyrologische Forschungen, Berlin-Boston 2015, 3-27, hier 4.

[ 3 ] Die Verfasserin weist darauf hin, dass sich eine frühere Version des Beitrags in Sitta von Reden: Money in Classical Antiquity, Cambridge 2010 (Key Themes in Ancient History), 141-155 mit der Appendix der Weizenpreise in der hellenistischen Welt 199-205 befindet.

[ 4 ] Fritz Moritz Heichelheim: Wirtschaftliche Schwankungen in der Zeit von Alexander bis Augustus, Jena 1930 (Beiträge zur Erforschung der wirtschaftlichen Wechsellagen Aufschwung, Krise, Stockung; 3).