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  • Metadata

    • Document type
      Review (monograph)
      Journal
      sehepunkte
      Author (Review)
      • Zwick, Elisabeth
      Language (Review)
      Deutsch
      Language (Monograph)
      Deutsch
      Author (Monograph)
      • Aebi, Sara
      Title
      Mädchenerziehung und Mission
      Subtitle
      Die Töchterpension der Herrnhuter Brüdergemeine in Montmirail im 18. Jahrhundert
      Year of publication
      2016
      Place of publication
      Köln
      Publisher
      Böhlau
      Series
      Beiträge zur Historischen Bildungsforschung
      Series (vol.)
      48
      Number of pages
      426
      ISBN
      978-3-412-50358-1
      Subject classification
      History of education, Gender Studies
      Time classification
      Modern age until 1900 → 18th century
      Regional classification
      Europe → Western Europe → Switzerland
      Subject headings
      Schweiz
      Erziehung
      Mädchen
      Geschichte 1774-1799
      Evangelische Brüder-Unität
      Töchterpension
      Original source URL
      http://www.sehepunkte.de/2016/09/28883.html
      recensio.net-ID
      242484630d33426ab49e40c5fdb9f5b7
      DOI
      10.15463/rec.2022588773
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Sara Aebi: Mädchenerziehung und Mission. Die Töchterpension der Herrnhuter Brüdergemeine in Montmirail im 18. Jahrhundert (reviewed by Elisabeth Zwick)

sehepunkte 16 (2016), Nr. 9

Sara Aebi: Mädchenerziehung und Mission

Im ausgehenden 18. Jahrhundert entstanden in der deutschsprachigen Schweiz mehrere Schulen, die Mädchen eine weiterführende Bildung anboten. Durch ihre Ausrichtung an dem bürgerlichen Bildungsziel, wonach Mädchen auf ihre zukünftige Rolle als Gattin und Mutter vorzubereiten seien, stand dabei für die 1774 eröffnete Töchterschule in Zürich wie auch für die sich daran orientierenden Schulen in Basel und Aarau ein dementsprechend konzipierter Bildungsplan im Mittelpunkt. Obwohl sich die Töchterpension in Montmirail auch in diesen Rahmen einordnen lässt, zeigt sie aber auch deutliche Unterschiede: Da sich diese Töchterpension weniger an den aus der Vernetzung von Aufklärung und Bürgertum erwachsenen Idealen, sondern vor allem am Pietismus orientierte, entwickelte sich eine eigene Schwerpunktsetzung: Zentral war nicht allein die Erziehung zu guten Gattinnen, guten Hausfrauen und guten Müttern, sondern weit mehr die Erziehung der Seelen. Wenngleich die Fragen, ob und wenn ja, in welcher Weise die religiöse Grundhaltung die pädagogischen Anschauungen beeinflusste und ob und wenn ja, in welcher Weise daraus eigene Strukturen und Ziele resultierten, sowohl mentalitäts- als auch sozialgeschichtlich von grundlegendem Interesse sind, wurden sie bis dato noch nicht weiter verfolgt. Dieses Forschungsdefizit greift Sara Aebi in ihrer an der Universität Bern eingereichten Dissertation auf und bearbeitet es, das sei vorab angemerkt, mit einer sowohl im historischen Material als auch in der einschlägigen Literatur gut abgestützten und in sich schlüssigen Argumentation.

Zur Verortung ihrer Thematik konkretisiert Aebi zunächst den Rahmen, innerhalb dessen die von ihr untersuchte Töchterpension in Montmirail zu verorten ist. Neben einer allgemeineren Einführung in Grundlagen, Entwicklungen und Ansätze der Herrnhuter Brüdergemeine in der Schweiz gibt Aebi zunächst einen Einblick in deren Verständnis von Kindheit und Erziehung. Dass sie sich dabei auf die Anschauungen im 18. Jahrhundert konzentriert, ist sachlich bedingt sowie begründet und damit ebenso gerechtfertigt wie die Fokussierung dieses Jahrhunderts in den sich anschließenden Darlegungen der Mädchenbildung in der Schweiz anhand ausgewählter Schulprofile. Diese Kontextanalyse bildet wiederum den Hintergrund, auf dem Aebi sich anschließend ihrem eigentlichen Forschungsgegenstand, der Töchterpension in Montmirail, zuwendet. Mittels fundierter Quellenanalyse werden zunächst mentalitäts- und sozialgeschichtlich interessante Ergebnisse gewonnen: Durch die Eruierung der Intentionen, die der Gründung und Konzeptionalisierung dieser Töchterpension zugrunde lagen, werden zum einen die Konkretisierungen religiöser Vorstellungen deutlich, durch die Analyse der Aufnahmemodalitäten wird zum anderen ein Einblick in die Sozialstruktur der Töchterpension ermöglicht. Wird damit der mentale und soziale Rahmens der Töchterpension verdeutlicht, so eröffnen die nachfolgenden Analysen des Schulbetriebs, des Bildungsangebots und des Lehrplans wiederum Einblicke in die interne Struktur und in mit der Etablierung der Einrichtung verbundene Ziele.

Insgesamt betrachtet ist zunächst auf methodischer Ebene festzuhalten, dass Aebi neue Quellen erschließt und sich methodisch versiert deren Analyse zuwendet. Dadurch, dass auch mit der Eigenstruktur der Quellen verbundene Grenzen berücksichtigt werden, werden schlussfolgernde Interpretationen methodisch und sachlich adäquat gezogen. Auf inhaltlicher Ebene greift die Studie wiederum ein bis dato noch nicht untersuchtes Forschungsfeld auf. So kann die Töchterpension in Montmirail in Folge des raschen Wachstums, das sie ab ihrer Gründung im Jahr 1766 verzeichnen konnte, durchaus als ein Erfolgsmodell bezeichnet werden. Dennoch wurde der Frage, warum sie sich zu einem Erfolgsmodell entwickeln konnte, bisher noch nicht nachgegangen. Durch die Rück- und Einbindung in größere Kontexte, vor allem in die Mädchenbildung in der Schweiz des 18. Jahrhunderts überschreitet die Studie zudem auch die Grenzen einer rein institutionengebundenen Untersuchung. Mittels der am Beispiel der Töchterpension in Montmirail eruierten Facetten der Konkretisierung von in der Aufklärung und im Pietismus verwurzelten Anschauungen gelingt es der Autorin zugleich, die Relevanz der beiden Pole zu verdeutlichen, aus deren Verhältnisbestimmung die moderne Pädagogik entstand. Mit der Frage, in welchen Formen sich das Verhältnis von Aufklärung und Pietismus konkretisierte, eröffnet die Studie auch neue Forschungsfelder.

Anzumerken ist aber, dass das gezogene Resümee letztlich in einer Zusammenfassung der erarbeiteten Aspekte besteht und damit der Gesamtertrag geschmälert wird. Obwohl, um Beispiele zu nennen, Vernetzungen zu Rousseau (vgl. 62-68) oder auch Verortungen der Gewichtung physiognomischer Eigenschaften in zeitgenössischen Diskussionen (vgl. 141f.) thematisiert werden, geraten diese größeren Kontexte letztlich etwas aus dem Blick, wodurch das in der Studie vorhandene Potential nicht vollends ausgeschöpft wird.