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  • Metadata

    • Document type
      Review (monograph)
      Journal
      sehepunkte
      Author (Review)
      • Scholz, Luca
      Language (Review)
      Deutsch
      Language (Monograph)
      Deutsch
      Author (Monograph)
      • Straube, Manfred
      Title
      Geleitswesen und Warenverkehr im thüringisch-sächsischen Raum zu Beginn der Frühen Neuzeit
      Year of publication
      2015
      Place of publication
      Köln / Weimar / Wien
      Publisher
      Böhlau
      Series
      Veröffentlichungen der Historischen Kommission für Thüringen. Kleine Reihe
      Series (vol.)
      42
      Number of pages
      1092
      ISBN
      978-3-412-22343-4
      Subject classification
      Economic History
      Time classification
      Middle Ages → 15th century, Modern age until 1900 → 16th century
      Regional classification
      Europe → Western Europe → Germany
      Subject headings
      Thüringen
      Handel <Motiv>
      Handelsstraße
      Warenverkehr
      Sachsen
      Geschichte 1400-1550
      Original source URL
      http://www.sehepunkte.de/2016/11/28078.html
      recensio.net-ID
      3633885ced2f42ed8a59541d48c36eea
      DOI
      10.15463/rec.778107451
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Manfred Straube: Geleitswesen und Warenverkehr im thüringisch-sächsischen Raum zu Beginn der Frühen Neuzeit (reviewed by Luca Scholz)

sehepunkte 16 (2016), Nr. 11

Manfred Straube: Geleitswesen und Warenverkehr im thüringisch-sächsischen Raum zu Beginn der Frühen Neuzeit

Der anzuzeigende Band ist die überarbeitete und ergänzte Fassung einer 1981 in Leipzig verteidigten Habilitationsschrift über den überregionalen und regionalen Warenverkehr im Sachsen und Thüringen des frühen 16. Jahrhunderts. Der Verfasser untersucht Art und Umfang der transportierten Waren, Straßenverläufe, die Transportfrequenzen, Belastungen des Warenverkehrs, die Transportorganisation sowie die Bedeutung der großen Märkte und Messen. Dafür wertete er eine große Menge weitgehend unerschlossener Quellen aus 16 Archiven aus. Der größte Teil des konsultierten Materials stammt aus den Staatsarchiven in Weimar, Dresden, Magdeburg sowie dem Stadtarchiv Leipzig.

Neben der Einleitung mit einer Übersicht über die handelsgeschichtlichen Debatten der 1970er-Jahre, aus denen die zentralen Fragestellungen abgeleitet werden, stellt das erste Kapitel mit seiner Übersicht über das Geleitwesen im betrachteten Raum eine wichtige Syntheseleistung dar. "Geleit" meint hier vor allem die Abgabenerhebung auf Handelsgüter. Die vielen übrigen Erscheinungsformen des Geleits bleiben im restlichen Teil des Buches unberücksichtigt. In den folgenden fünf Kapiteln beschreibt der Verfasser detailliert die Haupthandelsstraßen und Transportfrequenzen im Einzugsbereich von Erfurt, Naumburg, Leipzig, an der via imperii sowie entlang der Elbe. Dieser Teil des Buches ist vor allem wegen der Fülle der Informationen über die Einnahmen der Geleitstationen, die Art und Menge der transportierten Güter sowie der Bedeutung einzelner Straßen und Routen interessant. Da die Kapitel und Unterkapitel nach Orten und nicht entlang spezifischer Fragestellungen organisiert sind, kann man sie als eine Art Nachschlagewerk gebrauchen, um die Verhältnisse entlang bestimmter Routen nachzuvollziehen. Eine Zusammenfassung am Ende des ersten Teils präsentiert die Ergebnisse in thesenartiger Form.

Der umfangreiche Anhang macht mehr als die zweite Hälfte des Buches und auch einen nicht geringen Teil seines Werts für die historische Forschung aus. Hier findet man Quellenauszüge, Transportfrequenzen, Einnahmenverzeichnisse verschiedener Ämter sowie detaillierte Gebührentafeln (Geleitsordnungen) von 100 Orten. Ein Ortsregister sowie zwei schematische Straßenkarten um Erfurt und Leipzig runden die Monografie ab. Die einzigartige Fülle des ausgewerteten Materials bietet viele Möglichkeiten für zukünftige Auswertungen unter neuen Fragestellungen und mit unterschiedlichen Instrumentarien.

Die Ergebnisse von Straubes Studie sind vielfältig. Zunächst bestätigen sich frühere Erkenntnisse wie jene über die Ablösung des "mittelalterlichen" Nord-Süd-Handels durch einen zunehmenden Warenverkehr in Ost-West-Richtung. Die Geleitrechnungen verdeutlichen den hohen Stand der überregionalen Arbeitsteilung. Es findet sich so gut wie kein Produkt, stellt Straube fest, das nicht auch über große Entfernungen gehandelt wurde. Auch der Verlauf der Landwege, ihre Bedeutung gegenüber dem Seeweg und ihr Beitrag zum Aufschwung der großen Märkte bzw. Messen werden rekonstruiert. Straubes Hinweis auf die zentrale Rolle der Fuhrleute ist vor allem in Hinblick auf zukünftige Forschungen anregend. Insgesamt konstatiert Straube, dass die Grundlagen frühkapitalistischen Wirtschaftens, die Konzentration von Handelskapital und eine leistungsfähige Logistik im untersuchten Raum deutlich ausgeprägter Waren, als lange angenommen.

Dem Rezensenten scheinen Straubes Einsichten zum Verhältnis von Staatlichkeit und überregionalem Warenhandel ebenfalls bedeutend. Straube verwirft ältere Einschätzungen, denen gemäß frühneuzeitliche Territorialstaaten den überregionalen Warenverkehr ernsthaft behinderten. Während er bestätigt, dass einzelne Warengruppen sich durchaus verteuern konnten, schließt er aus, dass die staatlichen Gebilde des 16. Jahrhunderts den überregionalen Handel ernsthaft einschränken konnten. Es wäre freilich interessant, diese These in einem größeren zeitlichen und räumlichen Rahmen zu prüfen. Auch die Frage, wie sich obrigkeitliche Eingriffe in den Warenverkehr jenseits des Preisniveaus auswirkten, wäre lohnend.

Straube zeigt mit seinem Werk beispielhafte historische Handwerksarbeit. Er hat freilich kein Buch verfasst, das viele Leser verführen oder die Grenzen der Disziplin sprengen würde. Aber es ist selten, dass zwischen der Niederschrift und der Publikation einer Arbeit über vierzig Jahre vergehen. Dass die Schrift auch heute noch mit Gewinn gelesen werden kann, ist dem stillen Heroismus eines Historikers im Archiv zu verdanken.