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  • Métadonnées

    • Type de document
      Recension (monographie)
      Revue
      sehepunkte
      Auteur (recension)
      • Reichert, Folker
      Langue (recension)
      Deutsch
      Langue (monographie)
      Italiano
      Auteur (monographie)
      • Caputo, Gianluca
      Titre
      L'aurora del Giappone tra mito e storiografia
      Sous-titre
      Nascita ed evoluzione dell'alterità nipponica nella cultura italiana, 1300–1600
      Année de publication
      2016
      Lieu de publication
      Florenz
      Maison d'édition
      Leo S. Olschki
      Collection
      Biblioteca dell' "Archivum Romanicum". Serie I: Storia, Lettaratura, Paleografia
      Volume
      455
      Nombre de pages
      XX, 352
      ISBN
      978-88-222-6463-3
      Thème
      Histoire générale
      Période
      Moyen Âge, Époque moderne jusqu'à 1900 → XVIe siècle
      Espace
      Europe → Europe du Sud → Italie, Asie → Japon
      Mots-clés
      Italien
      Japanbild
      Geschichte 1300-1600
      URL de référence
      http://www.sehepunkte.de/2017/11/29888.html
      ID-recensio.net
      90f9d41da0404dcaadc2df7e2103aa2f
      label_doi
      10.15463/rec.1003877618
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Gianluca Caputo: L'aurora del Giappone tra mito e storiografia. Nascita ed evoluzione dell'alterità nipponica nella cultura italiana, 1300–1600 (compte rendu de Folker Reichert)

sehepunkte 17 (2017), Nr. 11

Gianluca Caputo: L'aurora del Giappone tra mito e Storiografia

Der Titel des Buches könnte missverstanden werden. Es handelt nicht von Japan und schon gar nicht von dessen "Morgenröte", die bekanntlich viel früher anbrach. Vielmehr geht es dem Verfasser um den Mythos der Goldinsel Cipangu, dessen Entstehung im späten Mittelalter, seine Bedeutung für die Kultur der Renaissance in Italien und schließlich seine Verwandlung in einen Teil des frühneuzeitlichen europäischen Weltbilds: Cipangu wurde zu Japan, blieb aber ein entlegenes Eiland am fernen Rand der Welt, der italienischen Kultur geradezu entgegengesetzt. Die dort vorzufindenden Lebensverhältnisse werden in allen hier behandelten Texten als sehr, wenn nicht äußerst fremdartig beschrieben. Der portugiesische Missionar Luís Fróis verschaffte sich davon sogar einen quantitativen Eindruck, indem er listenartig mehr als 600 "Kulturgegensätze" zwischen Europa und Japan zusammenstellte. Die von Caputo gebrauchte Formel einer "japanischen Alterität" ("alterità nipponica") kann daran anknüpfen.

Am Anfang war Marco Polo. Von ihm stammt die erste Beschreibung der Insel Cipangu, ihrer hellhäutigen Einwohner, sagenhaften Reichtümer und goldenen Paläste, alles dessen also, was sie für drei Jahrhunderte zu einem mythischen Ort, einem "Eldorado nipponico" (36), werden ließ. Von den verschiedenen Versionen des Textes (Caputo spricht deshalb von "Milioni" und sieht darüber hinweg, dass nur die toskanische Fassung diesen Titel trug) hatte zweifellos die lateinische Übersetzung des Dominikaners Francesco Pipino den größten Einfluss. Die lange Passage über die insula Cyampagu bildet den Ausgangspunkt der Wirkungsgeschichte, die der Verfasser minutiös verfolgt. Wie schillernd sie ausfiel, lässt sich an kartographischen Zeugnissen einerseits (etwa Benedetto Bordones "Isolario"), an literarischen andererseits (Ludovico Ariostos "Orlando furioso") zeigen.

Das zweite Kapitel springt in die Mitte des 16. Jahrhunderts. Der Fokus bleibt zunächst auf Marco Polo gerichtet, nun aber in der Gestalt, die der venezianische Gelehrte und Staatsdiener Giovan Battista Ramusio dem Text in seiner berühmten Sammlung von Reiseberichten gab. Da aber wenige Jahre zuvor die ersten Europäer an Japans südlicher Küste gestrandet waren und bald auch Francisco de Xavier von den angeblich so glänzenden Aussichten der christlichen Mission berichten konnte, kam es, dass in Ramusios Sammlung Marco Polos "Cipangu" und das "Japan" der Jesuiten nebeneinander zu stehen kamen. Caputo spricht von Cipangus "Abschied" und von Japans "globalem Debüt" (127). Das trifft nicht ganz zu (in Portugal wusste man schon vierzig Jahre vorher Bescheid), bringt aber den Ablösungsprozess in Venedigs gelehrten Kreisen auf den Punkt. Wiederum liefert die Kartographie (Giacomo Gastaldi) dafür die anschaulichsten Beispiele.

Kapitel 3 und 4 gehen den Wirkungen von Xaviers Briefberichten in Italien nach. Sie behandeln deren Druckgeschichte, das dadurch verbreitete Bild von Japan und die theologischen bzw. kirchlichen Debatten, die sich daran knüpften. Cipangu spielte kaum noch eine Rolle. Als schließlich im Jahr 1585 eine erste japanische "Gesandtschaft" (in Wirklichkeit eine Reisegruppe von vier jungen Männern, die für die Jesuitenmission in Japan werben sollte) zuerst Portugal und Spanien, dann Rom, Genua und Venedig besuchte, wurde das mittlerweile vorhandene Wissen durch den Augenschein ergänzt. Gerade in Italien war das Echo immens.

Noch mehr und vor allem gründlichere Anschauung liegt den "Ragionamenti" des Florentiner Kaufmanns Francesco Carletti zugrunde, der sich zu Ende des 16. Jahrhunderts ein knappes Jahr in Japan aufhielt und das Land zu Beginn der lange anhaltenden Christenverfolgungen erlebte. Ihm ist das abschließende fünfte Kapitel gewidmet. Caputo betrachtet Carletti als für seine Zeit singulären Fall, weil es ihm gelungen sei, sich von der Sichtweise der Missionare zu lösen und einen eigenen, wohlbedachten Standpunkt einzunehmen, der auf Reziprozität der Beziehungen und das Selbstbestimmungsrecht der Völker hinauslief. Caputos Urteil über Carletti schlägt einen weiten Bogen bis in das 20. Jahrhundert hinein.

Das Buch ist von einem Literaturwissenschaftler geschrieben und gebraucht die entsprechenden Begriffe. Der Historiker muss sich an sie gewöhnen, auch an die anspruchsvolle, zuweilen preziöse Sprache des Verfassers. Er mag das eine oder andere vermissen, etwa eine noch dichtere Beschreibung des kartographischen Diskurses. Immerhin wurde Cipangu einmal als "shuttle cock", als "Zankapfel" der Kartographen, bezeichnet (Lawrence C. Wroth). Mehrere Generationen haben um seine Identität und Lage gestritten. Man mag auch bedauern, dass fast ausschließlich die italienische und die englischsprachige Forschung herangezogen wurden, und man mag daran erinnern, dass die Kultur der Renaissance in Italien immer auch der deutschen Geschichtswissenschaft ein Anliegen war. Doch die Klage ist müßig. Schon der Überblick über den Gehalt des Buchs zeigt, wie viele und wie weitreichende Sachverhalte es behandelt, vom Reichtum der illustrativen Details ganz zu schweigen. Leider lässt es sich nicht zur punktuellen Recherche nutzen. Denn ein Register fehlt.

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