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  • Metadata

    • Document type
      Review (monograph)
      Journal
      sehepunkte
      Author (Review)
      • Nyborg, Ebbe
      Language (Review)
      Deutsch
      Language (Monograph)
      Deutsch
      Editor (Monograph)
      • Bünsche, Bernd
      • Nürnberger, Ulrike
      • Richter, Jan Friedrich
      Title
      Corpus der mittelalterlichen Holzskulptur und Tafelmalerei in Schleswig-Holstein
      Subtitle
      3: Stiftung Schleswig-Holsteinische Landesmuseen auf Schloss Gottorf, Schleswig
      Year of publication
      2017
      Place of publication
      Kiel
      Publisher
      Verlag Ludwig
      Number of pages
      360
      ISBN
      978-3-86935-213-8
      Subject classification
      Art History
      Time classification
      Middle Ages
      Regional classification
      Europe → Western Europe → Germany
      Subject headings
      Schleswig-Holstein
      Holzplastik
      Malerei
      Geschichte 500-1500
      Original source URL
      http://www.sehepunkte.de/2018/03/31564.html
      recensio.net-ID
      16fc0bf5236c4c67b630bd8415450463
      DOI
      10.15463/rec.270625348
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Bernd Bünsche / Ulrike Nürnberger / Jan Friedrich Richter (eds.): Corpus der mittelalterlichen Holzskulptur und Tafelmalerei in Schleswig-Holstein. 3: Stiftung Schleswig-Holsteinische Landesmuseen auf Schloss Gottorf, Schleswig (reviewed by Ebbe Nyborg)

sehepunkte 18 (2018), Nr. 3

Bernd Bünsche / Ulrike Nürnberger / Jan Friedrich Richter (Bearb.): Corpus der mittelalterlichen Holzskulptur und Tafelmalerei in Schleswig-Holstein

Bei dem vorliegenden Werk handelt es sich um eine hervorragende Materialsammlung. Der Band ist der dritte Teil eines auf fünf Bände angelegten Corpuswerkes der mittelalterlichen Holzskulptur und Tafelmalerei - hauptsächlich Altarfiguren, Altarretabel und Kruzifixe - in Schleswig-Holstein und Lübeck. Die beiden ersten, 2009 sowie 2013 erschienenen Bände befassten sich mit Lübeck, der jetzt vorliegende mit der Sammlung des Landesmuseums für Kunst- und Kulturgeschichte Schloss Gottorf. Die beiden folgenden Bände sollen Süd- und Nordschleswig abdecken.

Die Bestände auf Schloss Gottorf gehen zurück auf die Privatsammlung des Kieler Universitätsprofessors Gustav Ferdinand Thaulow (1817-83). Er erwarb historisches Kircheninventar und profane Einrichtungsgegenstände aus der gesamten, damals preußischen, Provinz Schleswig-Holstein einschließlich des seit 1920 dänischen Nordschleswig.

Der Band wird eingeleitet mit einer kenntnisreichen Darstellung der Sammlungs- und Restaurierungsgeschichte des Museums, geschrieben vom Konservator des Museums, Bernd Bünsche. Darauf folgen der Katalog mit 130 chronologisch geordneten Werken, ein Glossar der verwendeten Fachwörter, das Literaturverzeichnis (ergänzt durch eine Auflistung der unveröffentlichten Restaurierungsberichte), eine Konkordanz der deutschen und dänischen Ortsnamen, ein ikonografisches Register sowie Orts, Personen- und Sachregister. Dieser Apparat ist beispielhaft. Lobenswert ist es, dass hier eine deutschsprachige Publikation vorliegt, die auch alle relevante skandinavische Literatur einbezieht, wenn auch ab und zu Schwierigkeiten mit der Dezifrierung vorkommen.

Die Sammlung ist umfassend und qualitätsvoll, und sie lässt sich im Hinblick auf die jüngeren Objekte sogar mit der Sammlung des Nationalmuseums in Kopenhagen vergleichen. Das mag daran liegen, dass die Kirchen in diesen Herzogtümern und speziell in Schleswig aufgrund ihrer konservativen Haltung auf ausrangiertes mittelalterliches Inventar achteten und dieses auf dem Dachboden der Kirchen lagerten. Zu verdanken ist dies außerdem Thaulow und weiteren preußischen Beamten, die schon früh die mittelalterliche Kunst, deren Erhalt bis um 1900 stark gefährdet war, bewahrten und pflegten.

Einige der Werke: Das Antependium von Egvad (Nordschleswig, um 1225-50), das eine Rolle in der Diskussion um die frühen nordischen Hochaltäre spielt; die Triumphkreuzgruppe aus Kosel (Südschleswig, um 1250-60); das Retabel aus Landkirchen (Fehmarn, um 1370); das Marienretabel aus Schwabstedt (Südschleswig, um 1440); zwei Reliefs aus einem Kreuzigungsretabel in Vonsbæk (Nordschleswig, um 1500-1510) und der drastisch ausgemergelte Gekreuzigte von Heiligenhafen (Holstein, um 1530), der beinahe Darstellungen des gebürtigen Lübeckers Claus Berg an Expressivität übertrifft.

Die Einführung in jeden Katalogbeitrag ist gründlich, ja kann fast zu ausführlich sein. Im Unterschied zu vielen älteren Katalogwerken ist eine tiefgehende Einbeziehung der Techniken in klar gegliederten Abschnitten über Konstruktion, Dekor und Maltechnik eingeschlossen. Die Verfasser können hier auf Fortschritte zurückgreifen, die die Forschung durch die zuletzt praktizierte Zusammenarbeit von Kunsthistorikern und Restauratoren erzielt hat. Das umfassendste Element der Katalogtexte ist allerdings die traditionelle "kunsthistorische Einordnung", die aus sorgfältig referenzierten Standpunkten besteht, welche in eigenen Positionen des jeweiligen Autors münden. Hier wird ein Gegensatz zwischen Uwe Albrechts Vorwort mit seiner Vorsicht gegenüber "Künstlerphantomen" und der recht kritiklosen Zuschreibung vieler Katalogtexte an fiktive Meister und Gesellen ersichtlich. Dies belastet die Glaubwürdigkeit der sonst so stringenten Publikation.

Es ist interessant, dass der vorliegende Band auch Objekte aus Gottorfs Archäologischem Landesmuseum, wie den Rähm mit wikingerzeitlicher Ornamentik aus der Kirche in Humptrup (Südschleswig, um 1100), mitbeachtet. Die Katalogtexte für die älteren Objekte, alle aus Schleswig, folgen mit gutem Grund den Resultaten aus Jörn Barfods bahnbrechender Abhandlung von 1986. Teilweise fehlen für die frühen Skulpturen Beobachtungen zu eventuellen spätmittelalterlichen "Modernisierungen": So wurden bei einer Madonna aus der Kirche in Norderbrarup (Südschleswig, um 1220-40) dem Bild nach zu urteilen die Augen und Haare verändert. Ein Kruzifix aus Burg auf Fehmarn (um 1330-40) wird zu einer Gruppe nordjütischer Kruzifixe gezählt, aber es scheint für einen Jüten im Vergleich viel feiner und eleganter als diese.

Wie zu sehen ist, liegt das Gewicht ganz auf den Katalogtexten. Das bedeutet Wiederholungen, während allgemeine Beobachtungen und Beurteilungen idealerweise in den einführenden Abschnitten zusammengefasst werden sollten. Doch die Redaktion ist nachvollziehbar: Es wäre unmöglich, eine vollständige Kunst- und Technologiegeschichte für eine zeitlich derart weitreichende Periode zu erstellen, deren Kunstwerke zudem teilweise aus anderen Gebieten nach Schleswig-Holstein gekommen sind. Jetzt ist es am Leser, die Leckerbissen in den Katalogtexten zu finden. Und dafür steht viel zur Auswahl. Dank der unübertroffenen Fotografien von Kathrin Ulrich ist der Band eine Augenweide und dürfte, weit über die Grenzen Schleswig-Holsteins hinaus, ein unschätzbares Werkzeug für die Kunst- und Technologieforschung sein.