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  • Metadata

    • Document type
      Review (monograph)
      Journal
      sehepunkte
      Author (Review)
      • Münster, Sander
      Language (Review)
      Deutsch
      Language (Monograph)
      Deutsch
      Author (Monograph)
      • Erdmann, Lisa
      • Hartmann, Stefan
      • Maxzin, Jörg
      Title
      Lukas aus der Asche
      Subtitle
      Auferstandenes Kulturerbe aus dem 3D-Labor
      Year of publication
      2016
      Place of publication
      Lindenberg
      Publisher
      Josef Fink
      Number of pages
      288
      ISBN
      978-3-89870-981-1
      Subject classification
      Art History
      Regional classification
      Europe → Western Europe → Germany
      Subject headings
      Ableitner, Balthasar
      Theatinerkirche München
      Plastik
      Lukas <Evangelist, Heiliger>
      Restaurierung
      Computeranimation
      Original source URL
      http://www.sehepunkte.de/2018/05/29933.html
      recensio.net-ID
      d7d7d0584c854b99ada8323422d13341
      DOI
      10.15463/rec.1131254124
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Lisa Erdmann / Stefan Hartmann / Jörg Maxzin: Lukas aus der Asche. Auferstandenes Kulturerbe aus dem 3D-Labor (reviewed by Sander Münster)

sehepunkte 18 (2018), Nr. 5

Technische Hochschule Deggendorf (Hg.): Lukas aus der Asche

Das Buch "Lukas aus der Asche - Auferstandenes Kulturerbe aus dem 3D-Labor" ist ein beeindruckender Werkstattbericht. Es fasziniert und fesselt gleichermaßen, die hölzerne Figur des Evangelisten Lukas aus der Werkstatt Balthasar Ableithners (1614-1705) bei ihrer digital unterstützten Wiederherstellung und der Wiedereinsetzung in der Münchner Theatinerkirche zu begleiten. Jörg Maxzin erzählt dies in leichter Sprache, voller persönlicher Anekdoten und mit hochqualitativer Bebilderung, ohne sich dabei in Belanglosigkeiten zu verlieren. Eine besondere Hochachtung verdient die virtuose Verbindung von digitaler und handwerklicher Meisterschaft, welche ebenso wie zahlreiche clevere Ideen und Lösungsansätze les- und sichtbar wird. Eine Abfolge der Darstellung im Buch orientiert sich dabei eng an der zeitlichen Choreografie des unter Einbeziehung vorbereitender Arbeiten zwölf Jahre dauernden Wiederherstellungsprozesses der im Zweiten Weltkrieg schwer beschädigten Figur. Entsprechend dieses langen Zeitraums werden die Leser nicht nur mit der Restauration, sondern auch dem persönlichen Werdegang des Autors sowie handwerklichen und technologischen Entwicklungslinien vertraut gemacht. Vor diesem Hintergrund wird das Buch zur Chronik und macht den rasanten Wandel und die - im positiven Sinne - Technologiegetriebenheit digital unterstützter Erfassungs-, Modellierungs- und Fertigungsverfahren greifbar. Demgegenüber ist es gerade die Verbindung mit traditioneller Holzbildhauerkunst und das wohlüberlegte Abwägen zwischen Verfahren und Zugängen, die die Arbeit Maxzins auszeichnen. Eine große Stärke des Buches liegt darin, dass die genutzten, vielfältigen Erfassungs- und Modellierungstechniken nicht nur vorgestellt, sondern insbesondere auch hinsichtlich ihrer Auswahl, praktischen Handhabung und Herausforderungen diskutiert werden.

Begleitet wird dies von Beiträgen zur historischen und örtlichen Einordnung. So stellen die beiden von Lisa Erdmann verfassten Darstellungen zur Baugeschichte der Theatinerkirche sowie zur Beschädigung von Kirche und Figur im Zweiten Weltkrieg Ort und Kontext von Figur und Restaurierung vor. Jörg Maxzin wiederum beleuchtet in einem einführenden Beitrag Leben und Werk Balthasar Ableithners und ermöglicht damit eine künstlerische Einordnung. Vor diesem Hintergrund ist ein weiterer, von Stefan Hartmann verfasster Beitrag zur Figuration des Kirchraumes der Theatinerkirche wichtiges Bindeglied einer kunsthistorischen Einordnung.

Als wiederkehrendes Thema durch das gesamte Buch zieht sich die Frage nach einer historischen Werktreue ebenso wie nach der Zulässigkeit einer Überformung von Beschädigungen und Patina. Eine wichtige Funktion nimmt somit die von Stefan Hartmann moderierte Diskussion zu Authentizität und Paradigmen von Restaurierung ein. Dabei werden nicht nur Traditionslinien sichtbar gemacht, sondern auch die Diskrepanz zwischen Konservierung, Sanierung und Rekonstruktion diskutiert.

Dies geschieht gleichwohl nicht ohne eine eigene Positionierung und steht damit stellvertretend für die Ausrichtung des gesamten Buchs. Denn obwohl die geschilderten Arbeiten zweifelsohne forschungsintensiv waren, ist das Buch kein wissenschaftlicher Aufsatz. So wird auf die Referenzierung und Diskussion eines aktuellen Forschungs- und Entwicklungsstandes weitgehend verzichtet, ebenso auf eine umfassende Reflektion oder systematisch-kritische Bewertung der gefundenen Lösungen. Dies stellt jedoch kein Desiderat dar, sondern wäre vielmehr ein anderes Buch geworden.

Insofern empfiehlt sich das Buch nicht nur für diejenigen, die aus professionellem Interesse Inspiration und praxisgerechte Anregungen suchen, sondern zeigt durch seine Einblicke in die spannende Verbindung zwischen digitalen und analogen Werkzeugen auch eine mögliche Entwicklungsperspektive der Restaurierung von Kulturerbe als Arbeitsfeld auf.