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  • Metadata

    • Document type
      Review (monograph)
      Journal
      sehepunkte
      Author (Review)
      • Conermann, Stephan
      Language (Review)
      Deutsch
      Language (Monograph)
      English
      Editor (Monograph)
      • Ghersetti, Antonella
      Title
      Al-Suyūṭī, a Polymath of the Mamlūk Period
      Subtitle
      Proceedings of the themed day of the First Conference of the School of Mamlūk Studies. (Ca'Foscari University, Venice, June 23, 2014)
      Year of publication
      2017
      Place of publication
      Leiden
      Publisher
      Brill
      Series
      Islamic History and Civilization
      Series (vol.)
      138
      Number of pages
      VIII, 270
      ISBN
      978-90-04-33450-2
      Subject classification
      Social and Cultural History
      Time classification
      Middle Ages, Modern age until 1900 → 16th century
      Regional classification
      Africa → Egypt and Sudan
      Subject headings
      Suyūṭī, Ǧalāl-ad-Dīn ʿAbd-ar-Raḥmān Ibn-Abī-Bakr as-
      Ägypten
      Geschichte 1250-1505
      Original source URL
      http://www.sehepunkte.de/2019/06/33265.html
      recensio.net-ID
      7f91c482c9aa4690946798e5e025edf1
      DOI
      10.15463/rec.2012163675
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Antonella Ghersetti (ed.): Al-Suyūṭī, a Polymath of the Mamlūk Period. Proceedings of the themed day of the First Conference of the School of Mamlūk Studies. (Ca'Foscari University, Venice, June 23, 2014) (reviewed by Stephan Conermann)

sehepunkte 19 (2019), Nr. 6

Antonella Ghersetti (ed.): Al-Suyūṭī, a Polymath of the Mamlūk Period

Jalāl al-Dïn al-Suyūṭī (1445-1505) gehört (bis heute) zu den bekanntesten ʿulamāʾ der arabischen Welt. Er wuchs in Kairo auf und erhielt dort die für einen künftigen Gelehrten typische Ausbildung in den islamischen Wissenschaften (Recht, Theologie, Hadith-Kunde, Koranexegese etc.) In der Folgezeit unterrichtete er in der Stadt an verschiedenen anerkannten Ausbildungsstätten. Nach 1486 zog er sich mehr oder minder aus dem öffentlichen Leben zurück, nach 1501 lebte er nur noch in seinem Haus auf der Nilinsel Roda. Vier Jahre später ist er dort gestorben Al-Suyūṭī stand schnell in dem Ruf, eine der gebildetsten Personen seiner Zeit zu sein. Es gab kaum ein Thema, zu dem er nicht mehrere Bücher und Abhandlungen verfasste, von den Koranwissenschaften bis hin zu Lexikographie, Pharmazie oder Ernährungslehre. Seine Werke waren in der gesamten muslimischen Welt nicht nur verbreitet, sondern wurden auch in höchstem Maße geschätzt. Allerdings galt al-Suyūṭī unter seinen Zeitgenossen auch als unausstehlich, arrogant und streitsüchtig. Seine Auseinandersetzungen mit Muḥammad al-Sakhāwī (1428-1497) sind in die arabische Literaturgeschichte eingegangen, und selbst die direkte Konfrontation mit den Sultanen Qāʾitbāy (reg. 1468-1496) und al-Ghawrī (reg. 1501-1516) scheute er nicht.

Dank der ausgezeichneten Biographie, die Elisabeth M. Sartain über al-Suyūṭī verfasst hat, wissen wir über sein Leben recht gut Bescheid. [ 1 ] Viele seiner zahlreichen Texte sind jedoch noch nicht erschlossen. Vor diesem Hintergrund war es sicher eine gute Idee, ihm im Rahmen der ersten Conference of the School of Mamluk Studies, die vom 23. bis zum 25. Juni 2014 an der Caʾ Foscari Universität in Venedig stattfand, einen ganzen Thementag zu widmen. Die Ergebnisse dieses Workshops liegen nun in Form eines von Antonella Ghersetti sorgsam edierten Sammelbandes vor. Die Beiträge stammen von auf der ganzen Welt verteilten Expertinnen und Experten. Da hier nicht auf alle Artikel detailliert eingegangen werden kann, sei eine kurze Übersicht gestattet: Éric Geoffroy (University of Strasbourg) behandelt ebenso al-Suyūṭīs nicht ganz unkompliziertes Verhältnis zum Sufismus ("Al-Suyūṭī as a Sufi", 8-14) wie Aaron Spevack (Colgate University). Spevack untersucht anhand einer Art persönlichen Manifestos, wie al-Suyūṭī islamisches Rechtsdenken mit dem Sufismus in Einklang brachte. ("Al-Suyūṭī, the Intolerant Ecumenist: Law and Theology in Taʾyīd al-ḥaqīqa al-ʿāliya wa-tashyīd al-ṭarīqah al-Shādhiliyya ", 15-46) Widmet sich Takao Ito von der Kobe University der Frage, wie der ägyptische Gelehrte theoretisch wie auch im Alltagsleben zu religiösen Stiftungen stand ("Al-Suyūṭī and Problems of the Waqf", 57-63), so analysiert und kontextualisiert Judith Kindinger (Vrije Universiteit Amsterdam) eine von ihm geschriebene Rechtsstudie zur Frage angemessener Kleidungsvorschriften am Beispiel des ṭaylasān . (" Bidʿa or sunna : The ṭaylasān as a Contested Garment in the Mamlūk Period (Discussions between al-Suyūṭī and Others)", 64-80) Anhand einer Reihe von historiographischen Texten kann Christian Mauder (Institute for Advanced Study, Princeton) zeigen, wie geschickt al-Suyūṭī Kritik an dem Verhalten von Sultanen generell und insbesondere an dem Benehmen der beiden oben genannten Sultane übt. ("Al-Suyūṭī's Stance Toward Worldly Power: A Reexamination Based on Unpublished and Understudied Sources", 81-97) Grundsätzlich war al-Suyūṭï ohnehin der Meinung, dass den Kalifen eine sehr viel größere Autorität zukomme als den Sultanen. Dies geht auch deutlich aus Mustafa Banisters (University of Toronto) Beitrag "Casting the Caliph in a Cosmic Role: Examining al-Suyūṭī's Historical Vision" (98-117) hervor.

Es folgen zwei interessante Artikel, die einen literaturwissenschaftlichen Ansatz verfolgen: Christopher D. Bahl (SOAS, University of London) legt auf sehr überzeugende Weise die narrativen Strategien einer von al-Suyūṭī vorgelegten historiographischen Arbeit offen. ("Preservation Through Elaboration: The Historicisation of the Abyssinians in al-Suyūṭī's Rafʿ shaʾn al-ḥubshān ", 118-146) Um seine Arbeitstechniken geht es dann auch in Stephen R. Burges (Institute of Ismaili Studies, London) "Evidence of Self-Editing in al-Suyūṭī's Taḥbīr and Itqān : A Comparison of his Chapters on Asbāb al-nuzūl " (143-181). Burge verdeutlicht am Beispiel von al-Suyūṭīs bekanntem Korankommentar al-Itqān fī ʿulūm al-Qurʾān , dass die in der Vormoderne in Europa wie auch im Nahen Osten durchweg verwendete Kompilationstechnik keine Plagiate erzeugte, sondern durchaus neue und originelle Texte. Das gilt, wie Joel Blecher von der George Washington University nachweist, auch für al-Suyūṭīs ḥadïth-Kommentare. "'Usefulness without Toil': Al-Suyūṭī and the Art of Concise ḥadīth Commentary", 182-200).

Da der mamlukenzeitliche Gelehrte Philologie und Grammatik als seine besonderen Steckenpferde betrachtete, ist es kein Wunder, dass wir aus seiner Feder auch einige linguistische Arbeiten kennen. Francesco Grande (Ca' Foscari University of Venice) weist in seinem Beitrag "History, Comparativism and Morphology: Al-Suyūṭī and Modern Historical Linguistics" (201-226) darauf hin, dass al-Suyūṭīs theoretische und methodische Herangehensweise in vielerlei Hinsicht dem Vorgehen sogenannter moderner Linguisten ähnelt.

Den Abschluss des Sammelbandes bilden zwei Aufsätze zu Texten, die erotische Themen behandeln: Jaakko Hämeen-Anttila (University of Edinburgh), "Al-Suyūṭī and Erotic Literature", 227-240 und Daniela Rodica Firanescu (Dalhousie University, Halifax), "Revisiting Love and Coquetry in Medieval Arabic Islam: Al-Suyūṭī's Perspective", 241-260.

Insgesamt zeigt der Band zum einen, wie weit Jalāl al-Dïn al-Suyūṭīs Interessen reichten, und zum anderen, wie wenig erforscht das Gesamtwerk selbst dieses wirklich bedeutenden und wichtigen muslimischen Gelehrten aus der Mamlukenzeit letzten Endes ist.


Anmerkung :

[ 1 ] Elisabeth M. Sartain: Jalāl al-dïn al-Suyūtī. Vol. 1: Biography and Background. Cambridge 1975.