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  • Metadata

    • Document type
      Review (monograph)
      Journal
      sehepunkte
      Author (Review)
      • Secklehner, Julia
      Language (Review)
      Deutsch
      Language (Monograph)
      Deutsch
      Editor (Monograph)
      • Janatková, Alena
      Title
      Der Tschechoslowakische Werkbund und der Werkbund der Deutschen in der Tschechoslowakei
      Subtitle
      Eine kritische Anthologie
      Year of publication
      2018
      Place of publication
      Berlin
      Publisher
      Gebr. Mann Verlag
      Number of pages
      153
      ISBN
      978-3-7861-2805-2
      Subject classification
      Art History, Social and Cultural History, Economic History
      Time classification
      20th century → 1900 - 1919, 20th century → 1920 - 1929, 20th century → 1930 - 1939
      Regional classification
      Europe → Eastern Europe → East-Central Europe, Europe → Eastern Europe → East-Central Europe → Czech Republic, Europe → Eastern Europe → East-Central Europe → Slovakia
      Subject headings
      Tschechoslowakei
      Svaz Československého Díla
      Deutscher Werkbund
      Werkbund der Deutschen in der Tschechoslowakei
      Gründung
      Österreichischer Werkbund
      Rezeption
      Geschichte 1910-1931
      Original source URL
      http://www.sehepunkte.de/2020/03/34167.html
      recensio.net-ID
      e3b564a51f4840ba89c0e18572b1861c
      DOI
      10.15463/rec.888933475
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Alena Janatková (ed.): Der Tschechoslowakische Werkbund und der Werkbund der Deutschen in der Tschechoslowakei. Eine kritische Anthologie (reviewed by Julia Secklehner)

sehepunkte 20 (2020), Nr. 3

Alena Janatková (Hg.): Der Tschechoslowakische Werkbund und der Werkbund der Deutschen in der Tschechoslowakei

In der vorliegenden, reichlich bebilderten Anthologie bietet Alena Janatoková Zugang zu neuen Quellentexten des Tschechischen/Tschechoslowakischen Werkbunds (Svaz Českého/Československého Díla, SČD/SČSD) und des Werkbunds der Deutschen in der Tschechoslowakei (WDT), eingebunden in einer Studie, die das Wirken des Werkbundes über die Grenzen des Deutschen Reichs hinaus skizziert. Insbesondere ist es Janatkovás Ziel, eines der Kernthemen des Werkbunds, nämlich die "Modernisierung von Alltag, Leben und Wohnen durch Qualitätsarbeit und Qualitätsprodukte" (11), und seine Verbindung mit der Tschechoslowakei als neuem Nationalstaat nach dem Zerfall der Habsburgermonarchie zu beleuchten. Janatková präsentiert den 1907 gegründeten Deutschen Werkbund (DWB) und den 1912 in der Habsburgermonarchie gegründeten Österreichischen Werkbund (ÖWB) als eine Art Exportmodell, das als wichtiger Bezugspunkt für sowohl den SČD/SČSD als auch den WDT galt. Kurz skizziert Janatková den Werdegang des DWB und des ÖWB in der Einleitung, in der sie auch die Eckdaten und wichtigsten Anhaltspunkte zu den tschechoslowakischen Werkbundvereinen SČD/SČSD und WDT festhält. Betont wird dabei, dass der nach dem Zerfall der Habsburgermonarchie neu gegründete SČSD durch Persönlichkeiten wie Václav Vilém Štech "bestens im Netzwerk der staatlichen Kultur mit der tschechoslowakischen Regierung eingebunden" (15) gewesen sei. Dem WDT hingegen, seinerseits den Kunsthistoriker Otto Kletzl zu den Gründungsmitgliedern zählend, wurde politisches Handeln untersagt. Die Beziehung zwischen den beiden Vereinen war bis zuletzt von einem gegenseitigen Konkurrenzdenken geprägt. Unter Berücksichtigung dieser Gegebenheiten sieht Janatková das Ziel der vorliegenden Anthologie einerseits darin, den bisher kaum erforschten WDT in die Geschichte der Werkbundvereine aufzunehmen; andererseits offeriert der grenzüberschreitende Kontext in Bezug auf beide tschechoslowakische Werkbundvereine eine neue Sichtweise auf die Kulturorganisation DWB als "Exportmodell" (12).

Die Quellentexte, die im deutschen Original beziehungsweise in deutscher Übersetzung aus dem Tschechischen vorliegen und sich auf die wesentlichsten programmatischen Schriften des ÖWBs als Vorgänger zum einen und des SČD/SČSD und WDT zum anderen beschränken, präsentiert die Herausgeberin als Basis für weiterführende Forschungsprojekte, die unter ihren Schwerpunkt "Architektur und Erziehung" fallen. Die insgesamt sechs Texte umfassen eine Zeitspanne von fünfzehn Jahren (1916-1931), die sowohl die Entstehung des SČD und des WDT als auch die letzte große Ausstellung des SČSD "Baba" in Prag (1932) miteinschließt, welche den endgültigen Übergang vom Vorbild des Großstadtmodells von Otto Wagner zu dem von Le Corbusier bezeugte. Janatková bietet zu jedem dieser Quellentexte eine kurze Einleitung und kommentiert, wenn auch nur sehr kurz, die sich anschließenden Bildfolgen, mit denen das jeweils von der Herausgeberin angeführte Argument zu den Quellentexten unterstrichen werden soll.

Als Ausgangspunkt dient Max Eislers Publikation Die Österreichische Werkkultur von 1916, der zufolge der Erziehungsgedanke des Werkbunds zum "guten Geschmack" in der Zusammenarbeit zwischen Künstler, Schule/Lehrer, Erzeuger, Aussteller sowie Händler und Käufer begründet liegt. Der 1913 gegründete SČD griff diesen Gedanken auf, münzte ihn jedoch im Laufe der 1910er Jahre auf die Bedürfnisse des tschechoslowakischen Nationalstaats um. Die von Janatková ausgewählten Texte bezeugen dabei die Schlüsselposition Štechs als Kulturtheoretiker und Bindeglied zwischen Regierung und SČSD. Im Vergleich zu der Fülle an Texten und Publikationen des SČD/SČSD finden die Schriften des WDT nur relativ wenig Berücksichtigung; in der Anthologie sind sie auf Ernst Schwedeler-Meyers "Der Werkbund der Deutschen in der Tschechoslowakischen Republik" (1927) beschränkt. Damit wird verdeutlicht, dass der SČD/SČSD der dominantere der beiden Vereine war und dass Quellen zum WDT nur spärlich vorhanden sind.

Besonders betont die Herausgeberin die Erkenntnis, dass der Erziehungsgedanke des SČSD mit dem neuen tschechoslowakischen Nationalstaat eng kooperierte und sich letztendlich auf Vorgaben des modernen Wohnens spezialisierte. Diese waren zwar ursprünglich für die Mehrheitsbevölkerung gedacht gewesen, wurden letztendlich aber auf "eine exklusive Klientel von Auftraggebern der tschechoslowakischen Kunst- und Kulturelite" zugeschnitten (123). Nichtsdestotrotz war das moderne Wohnen mit dem tschechoslowakischen Nationalstaat im Sinne der neuen Staatsideologie verbunden und wurde nach außen hin als Grundrecht präsentiert. In den Quellentexten kommen in diesem Zusammenhang die Parallelen zwischen ÖWB und SČSD besonders deutlich zum Vorschein, auch wenn diese von der Herausgeberin nicht direkt kommentiert werden.

Zweifelsohne ist Janatkovás Beitrag zur Geschichte der Werkbundvereine von großer Relevanz, zumal die Anthologie erstmals deutsche, österreichische und (deutsch-)tschechische Quellentexte präsentiert und somit die transnationale Bedeutung des Werkbunds in Zentraleuropa verdeutlicht. Jedoch sei hinzugefügt, dass die Analyse vom Werdegang der Werkbundvereine in der Tschechoslowakei sehr eng gefasst ist und ein fundiertes Wissen zur Geschichte der Ersten Tschechoslowakischen Republik voraussetzt, um die vorliegenden Quellen adäquat kontextualisieren zu können. Als Grundbaustein für die weiterführende Forschung zum Werkbund im zentraleuropäischen Raum hat Janatková die Texte zum Thema demnach auf die wesentlichsten beschränkt, sodass, ganz in ihrer Absicht, weitere Fragen beantwortet werden müssen, um das Gesamtbild des facettenreichen Modells "Werkbund" in der Region erfassen zu können.